Die Vereinigten Staaten erleben erneut ihre liebste nationale Sportart: nicht Baseball, nicht Football, sondern das olympische Verbiegen von Wahlkreisen. Während normale Menschen glauben, Wahlen würden durch Stimmen entschieden, wissen erfahrene amerikanische Politiker längst: Die wahre Macht liegt bei Menschen mit Filzstiften, Statistikprogrammen und moralischer Flexibilität.
Quer durch das Land sitzen derzeit Strategen über riesigen Karten, ziehen Linien durch Städte, Vororte und Wohngebiete und tun dabei so, als würden sie komplizierte wissenschaftliche Berechnungen durchführen. Tatsächlich erinnert das Ganze eher an einen Kindergeburtstag, bei dem jemand versehentlich Energydrinks statt Apfelsaft verteilt hat.
Der große Star dieser politischen Dauerkomödie heißt Gerrymandering. Ein Begriff, der klingt wie ein britischer Zauberer aus einem schlechten Fantasyfilm, tatsächlich aber bedeutet: „Wir schneiden die Wahlkreise so zurecht, bis der Gegner aussieht wie ein mathematischer Unfall.“
Und genau das passiert momentan überall.
Wahlkreise werden inzwischen so absurd geformt, dass selbst moderne Navigationssysteme vermutlich kurz aufgeben und fragen würden: „Bist du sicher, dass das noch ein Bezirk ist und kein kaputtes Ladekabel?“
In einigen Bundesstaaten sehen die neuen Grenzen aus wie Schlangen auf Koffein, andere erinnern an verschüttete Spaghetti oder an die Herzfrequenzkurve eines Menschen, der seine Benzinrechnung geöffnet hat.
Besonders stolz präsentieren republikanische Strategen derzeit ihre neuesten Meisterwerke. Ganze Stadtteile werden zerlegt, neu zusammengesetzt und über Hunderte Kilometer verteilt, bis das gewünschte Wahlergebnis ungefähr so sicher wirkt wie ein Kühlschrank in Deutschland während eines Stromausfalls.
Die Demokraten wiederum reagieren darauf mit derselben Gelassenheit wie Menschen, denen jemand gerade die WLAN-Verbindung gekappt hat. Bürgerrechtsgruppen schlagen Alarm, Aktivisten sprechen von Angriffen auf die Demokratie, und politische Kommentatoren werfen inzwischen mit historischen Vergleichen um sich wie Köche mit Nudeln.
Im Zentrum des Spektakels steht der Supreme Court. Das höchste Gericht der Vereinigten Staaten entwickelt sich zunehmend zu einer Art politischem Endgegner-Level. Dort sitzen Richter, deren Entscheidungen regelmäßig dazu führen, dass in Nachrichtensendern hektisch „Breaking News“-Grafiken eingeblendet werden, während irgendwo ein Praktikant panisch neue Experten herantelefoniert.
Die konservative Mehrheit am Gericht liefert Entscheidungen, bei denen republikanische Wahlstrategen vermutlich spontan Freudentänze aufführen. Besonders die Lockerung bisheriger Schutzmechanismen für Minderheitenstimmen wurde von konservativen Politikern gefeiert wie ein Steuerbonus auf Grillfleisch und Pickup-Trucks.
Kaum war das Urteil veröffentlicht, begannen mehrere Bundesstaaten sofort mit neuen Wahlkreisplänen. In Louisiana beispielsweise wurde so schnell neu gerechnet und gezeichnet, dass vermutlich mehrere Drucker gleichzeitig Rauchzeichen gaben.
Auch Tennessee mischte munter mit. Dort wurde ein bisher demokratisch geprägter Bereich so kreativ umgebaut, dass politische Analysten anschließend mehrere Stunden brauchten, um überhaupt herauszufinden, wo der Wahlkreis eigentlich beginnt und wo der Wahnsinn endet.
Einige Karten wirken inzwischen, als hätte jemand versucht, Tetris unter Einfluss von Schlafmangel und drei Litern Cola zu spielen.
Die Demokraten sprechen derweil von systematischer Benachteiligung. Republikaner antworten darauf traditionell mit dem Satz: „Das ist völlig fair.“ In Amerika bedeutet dieser Satz meist ungefähr dasselbe wie: „Bitte schaut nicht genauer hin.“
Doch auch die Demokraten sind keineswegs unschuldige Chorknaben. Sobald sich irgendwo eine Gelegenheit ergibt, greifen auch sie begeistert zum digitalen Brotmesser der Macht. In Kalifornien wird ebenfalls geschoben, gerechnet und optimiert, bis Bezirke entstehen, die geografisch ungefähr denselben Sinn ergeben wie ein Drive-in-Fenster im dritten Stock.
Die politische Logik lautet inzwischen auf beiden Seiten: Demokratie ist wunderbar – solange die Mathematik vorher stimmt.
Besonders herrlich eskalierte die Lage in Virginia. Dort hatten Bürger über neue Wahlkreisregeln abgestimmt, doch Gerichte kassierten die Entscheidung wieder ein. Einige Demokraten reagierten darauf mit einem Vorschlag, der klang wie eine Idee aus einer schlecht belüfteten Studenten-WG um vier Uhr morgens: Man könne doch einfach die Altersgrenze für Richter drastisch senken und damit das komplette Gericht austauschen.
Der Plan verschwand zwar schnell wieder in der politischen Müllpresse, sorgte aber dennoch für Schnappatmung. Selbst erfahrene Washington-Beobachter blickten kurz schweigend aus dem Fenster und überlegten vermutlich, ob sie vielleicht doch lieber einen kleinen Buchladen in Kanada eröffnen sollten.
Währenddessen verschlechtert sich die Stimmung für Donald Trump weiter. Die Preise steigen, der Iran-Konflikt sorgt für Nervosität und die Tankstellenpreise verwandeln amerikanische Autofahrer langsam in philosophische Denker.
In Texas wurde angeblich ein Mann gesehen, der beim Tanken minutenlang still auf die Zapfsäule starrte und anschließend fragte, ob man einen Pickup vielleicht steuerfrei als Ferienwohnung anmelden könne.
Trotz aller Tricks bleibt die Lage für Republikaner riskant. Denn je stärker Wahlkreise künstlich optimiert werden, desto instabiler werden sie auch. Politische Experten vergleichen das inzwischen mit einem Jenga-Turm aus Zahnstochern, auf den zusätzlich noch ein Kühlschrank gestellt wird.
Historisch verlieren Präsidentenparteien bei Zwischenwahlen fast immer Sitze. Das gehört in den USA inzwischen so fest zum politischen Kalender wie Truthähne zu Thanksgiving oder peinliche Wahlkampfvideos mit Countrymusik.
Doch statt daraus zu lernen, liefern sich beide Parteien lieber einen gigantischen Geometriekrieg mit juristischem Beipackzettel.
Und so schaut die Welt erneut auf die Vereinigten Staaten – jenes Land, das einst Freiheit, Demokratie und politische Teilhabe exportieren wollte und nun aussieht wie eine Gruppe hektischer Architekten, die versuchen, mit einem Zirkel und sehr viel Panik die Realität umzubauen.
Irgendwo sitzen vermutlich die Gründerväter Amerikas als Geisterrunde zusammen, betrachten die aktuellen Wahlkreiskarten und diskutieren ernsthaft, ob man die Unabhängigkeitserklärung nachträglich mit einer Bedienungsanleitung hätte versehen sollen.