Es gibt Dinge, die konnte man bislang nicht einfach kaufen: echte Freundschaft, guten Geschmack und die Fähigkeit, bei einer Familienfeier rechtzeitig nach Hause zu gehen. Argentinien arbeitet nun offenbar daran, zumindest einen weiteren bislang komplizierten Bereich marktwirtschaftlich zu optimieren: die Staatsbürgerschaft.
Wer ausreichend Geld herumliegen hat, soll künftig über „relevante Investitionen“ Argentinier werden können. Damit erreicht die globale Premiumisierung endlich den Nationalstaat.
Andere Länder verlangen Sprachtests, Aufenthaltszeiten, Integrationsnachweise und Kenntnisse über Verfassungsorgane. Argentinien sagt sinngemäß:
„Kreditkarte oder Überweisung?“
Das Verfahren klingt erfreulich unkompliziert. Interessenten können entweder direkt Geld beim Staat abladen oder in ein spezielles staatliches Finanzprodukt investieren. Damit verwandelt sich die Einbürgerungsbehörde praktisch in eine Mischung aus Bankfiliale, Passamt und Duty-free-Shop.
Am Eingang könnte künftig ein freundlicher Beamter fragen:
„Was darf es sein? Aufenthalt, Staatsbürgerschaft oder unser Premium-Paket mit Angehörigen?“
Denn selbstverständlich wurde auch an die Familie gedacht. Ehepartner und bestimmte Kinder können ebenfalls Teil des patriotischen Einkaufswagens werden. Damit dürfte die argentinische Staatsbürgerschaft das erste staatliche Produkt sein, bei dem man beim Antrag innerlich fragt:
„Gibt es das auch als Familienpackung?“
Besonders faszinierend ist der Begriff „relevante Investition“. Relevant ist schließlich ein wunderbar elastisches Wort. Ein Sprachkurs kann relevant sein. Gesellschaftliches Engagement kann relevant sein. Offenbar kann aber auch ein ausreichend enthusiastischer Kontostand erhebliche Integrationsbereitschaft ausstrahlen.
Der neue Staatsbürger muss dann möglicherweise nicht mehr beweisen, dass er Argentinien besonders gut kennt. Sein Bankberater kennt es schließlich bereits.
Internationale Vermögende könnten dadurch vor völlig neuen Problemen stehen. Früher musste man entscheiden, ob man eine Villa, eine Yacht oder einen weiteren Sportwagen kauft. Jetzt kommt hinzu:
„Schatz, brauchen wir wirklich noch einen Porsche? Wir könnten stattdessen Argentinier werden.“
Auch der Tourismus dürfte profitieren. Reisebüros könnten künftig Pakete anbieten:
Buenos Aires, Tango, Steak, Patagonia – und bei entsprechender Bonität Staatsangehörigkeit zum Mitnehmen.
Der klassische Souvenirladen bekommt damit ernsthafte Konkurrenz. Kühlschrankmagnet? Langweilig. Mate-Becher? Hat jeder. Reisepass? Das ist Premium-Merchandising.
Natürlich ist die Idee wirtschaftlich bemerkenswert: Während andere Staaten Investoren mit Steuervergünstigungen, Aufenthaltsrechten und Bürokratieabbau locken, scheint Argentinien das Prinzip konsequent weiterzudenken.
Warum lange um Kapital werben, wenn man dem Kapital gleich einen Pass geben kann?
Damit bekommt auch der alte Satz „Geld regiert die Welt“ ein modernes Update.
In Argentinien könnte künftig gelten:
Geld regiert nicht nur die Welt – bei ausreichender Bonität darf es dort sogar wählen.




