Nachrichten, die zum Nachdenken anregen*
*Oder zum Lachen. Oder beides.
Satiressum Harlekin
POLITIK

Milei bei der UNO: Erst Parasiten, dann Stecknadeln

admin · 25.09.2026 · 2 Min. Lesezeit
Grafik: Milei trifft die UNO mit der Kettensäge
Open-How2 - Banner 001Partnerlink

Es gibt Redner, die betreten das Pult der Vereinten Nationen mit diplomatischen Floskeln, höflichem Räuspern und dem dringenden Wunsch, möglichst niemanden zu verärgern.

Und dann gibt es Javier Milei.

Argentiniens Präsident erschien in New York ungefähr mit der Energie eines Mannes, der zu einer Eigentümerversammlung eingeladen wurde und gerade entdeckt hat, dass die Hausverwaltung aus seiner Sicht ausschließlich aus Formularen, Ausschüssen und Menschen besteht, die beruflich „zur Kenntnis genommen“ sagen.

Die UNO bezeichnete Milei sinngemäß als nutzlosen Verwaltungsapparat voller arroganter Bürokraten. Diplomatisch übersetzt bedeutet das ungefähr: „Vielen Dank für die Einladung. Wo ist hier der Ausgang?“

Während andere Staatschefs internationale Organisationen gewöhnlich kritisieren, indem sie Formulierungen wie „Reformbedarf“ oder „institutionelle Herausforderungen“ verwenden, bevorzugt Milei offenbar die rhetorische Methode Kettensäge: Motor an, Rednerpult festhalten und schauen, welche Satzbausteine übrig bleiben.

Die Vereinten Nationen seien zu groß, zu bürokratisch und mischten sich überall ein.

Im UN-Gebäude dürfte daraufhin vermutlich sofort ein Unterausschuss gegründet worden sein, der prüfen soll, ob Mileis Kritik an zu vielen Unterausschüssen durch einen weiteren Unterausschuss untersucht werden sollte.

Doch dann geschah etwas Erstaunliches.

Der Mann, der kurz zuvor die internationale Bürokratie verbal auf Sperrmüllgröße komprimiert hatte, entdeckte plötzlich seine romantische Seite.

Thema: Künstliche Intelligenz.

Hier wurde Milei beinahe zum Tech-Poeten.

KI sei eine enorme Chance für Produktivität. Als historisches Bild bemühte er Adam Smiths berühmte Stecknadelfabrik. Die Botschaft: Was Arbeitsteilung einst für Stecknadeln bedeutete, könnte KI künftig für die gesamte Wirtschaft bedeuten.

Damit erreichte die Rede endgültig jenen seltenen Punkt, an dem Weltpolitik, libertäre Ökonomie und Kurzwarenabteilung miteinander verschmelzen.

Die Menschheit stand also vor der großen Frage:

Kann künstliche Intelligenz die Welt retten – und produziert sie dabei wenigstens genug Stecknadeln?

Mileis Antwort dürfte ungefähr lauten: Ja. Vorausgesetzt, niemand kommt auf die Idee, dafür ein Formular einzuführen.

Strenge Regulierung? Eher nicht.

Stattdessen soll Innovation möglichst freie Fahrt bekommen. Unternehmen sollen experimentieren dürfen, der Staat möge sich bitte zurückhalten und wahrscheinlich möglichst weit weg vom Sicherungskasten stehen.

Und genau hier taucht Donald Trump im geistigen Hintergrund auf.

Denn Trump möchte KI lieber „Superintelligenz“ nennen.

Eine beeindruckende Innovation der amerikanischen Technologiepolitik: Wenn ein Begriff kompliziert klingt, macht man einfach „Super“ davor.

Aus künstlicher Intelligenz wird Superintelligenz.

Nach derselben Methode könnte Inflation künftig „Superkaufkraftdynamik“, ein Haushaltsdefizit „Superfinanzierung“ und ein kaputter Drucker im Weißen Haus „Superdokumentationsgerät mit temporärer Papierfreiheit“ heißen.

Damit haben Milei und Trump möglicherweise die neue internationale KI-Doktrin gefunden:

Milei entfernt die Regeln.

Trump ändert den Namen.

Und irgendwo in einem Rechenzentrum sitzt eine KI, betrachtet das alles und fragt sich erstmals ernsthaft, ob vielleicht doch die Menschen künstlich sind.

EoT - Banner 002Partnerlink
Open-How2 - Sidebar 001Partnerlink
Meinung des Tages
"
Wenn Satire die Realität überholt hat, sollte man wenigstens Maut verlangen.
– Unbekannt (aber weise)
Open-How2 - Sidebar 002Partnerlink
Newsletter
Satire ohne Spam. Versprochen.*
*Ok, vielleicht ein bisschen.
EoT - Sidebar 003Partnerlink
Enter drücken zum Suchen