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KOLUMNE

BAföG-Wohnpauschale deckt jetzt den Flur

admin · 05.10.2026 · 2 Min. Lesezeit
Grafik: BAföG-Wohnpauschale - Das Flur-Apartment kommt
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Gute Nachrichten für Studierende: Die BAföG-Wohnpauschale reicht weiterhin zum Wohnen.

Man muss lediglich den Begriff „Wohnen“ etwas zeitgemäßer definieren.

Da die Mieten an vielen Hochschulstandorten erneut gestiegen sind, während staatliche Unterstützung offenbar noch in einer Epoche kalkuliert wird, in der Vermieter bei Vertragsabschluss keine Bonitätsprüfung der Großeltern verlangten, entwickelt sich eine völlig neue studentische Wohnkultur:

das anteilige Wohnen.

Eine komplette Wohnung gilt dabei als unnötiger Luxus. Auch ein WG-Zimmer wird zunehmend als verschwenderisches Raumkonzept betrachtet.

Moderne Studierende mieten künftig nur noch jene Teile einer Wohnung, die sie tatsächlich benötigen.

Montag und Mittwoch: Bettkante.

Dienstag: Schreibtisch.

Donnerstag: Fensterplatz.

Am Wochenende darf gegen Aufpreis die Zimmertür geschlossen werden.

Das Bildungsministerium könnte dazu den neuen „BAföG-Wohnstandard Minimal“ einführen.

Basismodell wäre der Fluranteil Komfort: ein schmaler Schlafbereich zwischen Garderobe und Schuhregal inklusive Mitbenutzungsrecht an einer Türklinke.

Wer etwas mehr Wohnqualität wünscht, bucht Minimal Plus.

Enthalten sind ein halbes WG-Zimmer, Steckdosennutzung zu Nebenzeiten und gelegentlicher Blick in die Küche.

Duschen bleibt ein Wahlpflichtmodul.

Besonders attraktiv wäre das Modell „Schreibtisch mit Schlafberechtigung“. Tagsüber dient die Fläche dem Studium, nachts wird die Tastatur weggeräumt und der Student horizontal darübergelegt.

Damit verschmelzen Wohnen und Lernen endlich vollständig.

Universitäten könnten sogar Leistungspunkte vergeben.

„Einführung in die Seitenschläferposition unter erschwerten Mietbedingungen.“

Natürlich bedeutet die hohe Wohnkostenbelastung keineswegs, dass Studieren unbezahlbar geworden wäre.

Studierende müssen lediglich Prioritäten setzen.

Miete oder Essen.

Heizung oder Fachliteratur.

Semesterbeitrag oder gelegentliche Körperpflege mit warmem Wasser.

Das fördert Entscheidungsfähigkeit und bereitet hervorragend auf das spätere Berufsleben vor.

Besonders innovativ ist die politische Vorstellung, eine vorhandene Wohnpauschale bedeute automatisch, dass davon Wohnraum existiert.

Nach derselben Logik könnte der Staat künftig eine Yachtpauschale auszahlen.

Der Betrag reicht zwar nur für einen Schwimmreifen – aber formal wäre die maritime Versorgung sichergestellt.

Vielleicht liegt genau darin die Zukunft deutscher Studienförderung.

Das BAföG muss gar nicht an die tatsächlichen Wohnkosten angepasst werden.

Die Definition von Wohnraum muss nur schneller schrumpfen als die Kaufkraft.

Ein WG-Zimmer wird zum Luxusapartment.

Ein Flur zur Studentenresidenz.

Eine Fußmatte zum Mikroloft.

Und wer sich selbst die Fußmatte nicht mehr leisten kann, erhält selbstverständlich weiterhin Unterstützung.

Schließlich lässt der Sozialstaat niemanden allein.

Er stellt zuverlässig einen Betrag bereit, von dem man sich theoretisch etwas mieten könnte, wenn die Mieten theoretisch wären.

Sollten die Wohnkosten weiter steigen, braucht es deshalb auch keine höhere Pauschale.

Das Bildungsministerium muss lediglich die Maßeinheit ändern.

Nicht mehr Euro pro Wohnung.

Sondern BAföG pro Quadratdezimeter.

Dann reicht die Förderung plötzlich wieder hervorragend.

Vielleicht nicht für ein Zimmer.

Vielleicht nicht für einen Flur.

Vielleicht nicht einmal für eine Fußmatte.

Aber immerhin für den Platz davor.

Und damit wäre das politische Ziel erreicht:

Studierende können sich Wohnen wieder leisten.

Sie dürfen nur nicht mehr rein.

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