Washington hat eine bahnbrechende Methode zur Beendigung internationaler Konflikte entwickelt: Der Aggressor wird so lange wirtschaftlich geschont, bis das angegriffene Land vor Dankbarkeit kapituliert. Donald Trump stoppte dafür die angekündigten Sanktionen gegen Russland kurz vor ihrem Inkrafttreten. Die Maßnahmen waren offenbar derart vernichtend, dass bereits ihre Anwendung auf den vorgesehenen Adressaten unverantwortlich erschien.
Im Kreml herrscht Erleichterung. Dort hatte man zwischenzeitlich befürchtet, amerikanische Gesetze könnten nach ihrer Unterzeichnung tatsächlich umgesetzt werden. Eine diplomatische Unsicherheit, die nun ausgeräumt ist. Zur Feier des Tages dürfte die amerikanische Drohkulisse als russisches Kulturerbe unter Denkmalschutz gestellt werden.
Dabei war von „höllischen Sanktionen“ die Rede gewesen. Trump hat die Hölle inzwischen auf Fußbodenheizung umgestellt. Putin soll schließlich warme Füße behalten, während die Ukraine weiter über glühende Kohlen läuft. Das nennt sich ausgewogene Temperaturpolitik.
Die Begründung lautet „nationales Interesse“. Welcher Nation, bleibt der kreativen Auslegung überlassen. Im Weißen Haus könnte künftig ein Globus helfen, auf dem sich das nationale Interesse anhand der aktuellen Geschäftsmöglichkeiten verschieben lässt. Grenzen wären darauf nur noch unverbindliche Lieferhinweise.
Kreml-Unterhändler Kirill Dmitrijew lobt den Schritt als historischen Moment. Verständlich: Selten wurde ein mutmaßlicher Feuerlöscher so elegant in einen Benzingutschein umgewandelt. Wirtschaftliche Zusammenarbeit schaffe Vertrauen, heißt es aus Moskau. Besonders vertrauensbildend ist es natürlich, wenn der Geschäftspartner zuverlässig dafür sorgt, dass zwischen Angriff und Rechnung kein unangenehmer Zusammenhang entsteht.
Die Ukraine hatte auf Druck gegen Russland gehofft. Washington liefert Druck gegen die Ukraine. Eine nachvollziehbare Verwechslung: Beide Länder liegen auf derselben Seite des Atlantiks. Bei derart komplizierten Auslandsangelegenheiten muss ein Präsident Prioritäten setzen.
Auch die europäische Hoffnung auf amerikanische Entschlossenheit erhält ein zeitgemäßes Update. Sie läuft jetzt im Energiesparmodus. In Brüssel wird vermutlich bereits geprüft, ob sich tiefe Besorgnis als strategische Reserve einlagern lässt. Für den Ernstfall stünde dann ein vollständig gefüllter Kavernenspeicher mit nachdrücklichen Appellen bereit.
Die vereinbarten Dieselgeschäfte geben dem Friedensprozess unterdessen die nötige Bodenhaftung. Während Diplomaten noch nach einer Ausfahrt aus dem Krieg suchen, wird vorsorglich nachgetankt. Der Zapfhahn übernimmt die Rolle des Vermittlers: Er verbindet zuverlässig beide Seiten, solange jemand bezahlt.
Im Kongress dürfte man daraus lernen. Künftige Sanktionsgesetze könnten direkt auf essbarem Papier gedruckt werden. Dann hätte ihre feierliche Unterzeichnung wenigstens einen Nährwert. Für besonders harte Maßnahmen wäre Knäckebrot vorgesehen.
Für die neue Friedensordnung fehlt damit nur noch das passende Vertragsformular. Russland bekommt wirtschaftliche Entlastung, Trump bekommt einen historischen Erfolg, und die Ukraine bekommt den Hinweis, sie möge den Ablauf nicht durch übertriebene Existenz stören.
Der Friedensnobelpreis könnte anschließend per Tankkarte ausgezahlt werden.




