Nachrichten, die zum Nachdenken anregen*
*Oder zum Lachen. Oder beides.
Satiressum Harlekin
POLITIK

Iran entdeckt Menschenrechte – ausgerechnet in Frankreich

admin · 10.10.2026 · 3 Min. Lesezeit
Grafik: Paris und Teheran spielen Botschafter-Pingpong
Ronald Tramp - Banner 002Partnerlink

Im Iran hat man offenbar etwas entdeckt.

Menschenrechte.

Sie lagen vermutlich irgendwo hinten im Außenministerium, zwischen einem kaputten Faxgerät, mehreren Protestnoten und einem Ordner mit der Aufschrift:

„Nur für Auslandsangelegenheiten.“

Teheran bestellte den französischen Botschafter ein und kritisierte den Umgang Frankreichs mit den dortigen Schülerprotesten.

Das ist ungefähr so, als würde ein Krokodil beim vegetarischen Restaurant anrufen und sich über den Umgang mit Salat beschweren.

Nun soll keineswegs bestritten werden, dass Frankreich Probleme hat. Die Proteste sind teilweise gewaltsam eskaliert, es gab Festnahmen, Verletzte und Kritik an Polizeieinsätzen.

Doch ausgerechnet Teheran meldete sich nun gewissermaßen als internationaler Menschenrechtsbeauftragter.

Im iranischen Außenministerium könnte die Lagebesprechung so ausgesehen haben:

„Meine Herren, es gibt Berichte über Gewalt gegen Demonstranten.“

Entsetztes Schweigen.

„Wo?“

„Frankreich.“

Erleichtertes Aufatmen.

„Gott sei Dank. Dann können wir sie verurteilen.“

Sofort wurde der französische Botschafter einbestellt.

Paris reagierte prompt:

Iranischen Botschafter einbestellen.

Damit begann das Große Diplomatische Botschafter-Pingpong.

Teheran:

„Ihr Botschafter soll sofort kommen!“

Paris:

„Dann soll Ihrer ebenfalls sofort kommen!“

Teheran:

„Unserer kommt erst, wenn Ihrer wiederkommt!“

Paris:

„Unserer kommt nicht wieder, bevor Ihrer gekommen ist!“

Teheran:

„Dann bestellen wir Ihren erneut ein!“

Paris:

„Dann bestellen wir Ihren wegen der erneuten Einbestellung unseres Botschafters ein!“

Kurze Pause.

„Moment.“

„Ja?“

„Wer ist jetzt wo?“

Im französischen Außenministerium wird hektisch telefoniert.

„Ist unser Botschafter noch in Teheran?“

„Nein, der ist auf dem Rückweg.“

„Warum?“

„Er wurde einbestellt.“

„Dann bestellen Sie den iranischen Botschafter ein.“

„Der sitzt schon unten.“

„Warum?“

„Weil wir ihn einbestellt haben.“

„Weswegen?“

„Wegen der Einbestellung.“

„Welche?“

„Das versuche ich gerade herauszufinden.“

Inzwischen begegnen sich Diplomaten vermutlich ständig auf Flughäfen.

„Auch einbestellt?“

„Ja.“

„Erstmalig oder Gegeneinbestellung?“

„Gegengegeneinbestellung.“

„Ah. Business Lounge links.“

Air France könnte bereits einen eigenen Tarif anbieten:

Diplomat Flex – Hinflug inklusive Protestnote, Rückflug jederzeit nach weiterer Eskalation umbuchbar.

Auch die iranische Fluggesellschaft reagiert.

Neues Angebot:

Ambassador Economy Plus.

Zusätzliches Handgepäck für empörte Pressemitteilungen inklusive.

Am nächsten Morgen erreicht die Eskalation eine neue Stufe.

Frankreich bestellt den iranischen Botschafter ein, um ihm mitzuteilen, dass die vorherige Einbestellung des französischen Botschafters unangemessen gewesen sei.

Iran bestellt daraufhin den französischen Botschafter ein, um gegen die Einbestellung des iranischen Botschafters wegen der Einbestellung des französischen Botschafters zu protestieren.

Paris reagiert scharf.

Gegeneinbestellung.

Teheran antwortet entschlossen.

Gegengegeneinbestellung.

Paris verschärft.

Gegengegengegenbestellung.

An diesem Punkt übernimmt versehentlich DHL.

Ein Mitarbeiter scannt beide Diplomaten und meldet:

„Sendung befindet sich in Zustellung.“

Die UNO versucht zu vermitteln.

„Vielleicht könnten beide Seiten miteinander sprechen.“

Paris und Teheran antworten gleichzeitig:

„Selbstverständlich.“

„Sehr gut.“

„Wir bestellen dafür den jeweiligen Botschafter ein.“

Die UNO legt auf.

Irgendwann sitzen beide Botschafter häufiger im gegnerischen Außenministerium als im eigenen Büro.

Der französische Botschafter bekommt in Teheran bereits einen festen Parkplatz.

Der iranische Botschafter in Paris erhält eine Kantinenkarte.

Nach einigen Wochen fragt die Personalabteilung:

„Sind Sie eigentlich Mitarbeiter?“

„Nein.“

„Warum sind Sie dann jeden Tag hier?“

„Menschenrechte.“

„Ach so.“

„Dann Kaffee wie immer?“

Besonders eindrucksvoll bleibt Teherans plötzliche Begeisterung für Demonstrationsfreiheit.

Dafür dürfte ein eigenes Referat für Menschenrechte außerhalb des eigenen Zuständigkeitsbereichs eingerichtet worden sein.

Aufgabe:

Frankreich beobachten.

Europa beobachten.

USA beobachten.

Iran?

Der zuständige Beamte blickt irritiert auf seinen Bildschirm.

„Dafür habe ich keine Zugriffsrechte.“

So endet der diplomatische Schlagabtausch schließlich dort, wo moderne Außenpolitik ihre höchste Form erreicht:

Zwei Regierungen beschweren sich gegenseitig darüber, wie die andere Regierung mit Beschwerden umgeht.

Und irgendwo zwischen Paris und Teheran sitzen zwei erschöpfte Botschafter im Flugzeug, schauen sich an und fragen:

„Weißt du eigentlich noch, warum wir unterwegs sind?“

„Nein.“

„Menschenrechte?“

„Wahrscheinlich.“

„Wo?“

Lange Pause.

„Jedenfalls nicht hier.“

EoT - Banner 001Partnerlink
Open-How2 - Sidebar 003Partnerlink
Meinung des Tages
"
Wenn Satire die Realität überholt hat, sollte man wenigstens Maut verlangen.
– Unbekannt (aber weise)
Ronald Tramp - Sidebar 003Partnerlink
Newsletter
Satire ohne Spam. Versprochen.*
*Ok, vielleicht ein bisschen.
dixxu - Sidebar 003Partnerlink
Enter drücken zum Suchen