Donald Trump hat dem Iran nichts angeboten.
Gar nichts.
Absolut nichts.
Und dieses Nichts scheint inzwischen so umfangreich zu sein, dass sich internationale Vermittler damit beschäftigen, Regierungsvertreter darüber sprechen und Nachrichtenportale ganze Artikel darüber schreiben.
Willkommen in der amerikanischen Nichts-Diplomatie.
Auslöser ist ein Medienbericht, wonach Trump bereit sein soll, Teheran wirtschaftlich entgegenzukommen, wenn der Iran seinerseits konkrete Schritte beim Atomprogramm unternimmt. Trump weist das entschieden zurück.
Damit existieren derzeit zwei außenpolitische Realitäten.
In Realität A lautet das Prinzip:
„Ihr bewegt euch beim Atomprogramm, wir bewegen uns bei Sanktionen und eingefrorenen Geldern.“
In Realität B lautet es:
„ICH HABE NICHTS ANGEBOTEN!“
Diplomaten müssen nun herausfinden, welche Realität dienstags geöffnet hat.
Das Weiße Haus könnte dafür ein neues Verhandlungsformat entwickeln: den Trump Deal ohne Deal.
Dabei sitzen beide Seiten an einem Tisch.
„Was bieten die Vereinigten Staaten an?“
„Nichts.“
„Und was möchten die Vereinigten Staaten dafür?“
„Zugeständnisse.“
„Wofür?“
„Für nichts.“
„Könnten Sie dieses Nichts konkretisieren?“
„Sehr großzügiges Nichts. Niemand bietet besseres Nichts an.“
Damit hätte Trump eine völlig neue Form internationaler Diplomatie geschaffen: Maximalforderungen gegen imaginäre Gegenleistung.
Besonders kompliziert wird es bei eingefrorenen iranischen Geldern.
Sollte tatsächlich darüber gesprochen werden, sie freizugeben, müsste Washington erklären, wie man etwas freigibt, dessen Freigabe niemals angeboten wurde.
Vermutlich handelt es sich dann nicht um eine Freigabe.
Sondern um eine spontane Veränderung des Aggregatzustandes amerikanischer Außenpolitik.
Das Geld war eingefroren.
Dann taut es auf.
Niemand weiß warum.
Klimawandel vermutlich.
Unterdessen bemühen sich Vermittler weiter um Gespräche. Das ist bewundernswert, denn sie müssen inzwischen nicht nur zwischen Washington und Teheran vermitteln, sondern offenbar auch zwischen Washington und Washington.
Die amerikanische Delegation könnte sagen:
„Wir sind offen für Verhandlungen.“
Trump könnte antworten:
„Es gibt nichts zu verhandeln.“
Die Vermittler fragen:
„Warum treffen wir uns dann?“
Antwort:
„Um festzustellen, dass es nichts zu verhandeln gibt.“
Diplomatie abgeschlossen.
Das eigentlich Geniale an der Strategie: Sollte Iran ablehnen, hat Trump nie etwas angeboten.
Sollte Iran zustimmen, war es vermutlich der großartigste Deal aller Zeiten.
Und sollte tatsächlich ein Abkommen entstehen, könnte das Weiße Haus erklären, Trump habe durch die entschlossene Bereitstellung von nichts historische Zugeständnisse erreicht.
Damit wäre auch der passende Name gefunden:
The Art of the No Deal.
Vielleicht lautet die amerikanische Iran-Strategie also gar nicht Sanktionen gegen Atomprogramm.
Vielleicht lautet sie:
Alles liegt auf dem Tisch – außer dem, was laut Präsident niemals auf dem Tisch lag.
Und irgendwo sitzt inzwischen ein Diplomat vor einem völlig leeren Verhandlungstisch und denkt:
Erstaunlich, wie voll Nichts sein kann.




