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POLITIK

Russland dementiert Pest: Bitte ignorieren Sie die Quarantäne

admin · 06.10.2026 · 3 Min. Lesezeit
Grafik: Keine Pest in Russland – nur Quarantäne
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Es gibt Nachrichten, bei denen schon die offizielle Entwarnung klingt wie der Anfang eines Katastrophenfilms. In Sibirien ist eine junge Labormitarbeiterin gestorben, die ausgerechnet an einem Institut arbeitete, das sich mit der Bekämpfung der Pest beschäftigt. Die russischen Behörden haben inzwischen beruhigt: Mit Pest habe das selbstverständlich nichts zu tun.

Und wenn eine russische Behörde „selbstverständlich“ sagt, kann sich die Welt bekanntlich entspannt zurücklehnen, sofern sie dabei vorsichtshalber die Fenster schließt.

Die offizielle Todesursache lautet demnach sinngemäß: Lungenentzündung unbekannter Herkunft. Das ist medizinisch betrachtet ungefähr so beruhigend wie die Diagnose „Motorproblem unbekannter Herkunft“, während das Auto bereits brennend im Vorgarten steht.

In den untersuchten Proben seien jedenfalls keine Mikroorganismen gefunden worden, die mit der beruflichen Tätigkeit der Frau zusammenhängen könnten. Auch einen Laborunfall habe es nicht gegeben.

Damit ist die Sache praktisch aufgeklärt.

Es gab keine Pest.

Es gab keinen Laborunfall.

Es gab lediglich eine Mitarbeiterin eines Pestinstituts, die plötzlich an einer mysteriösen Lungenerkrankung starb.

Ein Zusammenhang wäre schließlich viel zu naheliegend.

Zuvor hatten Berichte die Runde gemacht, möglicherweise sei ein Reagenzglas zu Bruch gegangen. Doch auch das wurde dementiert. Wahrscheinlich ist das Glas lediglich sehr schnell in Richtung Boden gefallen und hat dort spontan aufgehört, ein Glas zu sein.

Die epidemiologische Lage sei jedenfalls stabil.

So stabil offenbar, dass örtlichen Berichten zufolge vorsichtshalber Kliniken unter Quarantäne gestellt wurden.

Das ist durchaus nachvollziehbar. Wenn absolut keine Gefahr besteht, empfiehlt es sich bekanntlich, Menschen einzuschließen, Türen geschlossen zu halten und den Kontakt zur Außenwelt einzuschränken. Schließlich trägt nichts stärker zur öffentlichen Beruhigung bei als eine Quarantäne wegen einer Krankheit, die offiziell niemand hat.

Weitere Infektionen seien bislang nicht bekannt.

Auch das beruhigt.

Denn „nicht bekannt“ gehört seit jeher zu den leistungsfähigsten Formulierungen moderner Krisenkommunikation. Es bedeutet weder „gibt es nicht“ noch „gibt es“, sondern elegant: „Bitte stellen Sie keine weiteren Fragen.“

So entsteht das perfekte Behördenbild: Kein Laborunfall, kein Pesterreger, keine bestätigten Folgefälle – nur Quarantäne, eine mysteriöse Lungenentzündung und ein Institut, dessen Fachgebiet zufällig exakt die Krankheit ist, die ausdrücklich nichts mit der Sache zu tun hat.

Die Bevölkerung darf also beruhigt sein.

Sollte demnächst jemand in einem Haiforschungszentrum mit fehlendem Bein gefunden werden, wird die zuständige Behörde vermutlich mitteilen:

„Ein Zusammenhang mit Haien kann ausgeschlossen werden. Der Patient litt an einem plötzlich aufgetretenen Beinverlust unbekannter Herkunft.“

Und falls anschließend der Strand gesperrt, das Meer abgeriegelt und vorsorglich jeder Mensch mit Schwimmflügeln unter Quarantäne gestellt wird, wäre auch das selbstverständlich kein Grund zur Beunruhigung.

Im Gegenteil.

Es wäre lediglich der endgültige Beweis dafür, dass überhaupt nichts passiert ist.

Denn moderne Krisenkommunikation funktioniert inzwischen nach einem einfachen Prinzip:

Je größer die Quarantäne, desto kleiner das Problem.

Und sollte irgendwann ganz Sibirien abgesperrt werden, kann die Welt endgültig aufatmen:

Dann ist die Pest offiziell so ausgeschlossen, dass man offenbar niemanden mehr zu ihr hinlassen möchte.

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