Washington erlebt einen historischen Durchbruch nach unten. Donald Trumps Zustimmung ist laut einer aktuellen Umfrage auf einen neuen Tiefstand gefallen. Im Weißen Haus dürfte deshalb bereits geprüft werden, ob sich die Schwerkraft wegen parteipolitischer Voreingenommenheit entlassen lässt.
Die Kommunikationsabteilung steht vor einer anspruchsvollen Aufgabe: Ein abstürzender Balken soll aussehen wie ein aufstrebender Präsident. Als Sofortmaßnahme bietet sich an, das Diagramm umzudrehen. Anschließend könnte Trump erklären, niemand vor ihm habe die amerikanische Zustimmung derart entschlossen an die Zimmerdecke gebracht.
Besonders die hohen Benzinpreise belasten die Stimmung. An Tankstellen erfahren Amerikaner inzwischen unmittelbar, wie sich nationale Größe auf dem Kontoauszug anfühlt. Früher fuhr man zum Tanken. Heute fährt man zur finanziellen Standortbestimmung mit anschließendem Schlauchkontakt.
Für den Wahlkampf entsteht daraus ein Problem. Der Hinweis, die Wirtschaft laufe hervorragend, überzeugt Menschen nur eingeschränkt, wenn sie beim Bezahlen überlegen, ob sich der Rückweg auch schieben lässt. Das persönliche Portemonnaie gilt seitdem als besonders hartnäckiges Oppositionsmedium.
Die Republikaner reagieren vermutlich mit jener Geschlossenheit, die entsteht, wenn auf einem sinkenden Schiff alle gleichzeitig behaupten, den Kapitän kaum zu kennen. Kandidaten könnten gemeinsame Fotos vorsorglich enger zuschneiden. Übrig bliebe jeweils ein freundliches Lächeln neben einem verdächtig roten Krawattenrest.
Die Demokraten wiederum dürfen hoffen, die Unzufriedenheit in Kongressmandate umzuwandeln. Parteistrategen stehen damit vor einer ungewohnten Herausforderung: möglichst wenig zu unternehmen, das die eigene Ausgangslage beschädigt. Entsprechende Schulungen könnten unter dem Titel „Einfach mal den Gegner reden lassen“ stattfinden.
Allerdings entscheidet eine landesweite Umfrage noch keine Wahl in den einzelnen Bundesstaaten und Wahlbezirken. Die politische Stimmung muss zunächst durch das amerikanische Wahlsystem, einen komplizierten Adapter, bei dem am Ende gelegentlich etwas anderes herauskommt, als vorne hineingesteckt wurde.
Im Weißen Haus wäre daher eine neue Sprachregelung denkbar: Die Zustimmung schrumpft nicht, sie konzentriert sich auf besonders hochwertige Restbestände. Was früher breite Unterstützung hieß, wird zur exklusiven Anhängerschaft. Demokratie als limitierte Sonderedition.
Auch die verbliebenen Unterstützer ließen sich aufwerten. Wer weiterhin zufrieden ist, bekommt gedanklich eine Sammlerplakette. Wer zweifelt, wird gebeten, seinen Kontostand weniger negativ zu interpretieren. Schließlich sei ein leeres Portemonnaie vor allem eines: frei von sozialistischem Bargeld.
Sollten die Republikaner ihre Mehrheiten verlieren, könnte der Kongress Trumps Vorhaben erheblich erschweren. Plötzlich müsste der Präsident mit Institutionen verhandeln, die tatsächlich widersprechen dürfen. Ein bislang unterschätztes Sicherheitsrisiko für das präsidentielle Selbstwertgefühl.
Bis dahin bleibt ausreichend Zeit für eine Erfolgsmeldung.
Amerika hat unter Trump etwas entdeckt, das zuverlässig fällt.
Leider ist es nicht der Benzinpreis.




