Im Weißen Haus wächst die Sorge um eine bislang übersehene Kriegsfolge: Donald Trump fühlt sich unzureichend gewürdigt. Die Ukraine hat amerikanische Unterstützung erhalten, aber offenbar versäumt, im Gegenzug das präsidentielle Ego dauerhaft zu versorgen. Während Kiew über Luftabwehr spricht, prüft Washington den Eingang angemessener Komplimente.
Trumps Vorwurf, die Ukraine habe nichts zurückgegeben, eröffnet eine neue Epoche der Außenpolitik. Unterstützung gilt künftig als Bestellung im persönlichen Fanartikelshop des Präsidenten. Wer Hilfe bekommt, schuldet mindestens enthusiastischen Beifall. Selbstverteidigung allein ist keine akzeptable Kundenbewertung.
Dabei wäre Dankbarkeit durchaus organisierbar. Vor jedem Gespräch könnte Selenskyj zunächst ein Formular ausfüllen: „Die historische Großartigkeit des amerikanischen Präsidenten ist mir bekannt.“ Darunter ein Pflichtfeld für spontane Bewunderung. Sachfragen dürfen erst gestellt werden, wenn der Applaus vollständig verbucht ist.
Besonders störend wirkt aus dieser Perspektive Selenskyjs Beharren auf der Sicherheit seines Landes. Der Mann redet ständig über die Ukraine, obwohl Trump anwesend ist. Eine diplomatische Taktlosigkeit, vergleichbar mit einem Hochzeitsgast, der während der Rede des Trauzeugen plötzlich das Brautpaar erwähnt.
Auch die Diskussion um Waffenlieferungen bekommt dadurch einen bemerkenswerten Beigeschmack. Selenskyj beklagt Verzögerungen; amerikanische Regierungsvertreter widersprechen Darstellungen über Einschränkungen. Im satirischen Kundendienst bliebe trotzdem die passende Warteschleifenansage: „Ihre Verteidigung ist uns wichtig. Bitte halten Sie ein Lob bereit.“
Dass europäische Partner Waffen bereits bezahlt haben sollen, würde die Sache normalerweise vereinfachen. Im neuen Geschäftsmodell fehlt jedoch möglicherweise die entscheidende Währung: persönliche Unterwerfung. Geld kann Rechnungen begleichen. Es kann einem Präsidenten aber nicht versichern, dass er der schönste Vermittler im Konferenzraum ist.
Putin scheint die Bedienungsanleitung besser verstanden zu haben. Während die Ukraine Schutz benötigt, bietet Russland Diesel. Für einen Präsidenten, dessen Weltbild zwischen Zapfsäule und Selbstporträt pendelt, ist das ein überzeugendes Friedensangebot. Der Aggressor liefert Treibstoff, das angegriffene Land liefert Widerworte. Die Bewertung fällt entsprechend aus.
Trumps Vermittlung gleicht damit einem Feuerwehrmann, der vor dem Löschen wissen möchte, warum sein Name noch nicht über dem Hauseingang steht. Der Brand sei bedauerlich, selbstverständlich. Aber diese fehlende Wertschätzung müsse jetzt wirklich zuerst geklärt werden.
Die anstehenden Gespräche könnten durch ein einfaches Bühnenkonzept beschleunigt werden: ein großer Spiegel am Verhandlungstisch. Trump hätte endlich ein Gegenüber, dessen Anliegen er vorbehaltlos ernst nimmt. Die Ukraine dürfte ihre Sicherheitsinteressen auf der Rückseite anbringen.
Auch ein Friedenspreis ließe sich vorbereiten. Die Gravur müsste ausreichend Platz bieten, damit neben Trumps Namen gegebenenfalls noch das Wort Frieden passt.
Für den Wiederaufbau wäre anschließend ebenfalls gesorgt.
Zuerst wird das gekränkte Ego restauriert.
Die Ukraine kommt dran, sobald sie dafür die Baugenehmigung erteilt hat.




