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KOLUMNE

Deutschland schickt seine Fachkräfte zur WM – Rückflug vorsorglich gestrichen

admin · 04.10.2026 · 3 Min. Lesezeit
Grafik: Fachkräfte-WM: Rückflug vorsorglich gestrichen
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Deutschland hat noch Fachkräfte. Diese überraschende Nachricht erreichte die Öffentlichkeit ausgerechnet aus Shanghai.

Dort treten bei den WorldSkills junge Menschen aus zahlreichen Ländern gegeneinander an und demonstrieren Fähigkeiten, die hierzulande inzwischen beinahe als übernatürliche Begabung gelten: Sie können Dinge bauen, reparieren, installieren und anschließend sogar fertigstellen.

Deutschland entsandte ebenfalls eine Delegation.

Wirtschaftsexperten sprechen bereits vom größten bekannten Zusammentreffen deutscher Fachkräfte außerhalb eines Heizungsnotdienstes.

In verschiedenen Berufen zeigen die Teilnehmer, was berufliche Ausbildung leisten kann. Sie mauern, programmieren, schweißen, gestalten und reparieren. Tätigkeiten also, bei denen deutsche Unternehmen inzwischen gelegentlich Stellenanzeigen veröffentlichen, die ungefähr lauten:

„Gesucht: Mensch. Idealerweise mit Händen. Arbeitsbeginn sofort.“

Besonders nervös beobachtet die Heimat deshalb die Rückreise.

Denn sollte auch nur eine Fachkraft unterwegs verloren gehen, müsste vermutlich irgendwo ein mittelständischer Betrieb schließen und ein Landrat persönlich Steckdosen montieren.

Aus Regierungskreisen könnte daher schon bald ein neues Konzept entstehen: der Bundeskader für letzte verfügbare Handgriffe.

Wer bei der Berufs-WM besonders erfolgreich abschneidet, bekommt nach der Rückkehr keine Medaille, sondern mehrere Diensthandys.

Ein Elektroniker übernimmt vormittags die Stromversorgung eines Gewerbegebiets, mittags die Digitalisierung der Kreisverwaltung und abends den technischen Support einer Berufsschule.

Landschaftsgärtner könnten zusätzlich Brücken sanieren.

Mechatroniker übernehmen nebenbei kommunale Wärmeplanung.

Und wer Excel öffnen kann, wird automatisch Digitalisierungsbeauftragter.

Damit wäre der Fachkräftemangel statistisch praktisch beseitigt. Eine Fachkraft zählt einfach mehrfach.

Überhaupt genießt berufliche Ausbildung in Deutschland traditionell höchste Wertschätzung – insbesondere immer dann, wenn gerade jemand dringend eine Heizung reparieren soll.

Jahrelang wurde jungen Menschen erklärt, gesellschaftlicher Aufstieg beginne möglichst mit einem Studium. Nun stellt man überrascht fest, dass Volkswirtschaften gelegentlich auch Personen benötigen, die wissen, welches Ende eines Schraubendrehers wohin gehört.

Die WorldSkills liefern dafür ein faszinierendes Gegenmodell: Junge Handwerker und Fachkräfte werden wie Spitzensportler behandelt.

Deutschland könnte dieses Konzept übernehmen.

Statt Fußballern würden künftig Anlagenmechaniker Autogramme geben.

Elektriker kämen im Mannschaftsbus.

Und bei der Liveübertragung eines Schweißwettbewerbs säße die Nation vor dem Fernseher:

„Wahnsinn! Saubere Naht! Der Junge muss sofort in die Nationalmannschaft!“

Problematisch wäre lediglich der anschließende Empfang in Deutschland.

Denn kaum landet die Delegation, wartet bereits die heimische Wirtschaft mit offenen Stellen, Kommunen mit offenen Projekten und Behörden mit offenen Tickets.

Am Flughafen werden die Medaillen deshalb vorsorglich gegen Diensthandys getauscht.

Der Elektroniker wird direkt vom Gepäckband zum Umspannwerk gefahren, der Mechatroniker bekommt noch im Zollbereich mehrere Firmenwagen zur gleichzeitigen Reparatur, und wer während des Wettbewerbs versehentlich einen Laptop eingeschaltet hat, wird vom Landkreis als Digitalisierungsbeauftragter beschlagnahmt.

Vielleicht wäre es deshalb tatsächlich fürsorglicher, den Rückflug aus Shanghai zu streichen.

Nicht, weil Deutschland seine besten Nachwuchsfachkräfte nicht zurückhaben möchte.

Sondern weil sie hier unmittelbar nach der Landung vom Fachkräftenachwuchs zum Fachkräfteverschleiß werden.

Und so bleibt als wichtigste Erkenntnis der Berufs-WM:

Deutschland hat keinen Fachkräftemangel.

Deutschland hat Fachkräfte.

Es braucht nur für jede einzelne ungefähr fünf Stück.

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