Im Weißen Haus wird derzeit eine juristische Grundsatzfrage verhandelt, die vermutlich bald Eingang in amerikanische Lehrbücher findet:
Wann ist ein Anwalt eigentlich ein Anwalt?
Antwort des neuen Regierungskommunikationssystems:
Kommt darauf an, wie laut der Hubschrauber ist.
Katie Zacharia, neue Sprecherin von Donald Trump, steht wegen ihres beruflichen Werdegangs unter Druck. Medien fanden bislang offenbar keinen Beleg dafür, dass sie jemals eine Anwaltszulassung besaß. Gleichzeitig soll sie sich in der Vergangenheit als „lawyer“ bezeichnet haben.
Nun könnte man meinen, das sei problematisch.
Aber das wäre viel zu einfach gedacht.
Zacharia erklärt, sie habe sich erkundigt, welche Bezeichnung sie verwenden dürfe. „Attorney“ offenbar lieber nicht, „lawyer“ hingegen sei in Ordnung gewesen.
Damit eröffnet sich eine völlig neue Welt professioneller Selbstbeschreibung.
Wer nie Medizin studiert hat, ist vielleicht kein „physician“ – aber eventuell „doctor-ish“.
Wer nie Pilot war, sollte nicht „captain“ sagen – aber „airplane person“ könnte gehen.
Und wer keine Anwaltsprüfung bestanden hat, ist eben womöglich kein „attorney“, aber dafür ein sehr motivierter „lawyer“.
Das ist sprachliche Präzision auf höchstem Washingtoner Niveau.
Besonders charmant wurde es, als eine Reporterin fragte, in welchem Bundesstaat Zacharia die Anwaltsprüfung bestanden habe.
Antwort:
„Als ich nach China zog.“
Ein Satz, der so kraftvoll an der Frage vorbeigeht, dass er eigentlich sofort zum Regierungsmotto erklärt werden sollte.
Zacharia sagt inzwischen, sie habe die Frage wegen des Lärms des Präsidentenhubschraubers missverstanden.
Auch das ist praktisch.
Damit erhält Marine One neben Transport-, Sicherheits- und Repräsentationsfunktion nun offenbar noch eine vierte Aufgabe:
akustische Haftungsbegrenzung.
Falls künftig unangenehme Fragen auftauchen, muss der Hubschrauber einfach den Rotor hochfahren.
„Haben Sie die Prüfung bestanden?“
WUP-WUP-WUP-WUP
„Sind Ihre Angaben korrekt?“
WUP-WUP-WUP-WUP
„Was genau ist eigentlich Ihre Qualifikation?“
WUP-WUP-WUP-WUP
Problem gelöst.
Im Trump-Umfeld dürfte die ganze Sache ohnehin als übertriebene Detailversessenheit gelten.
Schließlich zählt dort nicht zwingend, ob jemand etwas ist.
Wichtiger ist, ob jemand überzeugend genug behauptet, es zu sein.
Und falls das künftig als berufliches Prinzip gilt, könnte das Weiße Haus enorme Personalkosten sparen.
Der Koch nennt sich Chirurg.
Der Fahrer Außenminister.
Der Praktikant Verfassungsrechtler.
Und wenn jemand fragt, wo die Qualifikation herkommt, lautet die Antwort einfach:
„Als ich nach China zog.“




