Donald Trump hat offenbar eine neue Energiequelle entdeckt.
Sie ist rot.
Sie heißt Diesel.
Und niemand weiß so genau, warum der Präsident der Vereinigten Staaten gerade so begeistert davon ist.
Nicht einmal der Präsident.
Bei einem Wahlkampfauftritt verkündete Trump sinngemäß, dass nun alle Amerikaner Zugang zu jenem rot gefärbten Diesel bekommen sollen, der normalerweise für Landwirtschaft und andere Fahrzeuge außerhalb öffentlicher Straßen gedacht ist. Was genau dieser Kraftstoff eigentlich sei, wisse er selbst nicht so genau.
Aber er soll sehr gut sein.
Damit hat die amerikanische Energiepolitik endgültig das Niveau eines Restaurantbesuchs erreicht:
„Was ist das?“
„Keine Ahnung.“
„Ist es gut?“
„Man sagt es.“
„Dann zweimal bitte.“
Der Hintergrund ist weniger lustig. Die Treibstoffpreise sind hoch, die Midterms rücken näher und amerikanische Autofahrer reagieren auf steigende Zapfsäulenpreise traditionell ungefähr so gelassen wie ein Grizzlybär auf die Nachricht, dass der Honig jetzt Aufpreis kostet.
Also musste eine Lösung her.
Und Amerika bekam roten Diesel.
Das klingt immerhin kraftvoll. Normaler Diesel ist schließlich langweilig. Roter Diesel dagegen klingt nach einem Getränk, das ein Monstertruck kurz vor einem Rodeo bestellt.
Der Präsident versprach praktisch: Jeder darf ran, steuerfrei, freie Fahrt, große Ersparnis.
Dann kam das Kleingedruckte.
Dort stellte sich heraus, dass „steuerfrei“ offenbar eine sehr moderne Bedeutung besitzt.
Die Steuer verschwindet nämlich nicht unbedingt.
Sie wartet nur.
Amerikanische Autofahrer dürfen also billiger tanken und später möglicherweise erfahren, ob die Rechnung doch noch kommt.
Das ist weniger Steuererlass als finanzpolitisches „Wir reden nach Weihnachten“.
Besonders elegant ist außerdem, dass der aktuelle Preisschock mit internationalen Krisen, knappen Raffineriekapazitäten und diversen anderen Faktoren erklärt wird. Ein militärischer Konflikt, an dem die eigene Regierung maßgeblich beteiligt ist, eignet sich hingegen offenbar weniger gut für Wahlkampfveranstaltungen.
Denn Politik funktioniert ähnlich wie eine Tankstellenquittung:
Was unangenehm teuer war, wird möglichst klein gedruckt.
So präsentiert sich nun das große amerikanische Dieselwunder: Erst entstehen geopolitische Probleme, dann steigen die Preise, anschließend geraten die Wähler in schlechte Laune – und schließlich entdeckt die Regierung einen roten Kraftstoff, von dem der Präsident selbst sagt, dass er nicht genau weiß, was er eigentlich ist.
Das ist keine Energiepolitik.
Das ist eine Überraschungstüte mit Zapfpistole.
Und sollte der Plan nicht funktionieren, dürfte bereits die nächste Wahlkampfidee bereitstehen:
Kostenloses Benzin für alle – bezahlt wird einfach nach der Wahl.
Denn genau darin liegt offenbar das neue amerikanische Sparmodell:
Heute versprechen.
Morgen tanken.
Später kassieren.
Und wenn dann irgendwann die Steuer doch noch fällig wird, kann Trump immer noch erklären, dass er von dieser Steuer noch nie gehört habe, aber man habe ihm gesagt, sie sei sehr gut.
So wird aus rotem Diesel am Ende vielleicht doch noch der perfekte Wahlkampftreibstoff:
Er färbt nicht nur den Kraftstoff rot – sondern nach der Wahl womöglich auch die Gesichter derer, die geglaubt haben, „steuerfrei“ bedeute tatsächlich „steuerfrei“.
Denn Trump senkt nicht den Spritpreis.
Er verschiebt nur die Zapfsäulenrechnung bis hinter die Wahlurne.




