In Washington ist inzwischen offenbar endgültig das Stadium erreicht, in dem Außenpolitik nicht mehr von Diplomaten, sondern von Tankstellenpersonal erklärt werden sollte.
Donald Trump hat mit Wladimir Putin ein Diesel-Abkommen geschlossen.
Die Idee dahinter scheint ungefähr so zu funktionieren:
Russland verkauft Treibstoff.
Russland bekommt Geld.
Russland führt Krieg.
Und Washington hofft sehr entschlossen, dass zwischen diesen drei Punkten keinerlei Verbindung besteht.
Das nennt man inzwischen vermutlich strategische Zapfsäulenentkopplung.
Doch selbst einigen Republikanern wurde das nun offenbar zu kreativ. Sie haben sich mit Demokraten zusammengetan und dem Präsidenten einen Brief geschrieben.
Allein dieser Vorgang dürfte im Weißen Haus zunächst für Verwirrung gesorgt haben.
Republikaner.
Demokraten.
Gemeinsam.
In einem Dokument.
Vermutlich musste das Papier zunächst vom Secret Service auf staatsgefährdende Kooperation untersucht werden.
Die Botschaft der Senatoren war erstaunlich unkompliziert: Vielleicht sei es keine brillante Idee, einem Staat zusätzliche Einnahmen zu ermöglichen, während dieser gleichzeitig einen Krieg führt.
Im Trump-Universum dürfte diese Logik als unnötig linear gelten.
Denn dort denkt man größer.
Vielleicht kauft Russland vom Dieselgeld ja gar keine Raketen.
Vielleicht kauft es Duftkerzen.
Oder therapeutische Sitzsäcke.
Oder eine gigantische Friedenstaube aus Marmor, die zufällig einen Gefechtskopf trägt.
Man weiß es einfach nicht.
Trump wurde gefragt, ob die Einnahmen für weitere Bomben verwendet werden könnten.
Die Frage blieb weitgehend unbeantwortet.
Das ist konsequent.
Denn sobald niemand weiß, was mit dem Geld passiert, kann theoretisch auch niemand beweisen, dass damit irgendetwas Unangenehmes passiert.
Nach derselben Logik könnte man einem Bankräuber nach dem Überfall noch einen Tankgutschein schenken und anschließend erklären, Mobilität sei schließlich ein Menschenrecht.
Im Kreml dürfte man jedenfalls begeistert sein.
Putin bekommt nun womöglich eine neue Rolle in der Weltpolitik:
Leiter internationale Kraftstoffversorgung und begleitende Spezialoperationen.
Trump wiederum könnte das Abkommen bald als historischen Friedensplan vermarkten.
Nicht mehr Waffenstillstand.
Sondern Tankstopp.
Nicht mehr Diplomatie.
Sondern Diesel Premium.
Und falls die Ukraine weiterhin bombardiert wird, liegt es womöglich nur daran, dass Moskau den Kassenzettel noch nicht geprüft hat.
Besonders erstaunlich ist, dass ausgerechnet republikanische Senatoren rebellieren.
Offenbar existiert selbst im Trump-Loyalitätssystem irgendwo noch eine Notabschaltung.
Sie springt allerdings erst an, wenn der Präsident einem geopolitischen Gegner sinngemäß den Schlüssel zur Tankstelle reicht und fragt, ob er vielleicht noch Punkte sammeln möchte.
Falls sich das Modell durchsetzt, könnte Washington künftig sämtliche Konflikte nach Tankstellenprinzip lösen:
Kriegsverbrechen bitte an Säule drei.
Sanktionen neben der Waschanlage.
Waffenstillstand nur mit Kundenkarte.
Und wer genügend Treuepunkte sammelt, bekommt beim nächsten Angriff einen Kaffee gratis.
Der neue Leitsatz amerikanischer Außenpolitik wäre dann wenigstens ehrlich:
„Make Peace Great Again – solange der Motor läuft.“




