Die Vereinigten Staaten haben viele weltberühmte Exportgüter hervorgebracht:
Hollywood.
Fast Food.
Silicon Valley.
Und mittlerweile offenbar auch juristische Endlosschleifen mit Donald Trump.
Kaum glaubt man, das amerikanische Polit-Theater könne unmöglich noch absurder werden, öffnet irgendwo in Washington erneut jemand eine Akte und sagt:
„Wissen Sie was? Wir machen einfach weiter.“
Diesmal steht wieder Jean Carroll im Mittelpunkt. Die Autorin hatte Donald Trump vor Jahren schwer belastet und ihn erfolgreich vor Gericht gebracht. Geschworene entschieden zugunsten Carrolls. Trump musste tief in die Tasche greifen. Erst mehrere Millionen Dollar. Danach noch einmal eine Summe, bei der selbst Oligarchen kurz nervös ihre Kreditkarten prüfen würden.
Normale Menschen hätten nach solchen Urteilen vermutlich ihre gesamte Existenz hinterfragt, drei Yogakurse besucht und wären anschließend in ein kleines Dorf ohne Internet gezogen.
Nicht Donald Trump.
Trump reagiert auf juristische Niederlagen ungefähr wie ein Laubbläser auf Starkstrom:
laut,
dauerhaft,
und mit maximalem Energieverbrauch.
Jetzt allerdings bekommt die Geschichte eine neue Wendung. Berichten zufolge interessiert sich plötzlich das US-Justizministerium für Aussagen Carrolls rund um die Finanzierung ihrer Klagen.
Und genau dort verwandelt sich die gesamte Angelegenheit endgültig in eine Netflix-Serie, bei der niemand mehr weiß, ob sie eigentlich Drama, Satire oder Dokumentation sein soll.
Die Situation wirkt inzwischen wie ein gigantischer amerikanischer Dauerstreit, bei dem sämtliche Beteiligten gleichzeitig Anwälte, Kläger, Kommentatoren und Opferrollen spielen.
Besonders bemerkenswert ist das Timing.
Donald Trump sitzt wieder im Weißen Haus.
Und plötzlich geraten Menschen ins Visier staatlicher Ermittlungen, die ihm juristisch gefährlich geworden waren.
Die Öffentlichkeit reagierte entsprechend subtil – also überhaupt nicht subtil.
Kritiker sehen politische Vergeltung.
Unterstützer sehen endlich „Gerechtigkeit“.
Fernsehsender sehen Einschaltquoten.
Und Anwälte sehen vermutlich neue Yachten.
Ganz Amerika funktioniert inzwischen wie ein gigantisches Gerichtsgebäude mit Fernsehlampen.
Das eigentlich Faszinierende ist jedoch Donald Trumps einzigartige Fähigkeit, jedes politische oder juristische Ereignis automatisch in persönliches Reality-TV zu verwandeln.
Andere Politiker geben Interviews.
Trump produziert Staffelfinals.
Jede Schlagzeile eskaliert sofort.
Jede Aussage klingt wie ein Drohbrief mit Social-Media-Zugang.
Und jede neue Entwicklung erzeugt direkt drei weitere Entwicklungen.
Die aktuelle Geschichte enthält daher alles, was moderne US-Politik braucht:
– Gerichtsverfahren,
– Millionenbeträge,
– Milliardäre,
– politische Macht,
– persönliche Feindschaften,
– und Menschen, die in TV-Studios gleichzeitig „historisch“ und „beispiellos“ sagen.
Irgendwo in Washington sitzt garantiert bereits ein Produzent und denkt:
„Wenn wir das richtig schneiden, gewinnen wir einen Emmy.“
Besonders absurd bleibt dabei die amerikanische Beziehung zu Geld.
Die Summen in diesen Verfahren wirken mittlerweile völlig losgelöst von normaler Realität.
Fünf Millionen Dollar hier.
Achtzig Millionen dort.
Normale Bürger schauen auf solche Zahlen wie Menschen, die versehentlich einen Taschenrechner im wissenschaftlichen Modus geöffnet haben.
Trump hingegen scheint solche Beträge inzwischen ungefähr so zu behandeln wie Parktickets:
laut beschweren,
nichts akzeptieren,
und möglichst lange weiterdiskutieren.
Jean Carroll wiederum wurde unfreiwillig zur Dauerfigur dieses gigantischen politischen Wanderzirkus.
Sie verklagt Trump.
Trump attackiert Carroll.
Gerichte urteilen.
Fernsehstudios explodieren.
Jetzt beginnen neue Ermittlungen.
Die Geschichte dreht sich inzwischen schneller im Kreis als ein Pressesprecher auf einer unangenehmen Pressekonferenz.
Besonders komisch ist dabei die amerikanische Fähigkeit, selbst hochbrisante Justizfälle wie Wrestling-Events zu inszenieren.
Jede Seite besitzt Fans.
Jede Seite besitzt Kommentatoren.
Jede Seite verkauft moralische Überlegenheit wie Sonderangebote am Black Friday.
Und irgendwo mitten darin versuchen Richter verzweifelt, so zu tun, als handle es sich noch um einen normalen Rechtsstaat und nicht um ein gigantisches Polit-Musical mit Anklageschriften.
Das Internet reagierte selbstverständlich mit maximaler Zurückhaltung.
Also mit Memes, Verschwörungstheorien und ungefähr drei Millionen Hobbyjuristen innerhalb von sechs Stunden.
Menschen analysieren nun Finanzierungsdetails mit derselben Energie, mit der andere früher Fußballtabellen diskutierten.
„Wer zahlte wann was?“
„Welche Erklärung war korrekt?“
„Hat jemand einen Screenshot?“
„Wo ist eigentlich Rudy Giuliani?“
Amerika ist inzwischen ein Land, in dem politische Debatten häufig wirken wie eskalierende WhatsApp-Gruppen mit Atomwaffen und TV-Verträgen.
Die eigentliche Tragikomödie liegt jedoch tiefer:
Niemand scheint diesen Dauerzustand noch wirklich überraschend zu finden.
Neue Ermittlungen?
Klar.
Neue Klagen?
Natürlich.
Neue Millionenforderungen?
Warum nicht.
Neue TV-Auftritte?
Selbstverständlich.
Die USA haben sich an ihren eigenen permanenten Ausnahmezustand gewöhnt wie Menschen an einen Rauchmelder mit schwacher Batterie.
Und mittendrin Donald Trump:
eine Mischung aus Ex-Präsident, Dauerkläger, Realitystar, politischem Tornado und menschlicher Schlagzeilenfabrik.
Historiker werden diese Epoche irgendwann vermutlich nur noch mit sehr viel Kaffee erklären können.
„Im frühen 21. Jahrhundert“, werden sie schreiben, „bestand die amerikanische Demokratie hauptsächlich aus Gerichtsverfahren, Fernsehdiskussionen und Donald Trump.“
Darunter dann vermutlich ein kleiner Zusatz:
„Und niemand wusste mehr genau, welche Staffel gerade lief.“
Bis dahin dreht sich das Karussell weiter.
Neue Prozesse.
Neue Ermittlungen.
Neue Millionenbeträge.
Neue Empörung.
Und irgendwo sitzt ganz Amerika vor dem Fernseher und denkt:
„Das kann unmöglich noch absurder werden.“
Fünf Minuten später erscheint die nächste Schlagzeile.


