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POLITIK

Der König von Weißwurstanien – Markus Söder und das Rätsel der unbesetzten Nachfolge

admin · 27.07.2026 · 5 Min. Lesezeit
Grafik: Markus Söder und das Nachfolge-Paradox
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Es gibt Politiker, die treten irgendwann in den politischen Ruhestand.

Es gibt Politiker, die schreiben anschließend Memoiren.

Und dann gibt es Markus Söder.

Bei ihm entsteht eher der Eindruck, als habe die Staatskanzlei vorsorglich einen lebenslangen Mietvertrag abgeschlossen. Irgendwo tief im Keller Münchens soll sich angeblich bereits eine Notstromversorgung befinden, die ausschließlich dafür gedacht ist, die tägliche Versorgung des Ministerpräsidenten mit Kameras, Mikrofonen und Presseterminen sicherzustellen.

Denn wenn Bayern morgens erwacht, stellt sich nicht zuerst die Frage nach dem Wetter.

Die eigentliche Frage lautet:

„Wo erscheint Markus Söder heute zuerst?“

Frühstücksfernsehen?

Hopfenfeld?

Kuhstall?

Start einer ICE-Strecke?

Ein Baumarkt?

Ein Bierzelt?

Die korrekte Antwort lautet selbstverständlich:

„Ja.“

Denn Markus Söder besitzt eine nahezu übernatürliche Fähigkeit, gleichzeitig überall dort aufzutauchen, wo sich mindestens zwei Menschen und eine Kamera begegnen.

Meteorologen vermuten inzwischen, dass manche Regenbogen lediglich Lichtreflexionen seiner Pressetermine sind.

Nun kündigte der CSU-Vorsitzende an, sich auch bei der nächsten Landtagswahl wieder als führender Kandidat zur Verfügung stellen zu wollen.

Diese Nachricht traf Bayern ungefähr so überraschend wie die Erkenntnis, dass auf dem Oktoberfest Bier ausgeschenkt wird.

Sofort begann in den Parteizentralen hektische Betriebsamkeit.

Nicht etwa, um einen neuen Kandidaten zu finden.

Nein.

Man musste lediglich sämtliche Plakate aus dem Lager holen und die Jahreszahl austauschen.

Das spart Papier.

Und Druckkosten.

Vor allem aber spart es die aufwendige Suche nach jemandem, der auf den Fotos genauso entschlossen in die Ferne schauen kann.

Natürlich wurde sofort gefragt, ob es denn keine Alternativen gebe.

Die CSU leitete daraufhin eine groß angelegte Untersuchung ein.

Es wurden sämtliche Mitglieder durchsucht.

Landräte.

Bürgermeister.

Landtagsabgeordnete.

Kreisvorsitzende.

Sogar der Hausmeister der Parteizentrale wurde kurz überprüft.

Das Ergebnis war ernüchternd.

Überall dieselbe Notiz.

„Eigentlich macht das schon Markus.“

Selbst die künstliche Intelligenz kapitulierte.

Nachdem man ihr die Frage gestellt hatte, wer Markus Söder beerben könne, begann der Server minutenlang zu rechnen.

Anschließend erschien lediglich:

„Meinten Sie Markus Söder?“

Währenddessen wird in Bayern über eine Begrenzung der Amtszeit diskutiert.

Ein faszinierendes Thema.

Besonders deshalb, weil politische Meinungen manchmal denselben Alterungsprozess durchlaufen wie Milch.

Früher fand Markus Söder die Idee einer zeitlichen Begrenzung durchaus charmant.

Heute scheint der Gedanke ungefähr denselben Reiz zu besitzen wie ein leerer Bierkrug auf dem Oktoberfest.

Politologen sprechen bereits von der sogenannten Regierungsphysik.

Je näher man dem Ende einer möglichen Amtszeit kommt, desto elastischer wird plötzlich die Definition des Wortes „genug“.

Mathematiker konnten das inzwischen sogar in einer Formel ausdrücken.

Maximale Amtszeit = eigene bisherige Amtszeit + mindestens eine weitere.

Die Rechnung geht erstaunlich oft auf.

Besonders kurios wird die Debatte dadurch, dass Unterstützer und Gegner des Volksbegehrens aus völlig unterschiedlichen politischen Lagern stammen.

Man blickt auf die Liste der Unterstützer und fragt sich unwillkürlich, ob versehentlich mehrere WhatsApp-Gruppen miteinander verschmolzen wurden.

Politische Kommentatoren benötigen inzwischen bunte Pfeile, Diagramme und drei Espressi, um diese Konstellation zu erklären.

Markus Söder bleibt davon unbeeindruckt.

Er vermittelt die Gelassenheit eines Mannes, der überzeugt ist, dass Bayern ohne ihn ungefähr so funktionieren würde wie eine Brezel ohne Salz.

Oder ein Maßkrug ohne Henkel.

Oder ein CSU-Parteitag ohne blau-weiße Dekoration.

Man kann es sich theoretisch vorstellen.

Praktisch möchte es niemand ausprobieren.

Besonders beeindruckend ist die Geschwindigkeit, mit der Markus Söder Themen wechseln kann.

Morgens spricht er über Wirtschaft.

Eine Stunde später über Landwirtschaft.

Danach über Hochwasser.

Kurz darauf über Digitalisierung.

Zwischendurch eröffnet er eine Brücke.

Schneidet ein Band durch.

Streichelt eine Kuh.

Probiert einen Krapfen.

Und beendet den Tag mit einem Fernsehinterview.

Fitnesstrainer überlegen bereits, die Disziplin „Södern“ als neue Ausdauerübung einzuführen.

Sie besteht darin, achtzehn Termine an zwölf Orten wahrzunehmen, ohne dass die Frisur ihre Grundstruktur verliert.

Auch die CSU entwickelt sich dabei immer mehr zu einer politischen Familie mit erstaunlicher Rollenverteilung.

Andere Parteien diskutieren über Programme.

Die CSU diskutiert zunächst darüber, auf welchem Foto Markus Söder am entschlossensten aussieht.

Anschließend werden die Programme passend dazu geschrieben.

Das spart Zeit.

Natürlich durfte auch die Frage nach der Zusammenarbeit mit der AfD nicht fehlen.

Markus Söder machte seine Position unmissverständlich deutlich und grenzte sich klar von einer Zusammenarbeit ab.

Das führte wiederum dazu, dass politische Kommentatoren stundenlang jede Silbe analysierten.

In Deutschland gibt es vermutlich keine Tierart, deren Wanderbewegungen intensiver erforscht werden als politische Aussagen während Sommerinterviews.

Unterdessen beschäftigt Bayern eine ganz andere Frage.

Was passiert eigentlich irgendwann nach Markus Söder?

Historiker verweisen darauf, dass Bayern bereits vor ihm existierte.

Dieser Hinweis wird allerdings regelmäßig mit höflichem Schweigen quittiert.

Tourismusverbände arbeiten vorsorglich bereits an neuen Attraktionen.

Schloss Neuschwanstein.

Zugspitze.

Chiemsee.

Und das zukünftige Söder-Museum.

Dort können Besucher interaktive Ausstellungen erleben.

Zum Beispiel den Pressetermin-Simulator.

Innerhalb von drei Minuten muss man gleichzeitig ein Bierzelt eröffnen, eine Solaranlage loben, einen Baum pflanzen, eine Weißwurst halten und dabei aussehen, als sei genau dieser Moment der wichtigste der Weltgeschichte.

Bislang hat kein Besucher mehr als vierzig Sekunden durchgehalten.

Am Ausgang wartet selbstverständlich ein Souvenirshop.

Im Angebot:

Original bayerische Brotzeitbretter.

Miniatur-Bierzeltgarnituren.

Schneekugeln mit Staatskanzlei.

Und der besonders beliebte Adventskalender „24 Türchen – 24 Pressefotos“.

Ob Markus Söder tatsächlich noch viele Jahre an der Spitze Bayerns stehen wird, entscheiden am Ende selbstverständlich die demokratischen Wählerinnen und Wähler.

Bis dahin bleibt der Freistaat jedoch ein faszinierendes politisches Experiment.

Während anderswo hektisch nach neuen Gesichtern gesucht wird, scheint Bayern einen völlig anderen Ansatz zu verfolgen.

Warum einen Nachfolger suchen, wenn der Amtsinhaber offenbar beschlossen hat, sich einfach selbst regelmäßig zu aktualisieren?

Vielleicht erscheint irgendwann tatsächlich Version 12.0.

Mit denselben markanten Augenbrauen.

Derselben unverwechselbaren Mischung aus Landesvater, Festzeltredner, Krisenmanager und Dauerreisendem.

Und selbstverständlich mit der beruhigenden Gewissheit, dass irgendwo im Hintergrund bereits das nächste Mikrofon auf ihn wartet.

Denn eines hat Bayern inzwischen gelernt:

Der Sonnenaufgang ist zwar nicht garantiert.

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