Name: James David „JD“ Vance
Geboren: 2. August 1984 in Middletown, Ohio
Beruf: Vizepräsident der Vereinigten Staaten, ehemaliger Senator, Autor und politischer Wendeassistent
Dienstort: Washington, D.C.
Spezialgebiete: Kulturkampf, konservative Grundsatzreden und die rückwirkende Neubewertung früherer eigener Aussagen
Politisches Navigationssystem: „Route wurde neu berechnet.“
Aktuelle Position: Einen Herzschlag und diverse Verfassungsartikel vom Oval Office entfernt
Frühe Jahre – Hillbilly mit Yale-Anschluss
JD Vance wuchs in Ohio auf, diente beim US Marine Corps und studierte später unter anderem an der Yale Law School.
Das ist bereits eine bemerkenswerte Kombination.
Morgens Arbeiterklasse.
Mittags Eliteuniversität.
Abends amerikanischer Traum.
Und irgendwann Vizepräsident.
Netflix hätte das Drehbuch vermutlich mit dem Hinweis zurückgeschickt:
„Etwas weniger konstruiert, bitte.“
2016 wurde Vance mit seinem autobiografischen Buch Hillbilly Elegy international bekannt.
Plötzlich galt er als einer jener Menschen, die Amerika erklären konnten.
Das ist in den USA ein eigener Berufszweig.
Man schreibt ein Buch über einen Teil des Landes, tritt anschließend im Fernsehen auf und wird gefragt, warum 330 Millionen Menschen so sind, wie sie sind.
Vance erklärte.
Amerika hörte zu.
Hollywood verfilmte das Buch.
Und die Politik dachte offenbar:
Den nehmen wir.
Die Trump-Phase I: eher schwierig
Dann kam Donald Trump.
Und JD Vance war zunächst – vorsichtig formuliert – kein Fan.
Er äußerte sich öffentlich äußerst kritisch über Trump und dessen politische Erscheinung.
Das ist rückblickend besonders reizvoll, denn einige Jahre später wurde Vance Trumps Vizepräsident.
Politikwissenschaftlich nennt man das einen Positionswandel.
Im normalen Leben nennt man es:
„Ach, DU arbeitest jetzt hier?“
Damit begann eine der faszinierendsten politischen Wandlungen der jüngeren US-Geschichte.
Aus Distanz wurde Annäherung.
Aus Kritik wurde Unterstützung.
Aus Unterstützung wurde Loyalität.
Und aus Loyalität wurde schließlich:
„Mr. Vice President.“
Google Maps hätte irgendwann vermutlich eingeblendet:
Sie haben Ihr ursprüngliches Ziel verlassen. Neue Route wird berechnet.
Der Senator aus Ohio
2022 wurde Vance in den US-Senat gewählt.
Damit wechselte er endgültig vom Beruf des Amerika-Erklärers in den Beruf des Amerika-Mitentscheiders.
Ein erheblicher Unterschied.
Als Autor kann man schreiben:
„Das Land hat ein Problem.“
Als Senator fragt anschließend jemand:
„Und was genau steht jetzt in Ihrem Gesetzentwurf?“
Sehr unangenehm.
Vance profilierte sich als Vertreter der neuen populistisch-nationalkonservativen Republikaner und wurde zu einer prominenten Stimme der MAGA-Bewegung.
Die politische Metamorphose war damit abgeschlossen.
Der frühere Trump-Kritiker stand nun nicht mehr vor dem Trump-Zug.
Er saß drin.
Erste Klasse.
Sehr weit vorne.
2024: Bitte auf dem Beifahrersitz Platz nehmen
Donald Trump machte JD Vance 2024 zu seinem Kandidaten für die Vizepräsidentschaft.
Trump gewann die Wahl.
Und seit Januar 2025 ist Vance Vizepräsident der Vereinigten Staaten.
Damit bekleidet er eines der merkwürdigsten Ämter der westlichen Demokratie.
Der US-Vizepräsident ist enorm wichtig.
Theoretisch.
Er ist Präsident des Senats, kann bei Stimmengleichheit entscheiden und muss jederzeit bereit sein, das höchste Amt zu übernehmen.
Ansonsten besteht die traditionelle Aufgabe ungefähr darin, hinter dem Präsidenten zu stehen und überzeugend auszusehen, als sei das exakt der Ort, an dem man immer stehen wollte.
Vance beherrscht das.
Das Trump-Vance-Verhältnis
Das Verhältnis besitzt eine gewisse historische Schönheit.
Vance hatte Trump einst massiv kritisiert.
Heute ist er dessen Stellvertreter.
Man stelle sich dieses Prinzip im Berufsleben vor:
Montag: „Dieser Chef ist eine Katastrophe.“
Dienstag: „Seine Strategie überzeugt mich zunehmend.“
Mittwoch: „Er wird missverstanden.“
Donnerstag: „Ich unterstütze ihn vollständig.“
Freitag: „Hier ist meine neue Visitenkarte: Stellvertretender Geschäftsführer.“
Das ist keine Kehrtwende.
Das ist vertikale Karriereintegration.
JD und der Kulturkampf
Vance ist ein Politiker, der kulturelle Konflikte nicht unbedingt als lästige Nebenerscheinung betrachtet.
Wo andere Politiker einen gesellschaftlichen Streit sehen, scheint in Washington gelegentlich jemand zu denken:
„Hervorragend, daraus machen wir drei Interviews und einen Social-Media-Post.“
Familienpolitik, Migration, Universitäten, gesellschaftliche Werte, Europa – Vance verfügt über genügend Reizthemen, um eine durchschnittliche Talkshow innerhalb von sieben Minuten in einen Großbrand zu verwandeln.
Sein politischer Stil ist dabei weniger Trump-Tornado und mehr intellektuell verpackter Kulturkampf.
Trump kommt mit dem Vorschlaghammer.
Vance bringt eine PowerPoint-Präsentation mit, die erklärt, warum der Vorschlaghammer philosophisch notwendig ist.
Vance und Europa
Besondere Aufmerksamkeit bekommt Vance regelmäßig, wenn er über Europa spricht.
Seine Botschaften an die europäischen Verbündeten besitzen nicht immer die klassische diplomatische Konsistenz von:
„Wir schätzen unsere transatlantischen Partner.“
Sie klingen bisweilen eher wie die jährliche Leistungsbeurteilung eines Unternehmensberaters:
„Schön, dass Sie da sind. Wir müssen über Ihre Performance sprechen.“
Europa sitzt dann da, rührt nervös im Kaffee und fragt sich, ob die NATO jetzt gleich ein Mitarbeitergespräch bekommt.
Für deutsche Diplomaten ist das besonders herausfordernd.
Deutsche Außenpolitik liebt Sätze wie:
„Wir befinden uns in einem konstruktiven Prozess.“
Amerikanischer Kulturkampf bevorzugt:
„Nein.“
Da treffen Welten aufeinander.
Das Amt des Vizepräsidenten
Vance besitzt nun einen Arbeitsplatz, dessen Stellenbeschreibung wahrscheinlich folgendermaßen beginnt:
Aufgabe 1: Präsident unterstützen.
Aufgabe 2: Senat.
Aufgabe 3: Auf keinen Fall den Eindruck erwecken, schon über Aufgabe 4 nachzudenken.
Denn jeder amerikanische Vizepräsident steht automatisch unter einem besonderen Verdacht:
Er könnte irgendwann Präsident werden wollen.
Selbstverständlich denkt niemand daran.
Niemals.
Schon gar nicht ein 42-jähriger Vizepräsident mit nationalem Profil, Buchvertrag, Senatserfahrung und Ambitionen.
Völlig abwegig.
Bitte weitergehen.
Hier gibt es nichts zu sehen.
Typischer Arbeitstag
06:30 Uhr: Aufstehen.
06:45 Uhr: Nachrichten lesen.
07:00 Uhr: Prüfen, was Trump bereits gepostet hat.
07:02 Uhr: Tagesplanung aktualisieren.
08:00 Uhr: Briefing.
09:00 Uhr: Kulturkampf.
10:00 Uhr: Senat.
11:00 Uhr: Europa erklären, dass Europa ein Problem hat.
11:05 Uhr: Europa erklärt, dass Europa das differenzierter sieht.
11:06 Uhr: Genau das war offenbar das Problem.
12:30 Uhr: Mittagessen.
13:30 Uhr: Interview.
14:00 Uhr: Frage nach früheren Trump-Aussagen.
14:01 Uhr: Politisches Navigationssystem startet automatisch.
14:02 Uhr: „Route wurde neu berechnet.“
16:00 Uhr: Termin im Weißen Haus.
17:00 Uhr: Neben Trump stehen.
17:15 Uhr: Weiter neben Trump stehen.
18:00 Uhr: Sehr präsidial nicht präsidial wirken.
19:00 Uhr: Feierabend.
19:05 Uhr: Prüfen, was Trump inzwischen gepostet hat.
Tagesplanung für morgen löschen.
Besondere Fähigkeiten
JD Vance besitzt eine Fähigkeit, die in der Politik außerordentlich nützlich ist:
biografische Elastizität.
Seine Karriere verbindet Arbeiterklassen-Biografie, Marine Corps, Yale, Bestsellerautor, Venture Capital, Senator, MAGA und Vizepräsidentschaft.
Andere Menschen benötigen für derart viele Rollen mehrere Leben.
Vance brauchte ungefähr einen Lebenslauf.
Seine größte politische Spezialdisziplin bleibt jedoch die erstaunliche Strecke zwischen:
„Trump? Nein.“
und
„Trump/Vance? Ja.“
Für diese Distanz benötigen normale Menschen ein Flugzeug.
Vance brauchte eine Wahlperiode.
Lebensmotto
„Man darf seine Meinung ändern – besonders wenn anschließend ein Büro im West Wing frei wird.“
Kurzprofil
JD Vance ist Vizepräsident, Bestsellerautor, ehemaliger Senator und vermutlich eines der eindrucksvollsten Beispiele dafür, dass politische Überzeugungen in Amerika über ein eingebautes Navigationssystem verfügen.
Er begann als Beobachter des amerikanischen Populismus.
Dann kritisierte er Trump.
Dann unterstützte er Trump.
Dann kandidierte er mit Trump.
Dann wurde er Vizepräsident unter Trump.
Das ist keine politische Karriere.
Das ist eine Netflix-Serie mit zu vielen Plot-Twists.
Und vielleicht besteht genau darin das Geheimnis JD Vances:
Während andere Politiker ihre Vergangenheit mühsam erklären müssen, behandelt Vance sie offenbar wie ein Software-Update.
Version 1.0: Trump-Kritiker.
Version 2.0: Republikanischer Senator.
Version 3.0: MAGA.
Version 4.0: Vizepräsident.
Was Version 5.0 bringt?
Dazu liegen selbstverständlich noch keine offiziellen Informationen vor.
Aber vermutlich wurde die Domain bereits geprüft.




