In Sachsen-Anhalt zeichnet sich derzeit eine politische Katastrophe ungeahnten Ausmaßes ab: Die AfD könnte tatsächlich bekommen, was sie seit Jahren fordert.
Regieren.
Nach jüngsten Umfragen liegt die Partei bei rund 40 bis 42 Prozent. Eine absolute Mehrheit der Mandate scheint zumindest nicht völlig ausgeschlossen. Für die AfD ergibt sich damit eine Situation, auf die offenbar niemand ernsthaft vorbereitet war: Nach jahrelangem Anklopfen könnte plötzlich jemand die Tür öffnen.
Und nun steht man davor und fragt: „Mist. Was wollten wir hier eigentlich?“
Laut „Süddeutscher Zeitung“ gibt es innerhalb der Partei Zweifel, ob genügend geeignetes Personal vorhanden sei, um im Ernstfall Ministerien und andere Führungspositionen zu besetzen. Eine bemerkenswerte Erkenntnis. Schließlich benötigt eine Landesregierung mehr als einen Ministerpräsidenten, drei Facebook-Administratoren und jemanden, der bei Pressekonferenzen „Altparteien!“ ruft.
AfD-Bundestagsabgeordneter Torben Braga soll mit „großer Sorge“ auf die nähere Zukunft geblickt haben. Bundesschatzmeister Hannes Gnauck wiederum erklärte dem Bericht zufolge, man habe zu wenig mit geeigneten Leuten darüber gesprochen, „was passiert, wenn wir in Regierungsverantwortung kommen“.
Damit hat die AfD möglicherweise erstmals ein Problem identifiziert, das nicht durch Migration, Brüssel oder Windräder verursacht wurde.
Man sei, so Gnauck, „vom eigenen Erfolg überrollt worden“.
Politisch entspricht das ungefähr einem Hund, der jahrelang Autos hinterherläuft und eines Tages tatsächlich eines erwischt. Nun sitzt er vor dem Kühlergrill und überlegt, wie das Wahlprogramm für Phase zwei aussah.
Auch Spitzenkandidat Ulrich Siegmund füllt offenbar Marktplätze. Doch selbst innerhalb der Partei wird laut Bericht darauf hingewiesen, dass dabei allgemeine Unzufriedenheit, Zukunftsängste und steigende Preise kräftig mithelfen.
Ein langjähriger AfD-Politiker soll sogar festgestellt haben, es sei schwierig zu erkennen, wo eigentlich die eigenen Lösungsansätze seien. Stattdessen werde „viel heiße Luft verteilt“.
Das wäre immerhin eine erste Ressortkompetenz.
Das Wirtschaftsministerium könnte künftig also zugleich das Energieministerium übernehmen.
Sollte es tatsächlich zur Regierungsübernahme kommen, müsste die Partei plötzlich Haushalte aufstellen, Behörden führen, Gesetze formulieren, Schulen organisieren und erklären, warum der Schlaglochsanierungsplan nicht „Deutschland zuerst!“ heißen kann.
Vielleicht beginnt deshalb gerade die schwierigste Phase der AfD-Geschichte:
Nicht Opposition gegen das System.
Sondern Excel.




