Name: Markus Thomas Söder
Geboren: 5. Januar 1967 in Nürnberg
Beruf: Bayerischer Ministerpräsident, CSU-Vorsitzender, professioneller Essensfotograf und gelegentlicher Politiker
Dienstort: München
Spezialgebiete: Bayern, Bratwurst, Baumumarmung, politische Metamorphose und das zufällige Vorhandensein einer Kamera
Natürliches Habitat: Zwischen Staatskanzlei, Volksfest und Tellergericht
Gefährlichster Satz: „Ich möchte dazu ein Foto posten.“
Frühe Jahre – Bayern brauchte einen Söder
Markus Söder wurde 1967 in Nürnberg geboren.
Bayern existierte damals bereits, war aber offenbar noch nicht vollständig.
Es fehlte jemand, der regelmäßig fotografisch dokumentiert, dass Weißwürste gegessen, Bäume umarmt, Bierkrüge gehalten und fränkische Bratwürste tatsächlich persönlich vom Ministerpräsidenten kontrolliert werden.
Dieser Mann war Markus Söder.
Schon früh soll er erkannt haben, dass politische Macht vergänglich ist, ein ordentlich fotografierter Schweinebraten dagegen für immer im Internet bleibt.
Er studierte Jura und arbeitete als Journalist. Eine ideale Kombination für die Politik: Man kann komplizierte Sachverhalte verstehen und weiß gleichzeitig, wo die Kamera steht.
Aufstieg in der CSU
Söder machte Karriere in der CSU.
Das ist eine Partei, die Bayern seit Jahrzehnten ungefähr so betrachtet, wie Apple sein Betriebssystem betrachtet:
Es darf gelegentlich aktualisiert werden, aber bitte niemals von jemand anderem.
Söder arbeitete sich durch verschiedene politische Ämter nach oben, wurde Minister und schließlich 2018 bayerischer Ministerpräsident.
Damit erreichte er den höchsten Zustand, den ein bayerischer Politiker erreichen kann, ohne zum Papst gewählt oder in Bronze gegossen zu werden.
Seitdem lautet die zentrale politische Frage im Freistaat:
Was macht Markus heute?
Regiert er?
Isst er?
Wandert er?
Steht er neben einem Baum?
Oder befindet er sich bereits mit einem Teller Kaiserschmarrn in optimaler Beleuchtung?
Söder isst
Ein besonderes Kapitel seiner politischen Tätigkeit bildet das Essen.
Andere Ministerpräsidenten veröffentlichen Kabinettsbeschlüsse.
Söder veröffentlicht Mittagessen.
Bratwurst.
Kuchen.
Leberkäse.
Krapfen.
Fisch.
Spargel.
Und wahrscheinlich irgendwann einen einzelnen Radi mit dem Kommentar:
„Einfach herrlich! 😋👍“
Damit hat Söder etwas geschafft, woran Generationen von Politikern gescheitert sind:
Er hat den politischen Diskurs erfolgreich mit der Speisekarte verschmolzen.
Während Berlin über Haushaltspolitik diskutiert, sitzt Söder irgendwo in Bayern vor einem Teller und sendet das wichtigste Signal des Tages:
Der Ministerpräsident ist satt. Bayern ist stabil.
Politikwissenschaftler sprechen inzwischen vom kulinarischen Föderalismus.
Söder und die Kamera
Es gibt Menschen, die zufällig fotografiert werden.
Und es gibt Markus Söder.
Bei ihm entsteht gelegentlich der Eindruck, dass Kameras nicht aufgestellt werden.
Sie wachsen einfach dort, wo er erscheint.
Besucht Söder einen Bauernhof, existiert ein Foto.
Besucht er ein Volksfest, existieren zwölf.
Steht er neben einem Baum, beginnt der Baum vermutlich automatisch zu posieren.
Ein gewöhnlicher Politiker sieht eine Landschaft und denkt:
„Schön.“
Markus Söder sieht eine Landschaft und denkt:
„Hochformat oder Querformat?“
Seine politische Philosophie könnte deshalb lauten:
Ich poste, also bin ich.
Die politische Wandlungsfähigkeit
Zu Söders herausragenden Fähigkeiten gehört die politische Anpassungsfähigkeit.
Während gewöhnliche Menschen ihre Meinung ändern, vollzieht Söder gelegentlich komplette politische Häutungen.
Der frühere Söder trifft dabei mitunter auf den heutigen Söder und beide könnten vermutlich eine Talkshow miteinander bestreiten.
Söder 2010: „Unbedingt!“
Söder 2020: „Auf keinen Fall!“
Söder 2025: „Das habe ich immer differenziert gesehen.“
Damit hat er den politischen Richtungswechsel perfektioniert.
Andere Politiker wenden.
Söder besitzt offenbar Allradlenkung.
Seine Position hängt nicht davon ab, woher der Wind kommt.
Der Wind erkundigt sich vorsichtshalber vorher bei Söder.
Die Sache mit dem Kanzleramt
Und dann gibt es natürlich Berlin.
Söder betonte in verschiedenen Situationen, wo seine politische Heimat liegt.
Bayern.
Selbstverständlich.
Nur Bayern.
Immer Bayern.
Berlin?
Überhaupt kein Thema.
Das Kanzleramt?
Interessiert ihn ungefähr so sehr wie einen Kater eine geöffnete Dose Thunfisch.
Er schaut nur zufällig hin.
Sehr lange.
Aus nächster Nähe.
Mit leichtem Speichelfluss.
Besonders legendär wurde 2021 das unionsinterne Ringen um die Kanzlerkandidatur mit Armin Laschet.
Söder wollte natürlich keinesfalls unbedingt Kanzlerkandidat werden.
Er war lediglich bereit.
Sehr bereit.
Historisch bereit.
So bereit, dass das Wort „bereit“ anschließend eine Reha benötigte.
Am Ende wurde Laschet Kandidat.
Söder akzeptierte das selbstverständlich loyal.
In ungefähr derselben emotionalen Tonlage, in der jemand sagt:
„Nein, nein, nimm du ruhig das letzte Stück Torte.“
Und anschließend drei Stunden auf den leeren Teller schaut.
Söder und Bayern
Markus Söder liebt Bayern.
Das ist grundsätzlich nichts Ungewöhnliches.
Ungewöhnlich ist lediglich die Intensität, mit der Bayern gelegentlich zurücklieben soll.
Unter Söder ist Bayern nicht einfach ein Bundesland.
Bayern ist eine Lebensform.
Ein Premiumprodukt.
Eine Weltanschauung mit Weißwurstfrühstück.
Deutschland besteht demnach aus 16 Bundesländern:
Bayern und fünfzehn Gegenden, die auf der Autobahn dorthin liegen.
Wenn in München die Sonne scheint, funktioniert der Freistaat.
Wenn es regnet, liegt das vermutlich an Berlin.
Wenn Bayern wirtschaftlich erfolgreich ist, war es Bayern.
Wenn etwas schiefläuft, war es der Bund.
Föderalismus kann erstaunlich einfach sein.
Typischer Arbeitstag
06:30 Uhr: Aufstehen.
06:32 Uhr: Bayern existiert noch. Erste Erfolgsmeldung.
07:00 Uhr: Frühstück fotografieren.
07:15 Uhr: Frühstück essen.
08:00 Uhr: Instagram kontrollieren.
08:30 Uhr: Kabinettssitzung.
09:15 Uhr: Berlin kritisieren.
10:00 Uhr: Termin auf Bauernhof. Kuh fotografieren.
10:30 Uhr: Kuh vermutlich CSU-nah.
11:45 Uhr: Bratwursttermin.
11:46 Uhr: Foto.
11:47 Uhr: Zweites Foto, weil beim ersten der Senf ungünstig lag.
13:00 Uhr: Pressekonferenz: „Bayern ist stark.“
14:00 Uhr: Politische Position überprüfen.
14:03 Uhr: Wetterlage überprüfen.
14:05 Uhr: Position präzisieren.
16:00 Uhr: Baum umarmen.
16:01 Uhr: Fotograf prüfen, ob Baum vollständig im Bild ist.
18:00 Uhr: Abendessen.
18:01 Uhr: Deutschland erfährt, was es gibt.
Besondere Fähigkeiten
Markus Söder kann gleichzeitig Ministerpräsident, Parteivorsitzender, Foodblogger, Wanderführer, Baumfreund und latent verfügbarer Kanzlerkandidat sein.
Außerdem beherrscht er die seltene politische Disziplin des rückwirkenden Immer-schon-dafür-oder-dagegen-Gewesenseins.
Dafür benötigt man enorme Beweglichkeit.
Und offenbar sehr gute Knie.
Lebensmotto
„Bayern zuerst. Kamera an. Mahlzeit!“
Kurzprofil
Markus Söder ist der vielleicht einzige deutsche Spitzenpolitiker, bei dem man morgens nicht sicher sagen kann, ob der nächste öffentliche Beitrag eine bundespolitische Grundsatzrede oder ein Foto von drei Nürnberger Rostbratwürsten enthält.
Vielleicht liegt genau darin sein Erfolgsgeheimnis.
Andere Politiker versuchen mühsam, Volksnähe herzustellen.
Söder setzt sich vor einen Teller Schweinebraten.
Andere schreiben Strategiepapiere.
Söder fotografiert einen Krapfen.
Andere erklären ihre politische Heimat.
Söder braucht dafür nur drei Buchstaben:
BAYERN.
Und sollte Markus Söder eines Tages tatsächlich die Politik verlassen, dürfte Deutschland vor einem gewaltigen Problem stehen:
Wer informiert uns dann darüber, was der bayerische Ministerpräsident zu Mittag gegessen hat?
Bis dahin bleibt Söder, was er seit Jahren perfektioniert:
Ministerpräsident, Medienfigur und vermutlich der einzige Food-Influencer Deutschlands mit eigener Staatskanzlei.




