Die AfD in Sachsen-Anhalt hat offenbar eine historische Lücke im deutschen Staatswesen entdeckt: Deutschland besitzt Ministerien für Finanzen, Inneres, Wirtschaft und Bildung – aber bislang keines, das zuverlässig verhindert, dass politische Probleme unnötig kompliziert werden.
Das soll sich nach einem Wahlsieg ändern.
Geplant ist nach Informationen aus der satirischen Parallelrealität das „Ministerium für einfache Antworten und gesunden Menschenverstand“. Aufgabe der neuen Behörde: komplizierte Sachverhalte so lange zu vereinfachen, bis sie auf einen Bierdeckel passen oder zumindest auf einen Facebook-Kommentar.
Das Ministerium soll künftig sämtliche politischen Großprobleme des Landes bearbeiten.
Wohnungsnot? Mehr Wohnungen.
Fachkräftemangel? Mehr Fachkräfte.
Hohe Energiepreise? Billigere Energie.
Leere kommunale Kassen? Mehr Geld.
Migration? Weniger.
Deutschland? Mehr.
Die Verwaltung verspricht damit erstmals politische Lösungen, die auch dann funktionieren, wenn man die zweite Hälfte der Frage einfach weglässt.
Besonders stolz ist die AfD auf das geplante Referat „Gesunder Menschenverstand“. Es soll ohne wissenschaftliche Beiräte, Fachgutachten oder belastbare Zahlen auskommen. Schließlich habe der gesunde Menschenverstand Jahrtausende hervorragend funktioniert, bevor irgendwelche Experten angefangen hätten, Tabellen zu erfinden.
Auch das Haushaltsreferat soll neue Wege gehen. Der künftige Landeshaushalt könnte aus nur drei Positionen bestehen:
„Zu viel“, „zu wenig“ und „muss weg“.
Eine Gegenfinanzierung sei nicht erforderlich. Man wolle schließlich Politik machen und keine Mathematik-Olympiade veranstalten.
Das Referat „Folgenabschätzung“ soll hingegen gestrichen werden, bevor es überhaupt gegründet wurde. Begründung: Folgen kämen grundsätzlich erst später und könnten dann immer noch diskutiert werden.
Für besonders schwierige Fragen ist im Eingangsbereich des Ministeriums ein großer roter Knopf vorgesehen. Aufschrift: „Altparteien“.
Wird er gedrückt, ertönt automatisch eine Lautsprecherdurchsage: „Dieses Problem wurde durch jahrzehntelanges Versagen verursacht.“
Damit gilt der Vorgang verwaltungstechnisch als erledigt.
Erste Schwierigkeiten drohten allerdings bereits während der Planungsphase. Ein Journalist wollte wissen, wie das Ministerium konkret aufgebaut sein solle, wie viel es koste und welche gesetzlichen Kompetenzen es bekomme.
Daraufhin musste die Pressekonferenz kurz unterbrochen werden.
Grund: unerwarteter Einbruch von Komplexität.
Künftig sollen solche Zwischenfälle verhindert werden. Journalisten werden deshalb gebeten, Fragen möglichst mit „Ja“, „Nein“ oder „Sind die anderen schuld?“ zu formulieren.
Als erster Ministerialerlass ist bereits ein umfassendes Regierungsprogramm vorgesehen.
Es besteht aus einem einzigen Satz:
„Wir machen das jetzt einfach richtig.“
Details sollen folgen.
Voraussichtlich nie.




