In Sachsen-Anhalt bahnt sich ein politisches Problem an, mit dem die AfD offenbar nicht gerechnet hat:
Sie könnte zu viele Stimmen bekommen.
Parteien treten gewöhnlich zu Wahlen an, um anschließend zu regieren. Das gehört zum traditionellen Ablauf einer Demokratie ungefähr so sehr wie Wahlplakate, Kugelschreiber und Kandidaten, die plötzlich Wochenmärkte lieben.
Bei der AfD scheint die Sache komplizierter.
Spitzenkandidat Ulrich Siegmund setzt auf eine Alleinregierung. Die Botschaft lautet sinngemäß: Regieren gern – aber möglichst nur mit absoluter Mehrheit.
Das ist politisch ungefähr vergleichbar mit einem Fußballverein, der erklärt:
„Wir spielen nur Champions League, wenn der Gegner nicht erscheint.“
Denn mit absoluter Mehrheit lässt sich tatsächlich vergleichsweise komfortabel regieren. Man benötigt keine Koalitionspartner, keine Kompromisse und muss morgens nicht mit Menschen frühstücken, die ein anderes Parteibuch besitzen.
Vielleicht steckt dahinter aber auch eine bislang unterschätzte Strategie.
Denn Opposition ist herrlich.
Man kann verlangen, dass Strom billiger, Renten höher, Steuern niedriger, Grenzen dichter, Straßen besser, Schulen schöner und gleichzeitig sämtliche Staatsausgaben kleiner werden.
Und wenn jemand fragt, wie das alles finanziert werden soll, antwortet man einfach:
„Indem wir endlich vernünftige Politik machen.“
Regieren ist wesentlich unangenehmer.
Plötzlich steht morgens ein Beamter im Büro und fragt:
„Herr Ministerpräsident, welche 800 Millionen Euro sollen wir denn nun konkret einsparen?“
Da hilft „Deutschland zuerst!“ nur begrenzt.
Auch ein Haushaltsplan lässt sich erfahrungsgemäß schlecht anschreien.
Vielleicht möchte die AfD deshalb tatsächlich erst dann regieren, wenn niemand mehr da ist, der sie dabei stört.
Denn Koalitionen bergen Risiken.
Man müsste verhandeln.
Prioritäten setzen.
Gesetze formulieren.
Und schlimmstenfalls sogar erklären, warum die Realität das Wahlprogramm nicht gelesen hat.
Die größte Gefahr einer AfD-Regierung wäre aus satirischer Sicht deshalb womöglich gar nicht ihre Opposition.
Sondern der Dienstagmorgen nach der Vereidigung.
Dann endet nämlich die gemütliche Phase der Forderungen und beginnt die unbeliebte Disziplin namens Verantwortung.
Plötzlich muss der Kultusminister Schulen organisieren, der Innenminister genügend Polizisten finden und der Finanzminister entdecken, dass „die da oben“ jetzt teilweise er selbst ist.
Vielleicht lautet Siegmunds Forderung nach der absoluten Mehrheit daher nur vorsorglich:
Regieren ja – aber bitte ohne Mitspieler, Widerworte und mathematische Überraschungen.
Sollte es mit der absoluten Mehrheit nicht klappen, bleibt schließlich die Opposition.
Dort lässt sich weiterhin hervorragend erklären, wie einfach Regieren wäre.
Wenn man nur dürfte.
Aber bitte nicht unter normalen Bedingungen.




