Die Trump-Regierung arbeitet weiter konsequent an einer neuen Definition amerikanischer Freiheit. Für ausländische Studierende und Journalisten soll sie möglichst ein Ablaufdatum haben. Für Kohlekraftwerke dagegen eher nicht.
Das politische Grundprinzip lässt sich inzwischen erstaunlich leicht zusammenfassen:
Menschen brauchen ein Visum. CO₂ braucht nur einen Schornstein.
Ausländische Studierende sollten künftig nicht mehr einfach so lange bleiben dürfen, wie ihr Studium dauert. Journalisten wiederum sollten regelmäßiger erklären müssen, warum sie eigentlich immer noch da sind.
Ein durchaus revolutionäres Konzept.
Amerikanische Universitäten könnten ihre Promotionsprogramme künftig entsprechend anpassen:
„Herzlich willkommen. Ihre Forschung über Krebsmedikamente dauert voraussichtlich länger als Ihr Aufenthaltsrecht. Viel Erfolg!“
Besonders elegant wirkte die Begründung mit der nationalen Sicherheit. Schließlich könnte ein Student theoretisch irgendetwas Gefährliches tun.
Ein Gericht fand allerdings offenbar, dass das Argument gewisse logische Restbestände vermissen ließ. Denn wer tatsächlich Böses vorhat, dürfte vermutlich nicht zunächst mehrere Jahre auf einen Abschluss warten, bevor er damit beginnt.
Die geplanten Regeln wurden deshalb vorerst gestoppt.
Während Menschen also möglicherweise zu lange in Amerika bleiben könnten, hat die Regierung gleichzeitig ein wesentlich entspannteres Verhältnis zur Aufenthaltsdauer von Treibhausgasen entwickelt.
Die Umweltbehörde hebt zentrale Klimaschutzvorgaben für Kraftwerke auf und stellt sogar infrage, ob sie sich für klimaschädliche Emissionen überhaupt zuständig fühlen sollte.
Damit entsteht eine bemerkenswerte neue Einwanderungspolitik:
Ein ausländischer Wissenschaftler soll künftig regelmäßig erklären, warum er noch im Land ist.
Ein CO₂-Molekül darf hingegen einreisen, bleiben und sich jahrzehntelang integrieren.
Ganz ohne Formular.
Ganz ohne Verlängerungsantrag.
Und vermutlich sogar ohne Passfoto.
Für Kohle könnte demnächst eine eigene Green Card eingeführt werden.
Die Begründung dürfte lauten: Sie schafft Arbeitsplätze, ist zuverlässig und beschwert sich niemals über amerikanische Innenpolitik.
Journalisten haben es da schwerer. Sie stellen Fragen.
Kohle stellt höchstens Feinstaub bereit.
Damit wird auch klar, welche Form internationaler Mobilität Washington besonders begrüßt:
Forscher aus Europa: bitte Aufenthalt begründen.
Reporter aus Asien: Verlängerungsantrag ausfüllen.
Kohlendioxid aus Texas: Willkommen zu Hause.
Die Trump-Regierung hat damit vielleicht das erste politische System geschaffen, bei dem eine Universität weniger Planungssicherheit besitzt als ein Schornstein.
Und während Gerichte prüfen, ob Menschen wirklich nach einer amtlich festgelegten Frist verschwinden müssen, dürfte sich die Atmosphäre entspannt zurücklehnen.
Sie weiß:
Für sie ist bislang keine Ausreisefrist vorgesehen.




