Es gibt Pressekonferenzen.
Es gibt Regierungserklärungen.
Es gibt diplomatische Mitteilungen.
Und dann gibt es Donald Trump.
Während Diplomaten weltweit noch überlegen, wer wann mit wem worüber sprechen könnte, ist Donald Trump gedanklich bereits drei Gesprächsrunden weiter, hat das Gruppenfoto veröffentlicht, den Friedensnobelpreis entgegengenommen und vermutlich schon die Verfilmungsrechte verkauft.
Im Weißen Haus beginnt der Tag deshalb inzwischen nicht mit dem Lagebericht der Sicherheitsberater.
Nein.
Zuerst wird geprüft, was Donald Trump bereits über die Welt weiß.
Danach wird versucht herauszufinden, ob die Welt das ebenfalls schon weiß.
Nicht selten lautet die Antwort:
„Noch nicht.“
Im Oval Office steht mittlerweile ein riesiges Whiteboard.
Darauf befinden sich drei Spalten.
Was passiert?
Was Donald Trump sagt, dass passiert.
Was irgendwann tatsächlich passiert.
Zwischen den drei Spalten liegen gelegentlich erstaunliche Entfernungen.
An diesem Morgen herrscht hektische Betriebsamkeit.
Donald Trump betritt den Raum.
Mit energischen Schritten.
Einer übergroßen Tasse Kaffee.
Und einem Smartphone, das offensichtlich schneller Nachrichten produziert als sämtliche internationalen Nachrichtenagenturen zusammen.
„Großartige Neuigkeiten!“
ruft er.
Sofort beginnen sämtliche Mitarbeiter mitzuschreiben.
Nicht etwa, weil sie bereits wissen, worum es geht.
Sondern weil Erfahrung sie gelehrt hat, dass Details grundsätzlich erst später entstehen.
„Treffen!“
ruft Donald Trump.
„Fantastisches Treffen! Riesiges Treffen! Wahrscheinlich das beste Treffen überhaupt!“
Ein Berater hebt vorsichtig die Hand.
„Mit wem?“
Donald Trump schaut überrascht.
„Das finden wir gleich heraus.“
Der Sicherheitsberater öffnet hektisch mehrere Bildschirme.
Das Außenministerium telefoniert bereits mit Botschaften.
Das Pentagon fragt vorsorglich nach, ob irgendwo versehentlich bereits Frieden ausgebrochen sei.
Die CIA durchsucht Satellitenbilder.
Bislang ohne Erfolg.
Währenddessen veröffentlicht Donald Trump bereits den nächsten Beitrag.
Er erklärt mit bemerkenswerter Selbstverständlichkeit, dass selbstverständlich Gespräche stattfinden werden.
Schließlich habe jemand darum gebeten.
Wer genau?
Nun.
Das sei schließlich Nebensache.
Wichtiger sei die Ankündigung.
Denn wer eine Verhandlung zuerst ankündigt, hat sie kommunikativ praktisch schon gewonnen.
Im Pressezentrum des Weißen Hauses existiert inzwischen ein eigener Begriff dafür.
Präventive Diplomatie.
Nicht zu verwechseln mit klassischer Diplomatie.
Bei der klassischen Variante sprechen zunächst die Beteiligten miteinander.
Bei der präventiven Version erfahren die Beteiligten zuerst aus den sozialen Medien, dass sie offenbar miteinander sprechen werden.
Anschließend beginnen sie zu prüfen, ob sie tatsächlich eingeladen wurden.
Im Außenministerium herrscht inzwischen höchste Alarmbereitschaft.
Ein Mitarbeiter rennt durch den Flur.
„Hat jemand Katar angerufen?“
„Warum?“
„Weil Donald Trump dort offenbar bereits Gespräche angesetzt hat.“
„Mit wem?“
„Das versuchen wir gerade herauszufinden.“
Im Konferenzraum steht inzwischen eine riesige Weltkarte.
Darauf kleben kleine Fähnchen.
Jedes Fähnchen markiert eine diplomatische Entwicklung.
Daneben befindet sich eine zweite Karte.
Sie zeigt sämtliche Ankündigungen Donald Trumps.
Die zweite Karte benötigt mittlerweile deutlich mehr Stecknadeln.
Auch in Teheran herrscht leichte Verwirrung.
Ein Beamter kommt mit seinem Handy hereingelaufen.
„Wir sollen morgen irgendwo sein.“
„Wo?“
„Das steht noch nicht fest.“
„Wer hat eingeladen?“
„Donald Trump.“
Kurze Stille.
Dann beginnt hektisches Blättern in Kalendern.
Ein Mitarbeiter fragt vorsichtig:
„Sind wir überhaupt verfügbar?“
Ein anderer antwortet:
„Das sollten wir vielleicht zuerst mit uns selbst besprechen.“
In Katar beobachtet man das Geschehen inzwischen mit einer Mischung aus Gelassenheit und Neugier.
Die Hotels prüfen vorsorglich freie Zimmer.
Das Konferenzzentrum stellt zusätzliche Kaffeetassen bereit.
Der Hausmeister fragt lediglich:
„Kommt diesmal wirklich jemand?“
Niemand kann ihm eine verbindliche Antwort geben.
Zur Sicherheit werden trotzdem Namensschilder vorbereitet.
Eines bleibt vorsorglich leer.
Man weiß ja nie.
Im Weißen Haus arbeitet inzwischen die neue Abteilung für Zukunftsnachrichten.
Sie veröffentlicht Meldungen grundsätzlich einige Stunden vor der Realität.
Manchmal Tage.
Gelegentlich Wochen.
Die Erfolgsquote liegt laut Eigenangaben bei beeindruckenden 100 Prozent.
Schließlich könne jederzeit noch eintreten, was bereits angekündigt worden sei.
Ein Journalist wagt eine unbequeme Frage.
„Was passiert, wenn das Treffen gar nicht stattfindet?“
Donald Trump lächelt.
„Dann war es eben ein geheimes Treffen.“
Der Raum applaudiert.
Nicht unbedingt aus Überzeugung.
Sondern weil niemand diese Diskussion verlängern möchte.
Inzwischen entwickeln auch internationale Nachrichtensender neue Arbeitsmethoden.
Früher wartete man auf Bestätigungen.
Heute wartet man zunächst darauf, ob Donald Trump sich selbst bestätigt.
Erst danach beginnt die eigentliche Recherche.
Die Pressestelle besitzt inzwischen mehrere Textbausteine.
Version A:
„Historisches Treffen.“
Version B:
„Historisches Treffen verschoben.“
Version C:
„Historisches Treffen findet möglicherweise historisch später statt.“
Alle drei Varianten liegen druckfertig bereit.
Die diplomatischen Vermittler wirken unterdessen erstaunlich entspannt.
Sie wissen aus Erfahrung, dass internationale Verhandlungen Geduld benötigen.
Und gelegentlich auch einen Kalender.
Vor allem aber Beteiligte, die voneinander wissen.
Donald Trump dagegen blickt bereits optimistisch in die Zukunft.
Er erklärt den versammelten Journalisten, man sei einer Einigung so nah wie nie zuvor.
Ein Reporter fragt vorsichtig:
„Welche Einigung genau?“
Donald Trump antwortet ohne zu zögern:
„Die, über die bald alle sprechen werden.“
Der Reporter nickt.
Nicht weil er überzeugt wäre.
Sondern weil er inzwischen gelernt hat, dass manche Pressekonferenzen weniger der Information dienen als der kreativen Vorschau auf mögliche Ereignisse.
Am Ende verlassen alle den Saal.
Die Diplomaten telefonieren weiter.
Die Nachrichtenagenturen formulieren vorsichtig.
Die Analysten vergleichen Aussagen.
Und irgendwo sitzt ein Praktikant im Weißen Haus vor einem Computer.
Seine einzige Aufgabe besteht darin, ständig zu prüfen, ob die Realität mit der neuesten Ankündigung bereits aufgeholt hat.
Bislang führt allerdings noch die Ankündigung.
Mit deutlichem Vorsprung.




