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POLITIK

Trump kauft die Straße von Hormus – Kaufvertrag wird später nachgereicht

admin · 15.08.2026 · 8 Min. Lesezeit
Grafik: Trump eröffnet die Mautstation von Hormus
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Donald Trump hat offenbar beschlossen, die Weltpolitik endgültig nach den Regeln eines Immobilienportals zu organisieren. Nachdem Venezuela, Kuba und Grönland bereits gedanklich im amerikanischen Warenkorb lagen, fiel sein Blick nun auf ein besonders attraktives Wassergrundstück: die Straße von Hormus.

Die Meerenge sei zwar weder eine Straße noch stehe dort ein Reihenhaus mit Doppelgarage, doch solche Details haben Donald Trump noch nie von einer guten Grundstücksidee abgehalten. Der US-Präsident kündigte an, die Straße von Hormus „bald“ zum Territorium der Vereinigten Staaten zu erklären – sobald der Iran endgültig besiegt sei.

Der Sieg ist nach Trumps Angaben praktisch bereits eingetreten. Teheran erleide eine „vernichtende Niederlage“. Unpraktischerweise gibt es bislang weder eine dauerhafte Friedensvereinbarung noch eine Einigung über die Meerenge. Die Waffenruhe läuft aus, die Ölpreise sind hoch und der Iran kontrolliert weiterhin seinen Teil der Wasserstraße.

Das ist allerdings nur die altmodische Sichtweise. In der modernen Trump-Geopolitik gilt ein Sieg als vollzogen, sobald Donald Trump ihn in einem vollständigen Satz angekündigt hat. Verträge, Karten und tatsächliche Verhältnisse werden später als Zubehör geliefert.

Geopolitisches Monopoly für Fortgeschrittene

Donald Trump behandelt die Weltkarte zunehmend wie ein Monopoly-Spiel, bei dem er gleichzeitig Bank, Makler, Würfel und Regelheft ist. Wer auf einem interessanten Gebiet landet, kann es erwerben. Wer widerspricht, muss ins Gefängnis. Wer eine Meerenge besitzt, darf dort Hotels bauen und Maut verlangen.

Die Straße von Hormus ist dafür ein hervorragendes Feld. Durch die strategisch wichtige Passage werden große Mengen Öl, Gas und Düngemittel transportiert. Sie ist an ihrer schmalsten Stelle rund 39 Kilometer breit und liegt zwischen dem Iran und Oman.

Internationale Gewässer gibt es dort nicht, weil sich die beanspruchten Zwölf-Seemeilen-Zonen beider Anrainer überschneiden. Aus Sicht des internationalen Rechts ist das kompliziert. Aus Sicht Donald Trumps ist es vermutlich eine erstklassige Gelegenheit für eine Zwangsversteigerung.

Der amerikanische Präsident könnte die Meerenge künftig mit einem schwimmenden Empfangskomitee ausstatten:

„Willkommen im US-Territorium Hormus. Bitte halten Sie Reisepass, Schiffskennzeichen und Kreditkarte bereit. Die nächste Raststätte befindet sich in 17 Seemeilen. Das Wenden großer Öltanker ist nur auf den markierten Parkplätzen gestattet.“

An den Einfahrten könnten rot-weiß-blaue Schranken installiert werden. Tanker erhielten nach erfolgreicher Zahlung einen Aufkleber für die Windschutzscheibe, obwohl sie keine Windschutzscheibe im üblichen Sinn besitzen. Wer keinen Aufkleber hat, muss eine Bearbeitungsgebühr entrichten oder drei Wochen im amerikanischen Kreisverkehr fahren.

Kasem Gharibabadi findet den Kaufvertrag nicht

Irans Vize-Außenminister Kasem Gharibabadi reagierte wenig begeistert. Der Iran lasse sich nicht durch Drohungen oder Machtdemonstrationen einschüchtern. Die Straße von Hormus werde unter iranischer Kontrolle geöffnet oder geschlossen, erklärte Gharibabadi.

Damit treffen zwei bemerkenswert unterschiedliche Eigentumsauffassungen aufeinander.

Kasem Gharibabadi verweist auf Geografie, Hoheitsgewässer und iranische Kontrolle. Donald Trump verweist auf einen Sieg, den er bereits verkündet hat, und auf eine künftige Erklärung, die er bald abgeben möchte. Der internationale Konflikt gleicht damit einem Streit zwischen einem Grundbuchamt und einem Mann, der vor einem fremden Garten steht und ruft: „Sehr schönes Grundstück, gehört jetzt mir!“

Oman, der zweite Anrainerstaat, dürfte währenddessen irritiert auf die Landkarte schauen. Eigentlich sollte der Iran mit Oman unter Beachtung des internationalen Rechts und unter Einbeziehung der Anrainer über die Zukunft der Passage verhandeln. Nun steht plötzlich Donald Trump in der Meerenge, misst mit einem Zollstock die Küstenlinie aus und fragt, ob das Wasser möbliert übergeben wird.

Der Oman könnte vorsorglich ein Schild aufstellen: „Privatgewässer – keine Maklergespräche ohne Termin.“ Da Donald Trump Schilder jedoch vermutlich als Verhandlungsangebote betrachtet, dürfte auch das wenig helfen.

Der große Sieg mit höheren Benzinpreisen

Donald Trump rief die Amerikaner zugleich dazu auf, etwas höhere Benzinpreise zu akzeptieren, damit die iranische Führung keine Atomwaffen bauen könne. Das ist eine bemerkenswerte Kommunikationsleistung. Der Iran erleidet angeblich eine vernichtende Niederlage, doch der amerikanische Autofahrer darf den Sieg weiterhin an der Zapfsäule finanzieren.

In der offiziellen Erfolgsrechnung könnte das so aussehen:

  • Iran vernichtend besiegt.
  • Friedensvertrag nicht vorhanden.
  • Waffenruhe läuft aus.
  • Straße von Hormus weiterhin umstritten.
  • Ölpreise stark gestiegen.
  • Amerikanische Verbraucher sollen Verständnis haben.
  • Gesamtergebnis: historischer Triumph.

Das ist ungefähr so, als würde ein Restaurantbesitzer verkünden, die Küche sei gerettet, obwohl sie brennt, das Essen fehlt und die Gäste gebeten werden, für den Feuerwehreinsatz einen Aufpreis zu zahlen.

An amerikanischen Tankstellen könnte künftig der „Hormus-Freiheitszuschlag“ erscheinen. Pro Gallone gehen einige Cent an die geopolitische Grundstücksentwicklung, einige an den Krieg und der Rest an ein künftiges Hinweisschild mit Trumps Namen.

Autofahrer würden dann nicht mehr einfach tanken. Sie beteiligten sich aktiv an der Außenpolitik.

„Warum kostet das Benzin so viel?“

„Weil Amerika gewonnen hat.“

„Wann wird es wieder billiger?“

„Nach dem nächsten Sieg.“

Erst Maut, dann Annexion, bald Eigentümergemeinschaft

Vor einem Monat hatte Donald Trump bereits damit gedroht, in der Straße von Hormus eine Maut zu erheben. Diese Idee wurde kurz darauf wieder kassiert. Nun folgt die größere Lösung: Wenn sich eine Mautstation nicht durchsetzen lässt, erklärt man einfach die gesamte Meerenge zum eigenen Staatsgebiet.

Das ist unternehmerisches Denken. Scheitert der Brötchenverkauf, kauft man die Bäckerei. Scheitert die Maut, annektiert man die Wasserstraße.

Vielleicht hatte Trump lediglich Schwierigkeiten mit dem ursprünglichen Geschäftsmodell. Eine Maut verlangt Personal, Schranken und ein passendes Wechselgeldsystem für Öltanker. Eine Annexion benötigt im ersten Schritt nur eine öffentliche Erklärung. Das spart Investitionskosten.

Später könnte eine amerikanische Eigentümergemeinschaft gegründet werden. Der Iran, Oman und die USA müssten dann gemeinsam über Reinigung, Beleuchtung und Winterdienst abstimmen.

TOP 1: Entfernung herrenloser Seeminen.

TOP 2: Genehmigung einer schwimmenden Leuchtreklame.

TOP 3: Beschwerde des Iran über amerikanische Fahnen im Gemeinschaftsbereich.

TOP 4: Donald Trump beantragt Umbenennung des gesamten Persischen Golfs.

TOP 5: Kasem Gharibabadi verlässt die Sitzung vorzeitig.

Die Protokolle wären vermutlich länger als das Friedensabkommen.

Der Friedensprozess wartet im Vorzimmer

Die 60-tägige Waffenruhe droht ohne Verlängerung auszulaufen. Während dieser Verhandlungen durfte der Iran keine Gebühren für die Passage verlangen. Eine dauerhafte Einigung ist bislang nicht bekannt.

Das eigentliche Problem bleibt bestehen: Der Krieg hat den Schiffsverkehr beeinträchtigt, Angriffe und Drohungen haben die Ölpreise steigen lassen und die Straße von Hormus ist zum wichtigsten Druckmittel Teherans geworden.

Donald Trump sucht deshalb seit Wochen nach einer Lösung für ein Problem, das vor Beginn des Krieges in dieser Form nicht bestand. Seine neue Lösung lautet: Die Ursache nicht beseitigen, sondern die geografische Bezeichnung übernehmen.

Das erinnert an einen Hausbesitzer, der versehentlich das Badezimmer überflutet und anschließend erklärt, der gesamte Raum sei nun ein strategisch wichtiger Binnenhafen.

Ein echter Friedensprozess benötigt Verhandlungen, Sicherheitsgarantien, internationale Abstimmung und Kompromisse. Eine öffentliche Annexionserklärung benötigt dagegen ein Mikrofon, ein Schmunzeln und einen Veranstaltungsort. Bei einer politischen Veranstaltung an einer Polizeiakademie waren diese Voraussetzungen offenbar vollständig erfüllt.

Trump versicherte kurz nach seiner überraschenden Aussage: „Es ist wahr.“ Diese zusätzliche Beteuerung war wichtig. Ohne sie hätten Zuhörer die Ankündigung möglicherweise für einen Scherz gehalten. Mit ihr konnten sie sicher sein, dass es sich entweder um ernst gemeinte Politik oder um besonders konsequent durchgehaltene Improvisation handelte.

Venezuela, Kuba, Grönland – jetzt auch mit Meerblick

Öffentlich verkündete Annexionsideen gehören inzwischen zum festen Repertoire Donald Trumps. Venezuela, Kuba und Grönland wurden bereits auf unterschiedliche Weise in seine geopolitischen Zukunftsvisionen aufgenommen.

Der Trump-Weltatlas könnte deshalb bald eine praktische Einkaufsfunktion erhalten:

Grönland: große Fläche, viel Eis, Renovierungsbedarf.

Venezuela: umfangreiche Rohstoffausstattung, schwierige Eigentumsverhältnisse.

Kuba: gute Lage, politisch sanierungsbedürftig.

Straße von Hormus: exklusives Wassergrundstück mit hohem Durchgangsverkehr.

Lieferzeit: abhängig von internationalen Krisen.

Rückgabe: ausgeschlossen.

Internationales Recht: separat erhältlich.

Für Makler wäre die Straße von Hormus ein Traumobjekt: unverbaubarer Meerblick, hervorragende Verkehrsanbindung und täglich vorbeifahrende Kundschaft. Lediglich die Nachbarschaftsstreitigkeiten könnten den Verkaufspreis drücken.

Der Wahlkalender fährt mit

Die US-Republikaner haben ein Interesse an einem schnellen Ausweg aus dem Krieg. In knapp drei Monaten stehen die Zwischenwahlen zum Kongress an. Kriege mit steigenden Benzinpreisen, unklarem Ausgang und einer strategisch blockierten Meerenge gelten im Wahlkampf als ähnlich verkaufsfördernd wie eine Lebensmittelvergiftung beim Sommerfest.

Donald Trump benötigt deshalb eine Erfolgsgeschichte. Ein Friedensvertrag wäre ideal, ist aber kompliziert. Eine neue amerikanische Meerenge klingt fast genauso gut und kann sofort angekündigt werden.

Der Wahlkampfslogan könnte lauten: „Der Krieg ist noch nicht vorbei, aber die Wasserstraße gehört uns schon mal.“

Sollten kritische Fragen folgen, ließe sich auf die vernichtende Niederlage des Iran verweisen. Warum ein vernichtend besiegter Gegner weiterhin die wichtigste Handelsroute für Öl und Gas beeinträchtigen kann, wäre dann eine Detailfrage für Experten. Experten können nach der Wahl antworten.

Der unlustige Teil

Bei allem geopolitischen Theater bleibt die Lage gefährlich. Der emiratische Ölkonzern Adnoc meldete einen Angriff auf einen Tanker in der Straße von Hormus. Verletzt wurde nach Angaben der emiratischen Nachrichtenagentur WAM niemand. Dennoch zeigt der Vorfall, dass hinter den großen Worten echte Schiffe, Besatzungen und wirtschaftliche Risiken stehen.

Eine Meerenge lässt sich nicht durch eine Pointe stabilisieren. Auch eine Eigentumserklärung verhindert keine Angriffe, senkt keine Ölpreise und ersetzt keine Friedensvereinbarung.

Genau darin liegt die Absurdität des Vorstoßes: Donald Trump spricht über Territorium, während noch über eine Waffenruhe verhandelt wird. Er verkündet den Sieg, während der Gegner sein wirksamstes Druckmittel kontrolliert. Und er bittet die Bürger um Verständnis für höhere Benzinpreise, die aus einem Konflikt entstanden sind, den er als nahezu gewonnen bezeichnet.

Vielleicht erklärt Trump als Nächstes nicht nur die Straße von Hormus, sondern gleich den gesamten Ölpreis zum amerikanischen Staatsgebiet. Dann könnten steigende Kurse wenigstens als territoriales Wachstum verbucht werden.

Bis dahin bleibt die Meerenge zwischen Iran und Oman, die Waffenruhe läuft aus und Kasem Gharibabadi weigert sich weiterhin, Donald Trump den Schlüssel zu übergeben.

Dabei wäre der US-Präsident vermutlich schon mit einer symbolischen Übergabe zufrieden: ein goldener Wasserhahn, ein Lageplan und eine Urkunde ohne störendes Kleingedrucktes.

Die Straße von Hormus hätte dann zwar keinen Frieden.

Aber endlich einen Immobilienmakler.

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