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POLITIK

Europa wählt neues Geld – Kaufkraft leider nicht im Angebot

admin · 22.09.2026 · 3 Min. Lesezeit
Grafik: Neue Eurobanknoten - Schönes Geld für weniger Einkauf
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Europa hat die Demokratie neu erfunden. Nachdem man jahrelang über komplizierte Dinge wie Zinsen, Inflation und Lebenshaltungskosten diskutiert hatte, dürfen die Bürger nun endlich bei einer wirklich entscheidenden Frage mitreden:

Welcher Vogel soll künftig auf dem Geld sitzen, das man sich nicht mehr leisten kann auszugeben?

Die Europäische Zentralbank hat zur großen Banknotenverschönerung eingeladen. Zur Auswahl stehen bedeutende Persönlichkeiten, Naturmotive, Flüsse und allerlei gefiederte Europäer. Damit ist ein historischer Schritt gelungen: Erstmals können Menschen selbst bestimmen, welches Motiv sie betrachten möchten, während sie an der Supermarktkasse prüfen, ob Käse inzwischen als Luxusgut gilt.

Besonders beliebt dürfte Beethoven sein.

Der Komponist passt hervorragend auf einen Geldschein, denn beim Blick auf manche Preise hört inzwischen ohnehin jeder innerlich die Schicksalssinfonie.

Da-da-da-daaa – Butter!

Marie Curie wäre ebenfalls geeignet. Sie erforschte schließlich Radioaktivität, was sie zur perfekten Symbolfigur für Haushaltsbudgets macht: Auch diese zerfallen derzeit scheinbar ganz von selbst.

Wer es weniger kulturell mag, kann sich für den Weißstorch entscheiden. Ein ausgesprochen passendes Motiv, denn auch das Geld entwickelt zunehmend Zugvogelqualitäten. Es landet kurz auf dem Konto, sieht sich um und fliegt anschließend geschlossen Richtung Miete, Energieversorger und Supermarkt.

Der Eisvogel wiederum symbolisiert die finanzielle Realität besonders elegant: wunderschön anzusehen, aber im eigenen Portemonnaie ausgesprochen selten.

Europa beweist damit erneut seine besondere Stärke für symbolische Beteiligung. Die Bevölkerung darf über das Aussehen des Geldes abstimmen. Über seine Kaufkraft wäre vermutlich organisatorisch schwieriger gewesen.

Ein entsprechender Stimmzettel hätte möglicherweise so ausgesehen:

„Soll Ihr Geld künftig mehr wert sein?“

Das Ergebnis hätte Experten völlig überrascht.

Die EZB könnte das Konzept deshalb konsequent ausbauen. Bürger könnten künftig auch über die Gestaltung von Stromrechnungen abstimmen. Zur Auswahl stünden Sonnenuntergang, Delfin oder brennendes Portemonnaie.

Auch Mietbescheide könnten freundlicher werden. Statt nüchterner Zahlen vielleicht ein niedliches Eichhörnchen mit leerer Nuss.

Und Lebensmittelpreise ließen sich durch kunstvolle Typografie deutlich sozialverträglicher gestalten.

Das neue europäische Motto lautet deshalb offenbar:

Wenn schon weniger drin ist, soll wenigstens etwas Hübsches drauf sein.

So entsteht das große Zukunftsprojekt „Schöner weniger kaufen“.

Und irgendwann steht ein Europäer an der Kasse, zieht stolz den neuen Beethoven-Schein hervor und fragt, was er dafür noch bekommt.

Die Kassiererin schaut auf den Schein, dann auf den Einkaufswagen und sagt:

„Für Beethoven? Vielleicht noch die Tüte.“

Der Kunde nickt, steckt das Geld wieder ein und nimmt vorsichtshalber nur die Luft mit.

Immerhin kostenlos.

Noch.

Denn wenn Europa eines wirklich zuverlässig kann, dann ist es, aus sinkender Kaufkraft ein Beteiligungsprojekt zu machen.

Früher fragte man: Was kann ich mir für mein Geld kaufen?

Heute fragt man: Welches Motiv möchte ich dabei ansehen, während ich es mir nicht leisten kann?

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