Wenn Milliarden auf dem Papier glänzen, aber Schulklos weiter nach Endzeit riechen, hat die deutsche Bürokratie wieder einmal bewiesen: Bildung ist wichtig – solange sie nicht bezahlt werden muss.
Sondervermögen sucht Schule – Finderlohn: ein funktionierendes Klo
Deutschland hat ein neues Bildungsprogramm erfunden: Geld bereitstellen, Auszahlung verhindern und anschließend die eigene Großzügigkeit feiern. Ein revolutionäres Konzept, das vermutlich bald als immaterielles Kulturerbe der deutschen Verwaltung anerkannt wird.
Eigentlich sollte das Sondervermögen des Bundes Schulen, Kitas und Wissenschaftseinrichtungen auf Vordermann bringen. Doch während Politiker bereits die Zukunft der Bildung beschwören, warten Schulgebäude weiterhin darauf, dass ihnen wenigstens die Gegenwart genehmigt wird.
Die gute Nachricht: Das Geld existiert!
Die schlechte Nachricht: Offenbar hauptsächlich als dekoratives Element in ministeriellen Excel-Tabellen.
Wenn Bürokratie zum Leistungssport wird
Das Bundesfinanzministerium erklärt den schleppenden Geldfluss mit verspäteten Verwaltungsvereinbarungen zwischen Bund und Ländern.
Einleuchtend! Schließlich kann man unmöglich ein undichtes Schuldach reparieren, bevor sämtliche Beteiligten schriftlich bestätigt haben, dass Regen grundsätzlich von oben kommt.
Inzwischen soll eine interministerielle Arbeitsgruppe prüfen, ob das Wasser tatsächlich nass ist. Ein Gutachten zur Zuständigkeit der Wolken befindet sich angeblich in Vorbereitung.
Besonders innovativ ist das deutsche Bildungsfinanzierungssystem beim Thema Geschwindigkeit. Während Schüler mit maroden Fenstern, kaputten Heizungen und Toiletten aus der archäologischen Frühgeschichte kämpfen, bewegt sich das Fördergeld ungefähr so schnell wie ein Faxgerät auf Wanderschaft.
Die Grünen entdecken das verschwundene Geld
Die Grünen zeigen sich empört. Das Geld müsse endlich fließen!
Eine bemerkenswerte Forderung in einem Land, in dem selbst Wasserleitungen schneller undicht werden, als Fördermittel ihre Empfänger erreichen.
Die Bundesregierung verweist derweil auf die Länder. Die Länder verweisen auf Verwaltungsverfahren. Die Kommunen verweisen auf leere Kassen. Und die Schüler verweisen auf den Eimer unter der undichten Klassenzimmerdecke.
Immerhin funktioniert hier noch etwas: die Weiterleitung von Verantwortung.
Deutschlands modernste Schule steht auf dem Papier
Bildungsexperten könnten demnächst ein völlig neues Unterrichtsfach empfehlen: „Angewandte Fördermittelarchäologie“.
Darin lernen Kinder, wie man verschollene Investitionen aufspürt, ministerielle Zuständigkeiten entschlüsselt und aus Verwaltungsvereinbarungen wetterfeste Dachziegel faltet.
Für den naturwissenschaftlichen Unterricht bietet sich ein weiteres Experiment an: Wie lange benötigt ein bewilligter Euro vom Bundeshaushalt bis zur Schultoilette?
Die Antwort dürfte Generationen von Forschern beschäftigen.
Das große Bildungsversprechen
Die Politik verspricht nun, das kommende Jahr zum Jahr der Bildungsinvestitionen zu machen.
Eine wunderbare Tradition! Deutschland erklärt schließlich regelmäßig irgendein Jahr zum Jahr der Bildung, Digitalisierung oder Modernisierung.
Anschließend wird eine Arbeitsgruppe gegründet, die untersucht, weshalb das vorherige Jahr leider ausgefallen ist.
Und während die Politik weiter Milliarden verspricht, haben Deutschlands Schulen längst ihre wichtigste Lektion gelernt:
Geld allein macht nicht glücklich. Vor allem dann nicht, wenn es nie ankommt.




