Das Weiße Haus hat wieder geöffnet – zur großen amerikanischen Personalentsorgung! Nach der verheerenden Wahlniederlage seiner Republikaner zieht Donald Trump Konsequenzen. Allerdings nicht aus seiner Politik. Das wäre schließlich eine gefährliche Form von Selbstkritik.
Stattdessen wird das Personal ausgetauscht. Denn wenn der Kapitän die Titanic gegen einen Eisberg steuert, muss selbstverständlich der Küchenchef entlassen werden.
Susie Wiles, bislang Stabschefin und politische Dompteurin des präsidialen Chaos, verlässt ihren Posten. Die Frau, die Trumps Regierungsalltag organisierte, dürfte damit eine der anspruchsvollsten Tätigkeiten der Welt hinter sich lassen: einem Tornado beizubringen, Termine einzuhalten.
Wiles galt als loyal, diskret und professionell. Eigenschaften, die im Weißen Haus ungefähr so verbreitet sind wie Selbstzweifel auf einer Trump-Wahlkampfveranstaltung.
Besonders bemerkenswert: Wiles hatte Trumps Persönlichkeit einst mit der eines Alkoholikers verglichen – eine Äußerung, deren Darstellung sie später kritisierte.
Ein Vergleich, der natürlich hinkt. Schließlich trinkt Trump keinen Alkohol. Er produziert seine politischen Rauschzustände vollständig körpereigen.
Ihr Nachfolger wird Stephen Miller, Architekt der harten amerikanischen Migrationspolitik und politischer Hardliner mit dem Charme eines Grenzzauns unter Starkstrom.
Das Weiße Haus ersetzt damit seine politische Feuerwehr durch jemanden, der beim Anblick eines Brandes erst einmal zusätzliches Benzin bestellt.
Für Trump ist Miller die ideale Besetzung. Wo Wiles gelegentlich versuchte, den Präsidenten einzufangen, dürfte Miller künftig fragen, ob man den gesamten politischen Wahnsinn nicht noch etwas beschleunigen könnte.
Die Republikaner haben unterdessen ihre Mehrheiten im Kongress verloren. Normalerweise würde eine Partei nach einer solchen Niederlage überlegen, welche politischen Entscheidungen die Wähler verärgert haben.
Nicht so bei Trump!
Dort gilt ein revolutionäres Demokratieverständnis: Wenn die Wähler eine Politik ablehnen, muss man sie offenbar nur noch entschlossener betreiben.
In Washington dürfte deshalb bereits das neue Regierungsprogramm vorbereitet werden: weniger Kompromisse, mehr Konfrontation und eine politische Kommunikation, bei der selbst ein Presslufthammer um etwas mehr Zurückhaltung bitten würde.
Susie Wiles soll dem Trump-Lager erhalten bleiben. Vermutlich in einer Funktion, bei der sie künftig aus sicherer Entfernung beobachten darf, wie ihre bisherige Arbeit täglich rückwärts durch den politischen Fleischwolf gedreht wird.
Das Weiße Haus präsentiert den Personalwechsel selbstverständlich als Neuanfang.
Und tatsächlich beginnt eine neue Ära.
Früher brauchte Trump jemanden, der ihn davon abhielt, die politische Hütte anzuzünden. Jetzt bekommt er jemanden, der vorher kontrolliert, ob auch wirklich alle Fenster geschlossen sind.
Die Republikaner wollten nach der Wahlniederlage einen Kurswechsel.
Trump liefert ihn.
Vom kontrollierten Chaos direkt zum Chaos mit Führerschein.




