Name: Giorgia Meloni
Geboren: 15. Januar 1977 in Rom
Beruf: Ministerpräsidentin Italiens, Vorsitzende der Fratelli d’Italia und europäische Meisterin im politischen Spagat
Dienstort: Palazzo Chigi, Rom
Spezialgebiete: Italien, Nation, Familie, EU-Gipfel und das gleichzeitige Schimpfen auf Brüssel bei hervorragenden Arbeitsbeziehungen zu Brüssel
Politischer Aggregatzustand: Espresso unter Hochdruck
Gefährlichster Satz: „Ich möchte das noch einmal grundsätzlich erklären.“
Frühe Jahre – Rom war noch nicht bereit
Giorgia Meloni wurde 1977 in Rom geboren.
Rom hatte damals bereits Kolosseum, Petersdom, Verkehrschaos und ungefähr 2.700 Jahre Erfahrung mit politischen Krisen.
Was fehlte, war eine Frau, die eines Tages vor ein Mikrofon treten und eine politische Botschaft mit der Energie einer italienischen Großfamilie vortragen würde, die gerade festgestellt hat, dass jemand Sahne in die Carbonara getan hat.
Meloni engagierte sich bereits als Jugendliche politisch und arbeitete sich über Jahre nach oben.
Während andere Teenager Poster von Popstars an die Wand hängten, beschäftigte sie sich mit Politik.
Vermutlich diskutierte sie bereits beim Abendessen darüber, ob der Familientisch ausreichend nationale Souveränität besitzt.
Karriere – vom Jugendverband in den Palazzo Chigi
Meloni machte Karriere in Italiens rechter Parteienlandschaft, wurde Abgeordnete, Ministerin und schließlich Vorsitzende der Fratelli d’Italia.
2022 wurde sie Ministerpräsidentin.
Damit übernahm sie einen der schwierigsten Arbeitsplätze Europas:
Italien regieren.
Ein Amt, bei dem die durchschnittliche politische Lebenserwartung traditionell ungefähr zwischen Mozzarella und geöffnetem Prosecco liegt.
Italienische Regierungen wechseln schließlich mit einer Geschwindigkeit, bei der selbst Formel-1-Mechaniker gelegentlich fragen:
„Schon wieder?“
Meloni blieb jedoch im Amt.
Allein das kann in Italien bereits als Verwaltungsreform gelten.
Meloni und die politische Lautstärke
Eine der größten politischen Stärken Giorgia Melonis ist ihre Rhetorik.
Meloni hält keine Rede.
Sie startet eine Rede.
Normale Politiker beginnen:
„Sehr geehrte Damen und Herren …“
Bei Meloni erwartet man eher, dass irgendwo hinter der Bühne ein Countdown läuft:
TRE! DUE! UNO! GIORGIA!
Dann folgen Nation, Identität, Familie, Europa, Verantwortung und ungefähr die Energie von drei Espressomaschinen auf Industriestufe.
Ihre Gestik erledigt dabei einen erheblichen Teil der politischen Kommunikation.
Wo deutsche Politiker ein zwölfseitiges Positionspapier benötigen, reichen in Italien möglicherweise eine hochgezogene Augenbraue, beide Hände und:
„Ma che cosa?!“
Das spart Papier.
Giorgia und Brüssel
Besonders faszinierend ist Melonis Verhältnis zur Europäischen Union.
Im politischen Heimatbetrieb eignet sich Brüssel hervorragend als universeller Schuldverteiler.
Zu viele Vorschriften?
Brüssel.
Migration?
Brüssel.
Landwirtschaft?
Brüssel.
Das Wetter beim Strandurlaub?
Noch nicht abschließend geklärt, aber Ursula sollte vorsichtshalber erreichbar bleiben.
Bei EU-Gipfeln zeigt sich Meloni zugleich ausgesprochen pragmatisch.
Denn Italien und die EU verbindet eine jener klassischen europäischen Beziehungen:
„Wir lassen uns von euch überhaupt nichts sagen!“
Kurze Pause.
„Wann kommt eigentlich die nächste Überweisung?“
Das ist kein Widerspruch.
Das ist europäische Integration.
Die Meloni-Methode
Giorgia Melonis politische Methode lässt sich auf wenige Schritte reduzieren:
Schritt 1: Nationale Interessen betonen.
Schritt 2: Brüssel kritisieren.
Schritt 3: Nach Brüssel fliegen.
Schritt 4: Mit allen reden.
Schritt 5: Kompromiss finden.
Schritt 6: Nach Rom zurückkehren.
Schritt 7: Nationale Interessen betonen.
Der politische Kreislauf ist damit geschlossen.
Er funktioniert vollständig CO₂-neutral, sofern man die Regierungsmaschine nicht mitrechnet.
Meloni und die Migration
Migration gehört zu den zentralen Themen ihrer Politik.
Im Wahlkampf klangen manche Lösungen noch so, als müsse Italien lediglich irgendwo einen sehr großen Schalter mit der Aufschrift „STOP“ finden.
Im Regierungsalltag stellte sich heraus:
Das Mittelmeer verfügt über keinen Ausschalter.
Auch im Palazzo Chigi wurde bislang keiner gefunden.
Damit begann jene wunderbare Phase, die jeden Populisten irgendwann ereilt:
Der Moment, in dem das Wahlplakat einen Termin mit der Realität bekommt.
Die Realität erscheint grundsätzlich ohne Anmeldung.
Und bringt Aktenordner mit.
Italienische Regierungsführung
Italien zu regieren bedeutet, täglich einen bemerkenswerten Interessenausgleich herzustellen.
Nord gegen Süd.
Rom gegen Regionen.
Unternehmer gegen Gewerkschaften.
EU-Regeln gegen italienische Kreativität.
Haushaltsdisziplin gegen den natürlichen Wunsch, Geld auszugeben.
Und selbstverständlich:
Ananas gegen Pizza.
Letzteres ist allerdings keine politische Streitfrage.
Dazu existiert in Italien vermutlich bereits ein überparteilicher Konsens:
Nein.
Meloni steht damit an der Spitze eines Landes, in dem politische Verhandlungen gelegentlich aussehen könnten wie ein Familienessen:
Alle reden gleichzeitig.
Jemand gestikuliert.
Zwei Personen sind beleidigt.
Eine dritte droht zu gehen.
Dann kommt Pasta.
Und plötzlich wird doch eine Koalition gebildet.
Meloni international
International präsentiert sich Meloni häufig pragmatischer, als es manche ihrer früheren politischen Auftritte erwarten ließen.
Das dürfte eine grundlegende Erkenntnis des Regierungsalltags sein:
Opposition bedeutet, dass man erklären kann, warum alles falsch läuft.
Regieren bedeutet, dass anschließend jemand fragt:
„Okay. Und was machen wir jetzt?“
Dieser Satz hat schon zahlreiche politische Revolutionen in Excel-Tabellen verwandelt.
Auch Giorgia Meloni musste feststellen, dass internationale Politik hauptsächlich aus Gipfeltreffen besteht.
Sehr vielen Gipfeltreffen.
Menschen sitzen um einen Tisch.
Man diskutiert sechs Stunden.
Anschließend tritt jeder vor seine nationale Presse und erklärt, er habe sich durchgesetzt.
So funktioniert Europa seit Jahrzehnten erstaunlich zuverlässig.
Typischer Arbeitstag
06:30 Uhr: Espresso.
06:32 Uhr: Italien gerettet.
07:00 Uhr: Nachrichten lesen.
07:15 Uhr: Brüssel entdeckt.
07:16 Uhr: Misstrauen.
08:00 Uhr: Kabinettssitzung.
09:30 Uhr: Nationale Souveränität verteidigen.
10:30 Uhr: Telefonat mit EU-Partnern.
11:00 Uhr: Sehr konstruktives Gespräch.
11:05 Uhr: Nationale Souveränität erneut verteidigen.
12:30 Uhr: Pasta.
12:31 Uhr: Sahne in Carbonara entdeckt.
12:32 Uhr: Nationaler Notstand.
14:00 Uhr: EU-Gipfel.
16:00 Uhr: Kompromiss ablehnen.
17:00 Uhr: Kompromiss neu formulieren.
17:30 Uhr: Kompromiss akzeptieren.
18:00 Uhr: Pressekonferenz.
18:01 Uhr: Italien hat gewonnen.
19:00 Uhr: Espresso.
Italien kann morgen weiterregiert werden.
Besondere Fähigkeiten
Giorgia Meloni besitzt die bemerkenswerte Fähigkeit, gleichzeitig europakritisch und europapolitisch ausgesprochen präsent zu sein.
Sie kann nationale Souveränität fordern und fünf Minuten später über europäische Zusammenarbeit sprechen, ohne dass dabei sichtbar ein Warnlämpchen aufleuchtet.
Außerdem beherrscht sie eine für italienische Spitzenpolitik unverzichtbare Fähigkeit:
Gestikulieren auf Regierungsebene.
Ein einziger Gesichtsausdruck Melonis kann ungefähr dieselbe Informationsmenge transportieren wie eine deutsche Bundespressekonferenz.
Nur schneller.
Verhältnis zu Italien
Meloni liebt Italien.
Italien wiederum besitzt ein kompliziertes Verhältnis zu seinen Regierungen.
Die Beziehung lässt sich ungefähr so zusammenfassen:
Italien: „Wir brauchen endlich Stabilität!“
Regierung: „Hier bin ich.“
Italien: „Nicht übertreiben.“
Melonis bislang vergleichsweise lange Regierungszeit besitzt deshalb bereits etwas Revolutionäres.
Vielleicht besteht ihre größte politische Leistung irgendwann schlicht darin, dass Italiener morgens aufwachen und noch wissen, wer Ministerpräsident ist.
Lebensmotto
„Italia zuerst – aber bitte den Termin in Brüssel nicht vergessen.“
Kurzprofil
Giorgia Meloni ist Ministerpräsidentin, Parteichefin und politische Hochdruck-Espressomaschine mit eingebautem EU-Kompass.
Sie kam mit einer stark nationalkonservativen Agenda ins Amt und stellte anschließend fest, dass Regierungsverantwortung eine faszinierende Nebenwirkung besitzt:
Sie enthält Realität.
Heute bewegt sie sich zwischen Rom und Brüssel, nationaler Rhetorik und europäischem Pragmatismus, Wahlversprechen und Haushaltszahlen.
Oder anders gesagt:
Giorgia Meloni fährt politisch einen italienischen Sportwagen.
Der Motor brüllt.
Die Hände gestikulieren.
Auf der Heckscheibe steht ITALIA.
Und im Navigationssystem läuft trotzdem:
„Nächste Ausfahrt: Bruxelles.“




