Es gibt Länder, die investieren in Bildung.
Es gibt Länder, die investieren in Straßen.
Es gibt Länder, die investieren in Forschung.
Und dann gibt es Nordkorea.
Dort hat man offenbar beschlossen, dass die Zukunft vor allem eines braucht: mehr Aufrüstung. Und zwar schneller.
Kim Jong Un kündigte an, die militärischen Fähigkeiten seines Landes künftig noch rascher auszubauen. Beobachter zeigten sich wenig überrascht. Schließlich gehört die Ankündigung neuer Rüstungsprogramme in Nordkorea inzwischen ungefähr so fest zum Jahreskalender wie Weihnachten, Silvester oder die nächste Steuererklärung.
Nach Angaben staatlicher Medien sieht Kim Jong Un die Ursache für diese Entwicklung selbstverständlich nicht in Nordkorea selbst. Verantwortlich seien vielmehr die USA und Südkorea, die die Region angeblich an den Rand eines Atomkriegs bringen würden.
Ein klassischer Fall geopolitischer Logik.
Wenn der Nachbar einen Gartenzwerg kauft, braucht man sofort drei Panzer.
Wenn der Nachbar einen neuen Grill aufstellt, benötigt man mindestens ein Raketenprogramm.
Und wenn der Nachbar über ein Atom-U-Boot nachdenkt, muss man natürlich die komplette nationale Verteidigungsstrategie auf Höchstgeschwindigkeit stellen.
Experten sprechen bereits von der sogenannten „Nordkoreanischen Sicherheitsformel“.
Diese lautet:
„Alles, was andere tun, zwingt uns leider dazu, noch mehr Dinge zu tun.“
Das Prinzip funktioniert erstaunlich zuverlässig.
Würde Südkorea morgen ein neues Fahrrad anschaffen, könnte Pjöngjang vermutlich bereits am Nachmittag ein strategisches Überschall-Kampfrad mit atomarer Abschreckungsfunktion präsentieren.
Besonders bemerkenswert ist dabei die Geschwindigkeit, mit der Nordkorea inzwischen reagieren möchte.
In Regierungskreisen soll laut unbestätigten Berichten sogar ein neuer nationaler Wettbewerb gestartet worden sein:
„Wer findet den nächsten Grund für mehr Aufrüstung?“
Die Favoritenliste umfasst derzeit:
- Wetteränderungen
- Internationale Fußballturniere
- Die Einführung neuer Smartphones
- Die Existenz anderer Staaten
- Und vorsorglich die Zukunft im Allgemeinen
Insider berichten, dass das Verteidigungsministerium bereits an einer Frühwarnanlage arbeitet, die automatisch Alarm schlägt, sobald irgendwo auf der Welt jemand das Wort „Sicherheit“ ausspricht.
Die Anlage soll anschließend sofort fünf neue Militärprojekte genehmigen.
Besonders interessant ist die Argumentation rund um das geplante südkoreanische Atom-U-Boot.
In vielen Ländern würde man sagen:
„Der Nachbar baut ein U-Boot.“
In Nordkorea lautet dieselbe Meldung offenbar:
„Der Nachbar baut ein U-Boot, deshalb müssen wir vermutlich die gesamte Galaxie abschrecken.“
Militäranalysten rätseln inzwischen, wie weit dieses Prinzip noch ausgebaut werden kann.
Einige halten folgende Szenarien für möglich:
- Südkorea eröffnet ein neues Marine-Museum.
- Nordkorea kündigt den Bau einer strategischen Unterwasser-Raumstation an.
Oder:
- Die USA modernisieren eine Radaranlage.
- Nordkorea präsentiert ein Raketenabwehrsystem für Asteroiden.
Oder:
- Ein Nachbarstaat bestellt neue Bürostühle.
- Pjöngjang entwickelt einen interkontinentalen Kommandosessel.
Der Fantasie sind hier offensichtlich keine Grenzen gesetzt.
Dabei scheint Kim Jong Un besonders großen Wert auf das Wort „Abschreckung“ zu legen.
Abschreckung ist in der internationalen Politik ein durchaus bekanntes Konzept.
Nordkorea hat daraus allerdings eine Art Lifestyle gemacht.
Andere Staaten besitzen Abschreckung.
Nordkorea sammelt Abschreckung.
Man hat gelegentlich den Eindruck, als gäbe es dort ein Bonusprogramm.
Für jede neue Rakete gibt es Punkte.
Ab 100.000 Punkten erhält man einen exklusiven Abschreckungsstatus in Gold.
Ab einer Million Punkten möglicherweise sogar Platin.
Einige Beobachter vermuten, dass Nordkorea inzwischen versucht, den Weltrekord in der Kategorie „größtmögliche Abschreckung pro Quadratkilometer“ aufzustellen.
Bislang existiert diese Kategorie zwar nicht offiziell.
Doch das hat Nordkorea noch nie davon abgehalten, an Wettbewerben teilzunehmen.
International sorgte die Ankündigung erwartungsgemäß für Besorgnis.
Diplomaten trafen sich zu Gesprächen.
Experten analysierten die Lage.
Thinktanks veröffentlichten Berichte.
Und irgendwo auf der Welt begann vermutlich bereits ein Praktikant mit der Aktualisierung einer PowerPoint-Präsentation namens:
„Nordkorea 2026 – Warum wieder alles komplizierter geworden ist.“
Gleichzeitig fragen sich viele Menschen, ob es theoretisch eine Obergrenze für Aufrüstung geben könnte.
Die Antwort aus Pjöngjang scheint eindeutig zu sein:
„Warum sollte es?“
Während andere Länder darüber diskutieren, wie sie ihre Verwaltungen digitalisieren, ihre Bahn modernisieren oder ihre Bürokratie reduzieren können, hat Nordkorea einen deutlich einfacheren Entwicklungsplan gefunden.
Schritt 1: Mehr Abschreckung.
Schritt 2: Noch mehr Abschreckung.
Schritt 3: Prüfen, ob ausreichend abgeschreckt wurde.
Schritt 4: Sicherheitshalber weitere Abschreckung.
Man muss der Strategie zugutehalten:
Sie ist zumindest leicht zu merken.
Ob die Welt dadurch sicherer wird, bleibt allerdings umstritten.
Sicher ist lediglich, dass Kim Jong Un erneut bewiesen hat, dass man für politische Aufmerksamkeit keine komplizierten Konzepte benötigt.
Man braucht lediglich eine Pressemitteilung, das Wort „Aufrüstung“ und die Bereitschaft, den militärischen Lautstärkeregler konsequent auf Maximum zu drehen.
Die Welt schaut zu.
Die Experten analysieren.
Die Diplomaten beraten.
Und irgendwo in Pjöngjang sucht vermutlich bereits jemand nach einem noch größeren Turbo-Knopf.
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