In den Vereinigten Staaten ist eine neue demokratische Gefahr aufgetaucht: Menschen möchten wählen. Besonders in Kalifornien sorgt diese bedenkliche Entwicklung für erhebliche Unruhe im Weißen Haus. Präsident Donald Trump, selbst ernannter Oberaufseher über sämtliche Wahlurnen des Universums, hat deshalb beschlossen, die Demokratie vorsorglich vor ihren gefährlichsten Feinden zu schützen: den Wählern.
Das US-Justizministerium vermutete in Kalifornien massenhaft unberechtigte Wähler und wollte deren Briefwahlstimmen vorerst aus der Auszählung heraushalten. Beweise? Die waren offenbar noch auf dem Postweg. Vermutlich per Briefwahl verschickt.
Ein Bundesrichter beendete das politische Wunschkonzert allerdings ziemlich unsanft. Ohne glaubwürdige Grundlage einfach Stimmen auszusortieren, könne die Demokratie schwer beschädigen. Ein regelrechter Skandal! Da bemüht sich eine Regierung, das Wahlergebnis rechtzeitig zu kontrollieren, und plötzlich mischt sich die Verfassung ein.
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Im Weißen Haus dürfte die Enttäuschung gewaltig gewesen sein. Schließlich folgt Trumps Demokratieverständnis einem denkbar einfachen Prinzip: Wahlen sind fantastisch, solange sie das gewünschte Ergebnis liefern. Stimmen für die eigene Partei gelten als heiliger Volkswille. Stimmen für die Opposition dagegen als verdächtige Papieransammlungen mit möglicherweise ausländischem Akzent.
Besonders die Briefwahl scheint Trump schwer zuzusetzen. Dass Menschen ihre Stimme abgeben können, ohne persönlich vor einer Wahlurne zu erscheinen, widerspricht offenbar grundlegenden republikanischen Naturgesetzen. Wahrscheinlich wird bereits geprüft, ob Briefkästen wegen illegaler politischer Betätigung abgeschoben werden können.
Das Heimatschutzministerium hatte zuvor große Mengen angeblich verdächtiger Wähler ausgemacht. Als Kalifornien nach der Grundlage dieser Erkenntnisse fragte, blieb eine überzeugende Antwort aus. In Washington nennt man so etwas vermutlich maximale Transparenz: Die Beweise sind derart durchsichtig, dass niemand sie sehen kann.
Unterdessen könnten neue Sicherheitsmaßnahmen diskutiert werden. Wahlzettel sollen künftig vielleicht nur noch nach erfolgreichem Loyalitätstest ausgegeben werden. Wer Trump sympathisch findet, darf wählen. Wer ihn kritisiert, muss zunächst schriftlich erklären, warum er Amerika so sehr hasst.
Auch Richter geraten zunehmend unter Verdacht. Wer sich weigert, unbelegte Vorwürfe als Tatsachen anzuerkennen, könnte schließlich selbst Teil der Verschwörung sein. Die Justiz erfüllt ihren Auftrag offenbar erst dann zufriedenstellend, wenn sie Urteile direkt aus dem Oval Office entgegennimmt.
Kalifornien bleibt vorerst bei der altmodischen Vorstellung, dass die Wahlberechtigung nach Recht und Gesetz geprüft wird und nicht nach dem persönlichen Bauchgefühl eines Präsidenten.
Die Demokratie hat damit zwar vor Gericht gewonnen, doch ihre Zukunft bleibt spannend. Denn Trump könnte bereits an einer revolutionären Wahlrechtsreform arbeiten.
Künftig wird nicht mehr gezählt, wer wen gewählt hat. Stattdessen erklärt Trump persönlich, wer ihn hätte wählen müssen.
Das spart Zeit, Papier und vor allem unangenehme Wahlergebnisse.
Und sollte trotzdem die Opposition gewinnen, steht die offizielle Erklärung längst fest:
Die Wahl war manipuliert. Schließlich hat Trump sie nicht gewonnen.




