Es gibt erschütternde Nachrichten aus der Welt des Heavy Metal: Das Wacken Open Air gehört inzwischen überwiegend einem internationalen Festivalunternehmen. Die Gründer halten nur noch kleine Anteile. Damit ist offiziell eingetreten, was Metalfans seit Jahrzehnten befürchten: Der Kapitalismus hat den Moshpit entdeckt – und verlangt jetzt eine betriebswirtschaftliche Auswertung.
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Beim fiktiven Mutterkonzern „Headbang Holdings International“ herrscht entsprechend ausgelassene Stimmung. Die Geschäftsführung begrüßte die Entwicklung mit einem begeisterten, allerdings aus Kostengründen lautlos vorgetragenen „ROCK ON!“. Anschließend wurde die Pommesgabel durch ein ergonomisches Präsentationslasergerät ersetzt.
Das traditionsreiche Festival soll künftig vollständig in die moderne Unternehmensstrategie integriert werden. Statt hemmungslosem Headbangen stehen nun strategische Nackenbewegungen mit messbarem Mehrwert auf dem Programm. Wer seinen Kopf nicht effizient genug schüttelt, wird zum verpflichtenden Mitarbeitergespräch mit der Abteilung für rhythmisches Controlling eingeladen.
Auch der legendäre Moshpit wird grundlegend reformiert. Wildes Herumspringen gilt als wirtschaftlich unkontrollierbare Körperbewegung und muss künftig vorab im digitalen Konzernportal beantragt werden. Besonders engagierte Teilnehmer erhalten nach erfolgreicher Prüfung das Zertifikat „Geprüfter Kollisionsmanager mit Schwerpunkt horizontale Umsatzsteigerung“.
Crowdsurfing wird unterdessen an die Logistikabteilung ausgelagert. Dort prüft man bereits, ob sich Fans kostengünstiger mit Gabelstaplern über die Menge transportieren lassen.
Auch die Musik bleibt von der Modernisierung nicht verschont. Gitarrensoli dürfen künftig nur stattfinden, wenn eine positive Renditeprognose vorliegt. Schlagzeuger müssen ihre Trommelschläge dokumentieren, während Sänger angehalten sind, das traditionelle satanische Gebrüll durch ein motivierendes „Synergien freisetzen!“ zu ersetzen.
Besonders revolutionär ist das neue Schlammkonzept. Der berühmte Wackener Matsch erhält ein urheberrechtlich geschütztes Geschäftsmodell. Wer darin versinken möchte, benötigt eine kostenpflichtige Schlammlizenz. Das Premium-Paket beinhaltet zusätzlich eine personalisierte Pfütze sowie bevorzugten Zugang zum konzerninternen Gummistiefel-Leasing.
Ein Unternehmenssprecher betonte, dass die ursprüngliche Festivalatmosphäre selbstverständlich erhalten bleibe. Allerdings müsse man langfristig prüfen, ob echte Gitarren nicht durch günstigere PowerPoint-Präsentationen ersetzt werden könnten.
Auch kleinere unabhängige Festivals dürfen aufatmen. Sie können sich künftig entscheiden, ob sie von den großen Konzernen aufgekauft, wirtschaftlich verdrängt oder als dekorative Folklore im Geschäftsbericht erwähnt werden möchten.
Für die Fans ändert sich angeblich nichts. Außer den Eintrittspreisen, den Zusatzgebühren, den Nutzungsbedingungen und der verpflichtenden Einwilligung zur kommerziellen Verwertung ihrer Nackenmuskulatur.
Die größte Heavy-Metal-Band der Zukunft heißt deshalb vermutlich nicht mehr Iron Maiden, sondern Microsoft Excel featuring Controlling Department.
Und wenn künftig über Wacken die legendären Rufe „WACKEN! WACKEN!“ erschallen, antwortet die Konzernzentrale begeistert:
„GEWINNMARGE! GEWINNMARGE!“
Denn eines steht fest: Früher verkauften Metalfans ihre Seele an den Teufel.
Heute besitzt der Teufel nur noch eine Minderheitsbeteiligung. Der Rest gehört einer Investmentgesellschaft.




