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POLITIK

Baby an die Börse! – Donald Trumps Windel-Wall-Street-Offensive

admin · 08.07.2026 · 5 Min. Lesezeit
Grafik: Babys, Börse und Donald Trumps großer Plan
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Amerika ist bekannt für große Träume. Doch Donald Trump hat beschlossen, dass Träumen allein nicht mehr genügt. Wer künftig in den Vereinigten Staaten geboren wird, soll möglichst noch vor dem ersten Milchfläschchen den Kapitalismus persönlich kennenlernen. Andere Babys bekommen eine Rassel. Amerikanische Babys erhalten gleich ein Depot.

Die Geburtsstationen sollen deshalb bald ein wenig umgebaut werden.

Hebamme: "Herzlichen Glückwunsch, es ist ein Junge!"

Vater: "Wie schwer?"

Hebamme: "3.600 Gramm."

Mutter: "Und gesund?"

Hebamme: "Bestens. Außerdem besitzt er bereits ein breit diversifiziertes Portfolio."

Die Großeltern brechen in Tränen aus.

Nicht vor Rührung.

Vor Freude über den Zinseszinseffekt.

Donald Trump verkündet mit der Überzeugung eines Mannes, der selbst dem Wetter erklären würde, wie Sonnenschein funktioniert, dass aus diesem Startkapital irgendwann ein kleines Vermögen werde. Hunderttausende Dollar schweben bereits majestätisch durch seine Reden, als würden sie nur darauf warten, endlich auf den Konten amerikanischer Kleinkinder zu landen.

Die Börse ist in dieser Vision kein Finanzmarkt mehr.

Sie ist eine Art Märchenwald.

Aus jedem ETF wächst irgendwann ein Geldbaum.

Wer lange genug wartet, pflückt statt Äpfeln einfach Dividenden.

Selbst das Sparschwein kündigt freiwillig seinen Job.

Während Trump bereits die finanzielle Zukunft der nächsten Generation feiert, spielt sich in amerikanischen Küchen eine deutlich weniger glamouröse Börsenanalyse ab.

"Schatz, sollen wir heute tanken oder einkaufen?"

"Geht beides?"

"Nur wenn das Auto anfängt, Brot zu backen."

Die Inflation hat inzwischen einen Charakter entwickelt, der an einen besonders aufdringlichen Partygast erinnert.

Niemand hat sie eingeladen.

Niemand möchte sie dabeihaben.

Und trotzdem sitzt sie plötzlich auf jedem Kassenbon.

Vor allem an der Tankstelle wirkt sie wie ein Künstler mit übergroßem Pinsel.

Jede Zapfsäule malt eine neue Überraschung auf das Display.

Der Autofahrer schaut auf den Preis.

Die Zapfsäule schaut zurück.

Beide wissen, dass jetzt niemand mehr glücklich wird.

Doch Donald Trump wäre nicht Donald Trump, wenn er nicht auch dafür eine spektakuläre Lösung hätte.

Hackfleisch.

Genauer gesagt: günstigeres Hackfleisch.

Man stelle sich das Oval Office vor.

Berater betreten hektisch den Raum.

"Herr Präsident, die Inflation!"

Trump hebt die Hand.

"Ruft Walmart an."

"Wegen der Wirtschaft?"

"Nein."

"Wegen der Notenbank?"

"Nein."

"Wegen Hackfleisch."

Kurze Zeit später sinkt tatsächlich der Preis einer bestimmten Sorte Rinderhack.

Nicht um Welten.

Aber immerhin genug, damit der Präsident daraus beinahe den wirtschaftspolitischen Gegenentwurf zur Schwerkraft macht.

Pressekonferenz.

"Meine Damen und Herren, ich präsentiere den größten Sieg über Rinderhack seit der Erfindung des Burgers."

Die Kühe beobachten die Entwicklung mit gemischten Gefühlen.

Die Grillfreunde applaudieren.

Die Wirtschaftswissenschaft versucht unterdessen herauszufinden, in welchem Lehrbuch dieses Kapitel eigentlich vorkommt.

Währenddessen wächst der politische Optimismus in erstaunliche Höhen.

Die Rechnung ist einfach.

Heute gibt es steigende Preise.

Morgen gibt es steigende Aktien.

Übermorgen sind alle reich.

Sollte irgendwo zwischen heute und übermorgen etwas schieflaufen, wird einfach noch eine Erfolgsmeldung veröffentlicht.

Die Börse entwickelt sich in dieser Erzählung fast zu einer liebevollen Großmutter.

Sie nimmt jeden kleinen Dollar in die Arme und flüstert:

"Mach dir keine Sorgen. Ich kümmere mich um dich."

Natürlich funktioniert das nur, solange die Märkte ebenfalls gute Laune haben.

Die Börse besitzt allerdings den bekannten Charakterzug, montags Optimismus und dienstags Existenzkrisen zu entwickeln.

Manchmal sogar stündlich.

Das scheint die Begeisterung jedoch nicht zu bremsen.

Vielleicht wird es künftig sogar neue Kindergeburtstage geben.

Die Gäste bringen keine Bauklötze mehr mit.

Sie schenken ETF-Anteile.

Der Clown verteilt Börsencharts.

Beim Topfschlagen sucht niemand Süßigkeiten.

Alle suchen den günstigsten Einstiegskurs.

Der Zauberer zieht keinen Hasen aus dem Hut.

Er zaubert steuerfreie Renditen hervor.

Selbst der Nikolaus erscheint plötzlich mit Aktentasche.

"Warst du brav?"

"Ja."

"Dann bekommst du dieses Jahr einen thesaurierenden Indexfonds."

Die Kinder nicken höflich und fragen, ob der Weihnachtsmann zufällig auch den Leitzins beeinflussen könne.

Parallel dazu kämpfen Millionen Familien weiterhin mit einem Problem, das sich leider nicht durch langfristige Kursgewinne lösen lässt.

Der Kühlschrank verlangt nämlich grundsätzlich sofortige Bezahlung.

Er akzeptiert keine Prognosen bis zum Jahr 2044.

An der Supermarktkasse entfaltet sich deshalb täglich dieselbe kleine Tragikomödie.

"Das macht 186 Dollar."

"Ich habe aber nur 150."

"Dafür könnte Ihr Baby in achtzehn Jahren Millionär sein."

"Kann mein Baby bis dahin vielleicht das Abendessen bezahlen?"

Die Kassiererin lächelt professionell.

"Leider erst nach Erreichen der Volljährigkeit."

Auch die Opposition verfolgt das Schauspiel aufmerksam.

Die einen sprechen über Lebenshaltungskosten.

Die anderen über Vermögensbildung.

Dazwischen steht der durchschnittliche Amerikaner mit Einkaufszettel, Tankquittung und Taschenrechner.

Der Taschenrechner hat inzwischen Burn-out beantragt.

Besonders begeistert sind Finanzberater.

Endlich können sie Vorträge für Säuglinge halten.

"Willkommen zum Seminar 'ETF-Auswahl für Fortgeschrittene zwischen dem dritten und sechsten Lebensmonat'."

Im Anschluss gibt es einen Schnuller mit Börsenlogo.

Wer besonders laut schreit, erhält ein kostenloses Depot-Update.

Selbst Michael Dell und Susan Dell unterstützen die Idee mit gewaltigen Summen.

Eine großzügige Geste, bei der selbst die Nullen auf dem Konto vermutlich regelmäßig nachgezählt werden müssen.

Die Finanzwelt jubelt.

Die Windelindustrie prüft bereits Sondermodelle mit integrierter Aktientasche.

Und irgendwo sitzt Donald Trump vor einer Weltkarte und malt sich bereits die nächste Schlagzeile aus.

"Die besten Babys der Welt."

"Die reichsten Babys der Welt."

"Die schönsten Depots der Welt."

Niemand weiß, ob die Babys jemals gefragt wurden.

Aber vermutlich würden sie antworten:

"Wir hätten eigentlich lieber noch ein Fläschchen."

Amerika bleibt damit das einzige Land, in dem ein Neugeborenes möglicherweise noch vor seinem ersten Zahn mehr über den Aktienindex weiß als über den Inhalt seines Breiglases.

Und falls das Depot tatsächlich eines Tages prall gefüllt ist, werden diese Kinder ihren Eltern vielleicht voller Stolz erzählen:

"Damals habt ihr mir Windeln gekauft."

Die Eltern nicken.

"Ja."

"Dafür danke ich euch."

"Und wer hat dein Depot eröffnet?"

"Donald Trump."

Kurze Stille.

Dann fragt der Vater vorsichtig:

"Kann er vielleicht auch noch unsere Stromrechnung übernehmen?"

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