Hier ist eine deutlich längere, bissigere und absurder zugespitzte Parodie im Stil einer politischen Wirtschaftsgroteske:
König Midas von Wall Street – Wie aus Zufällen plötzlich Goldbarren wurden
Es gibt Menschen, die kaufen Aktien.
Es gibt Menschen, die verlieren mit Aktien Geld.
Und es gibt Menschen, bei denen Aktien scheinbar Angst haben zu fallen.
Die dritte Kategorie ist selten.
Extrem selten.
Etwa so selten wie ein ehrlicher Gebrauchtwagenhändler, ein stressfreier Flughafen oder ein WLAN-Hotspot in einem deutschen Regionalzug.
In den Vereinigten Staaten sorgt derzeit ein bemerkenswertes Phänomen für Gesprächsstoff.
Es geht um Geld.
Sehr viel Geld.
So viel Geld, dass selbst Milliardäre kurz die Stirn runzeln und fragen:
„Ist das noch Vermögensverwaltung oder bereits olympisches Hochleistungssparen?“
Im Zentrum der Geschichte steht ein Mann, dessen Lebenslauf ohnehin schon länger ist als die Bedienungsanleitung eines Atomkraftwerks.
Unternehmer.
Fernsehstar.
Präsident.
Golfplatzbesitzer.
Merchandising-Legende.
Und offenbar nebenbei auch noch Großmeister der wundersamen Kapitalvermehrung.
Während gewöhnliche Anleger verzweifelt versuchen herauszufinden, warum ihre Aktien ausgerechnet immer dann abstürzen, wenn sie gekauft wurden, scheint hier ein anderes Naturgesetz zu gelten.
Eine Art finanzieller Gravitation.
Nur umgekehrt.
Was angefasst wird, bekommt plötzlich Rückenwind.
Ökonomen sprechen inzwischen von einem faszinierenden Phänomen.
Sie nennen es den „Patriotischen Kursaufschwung-Effekt“.
Der Begriff ist noch nicht offiziell anerkannt.
Aber mehrere Börsenanalysten haben bereits beantragt, ihn in Lehrbücher aufzunehmen.
Die Geschichte begann, als findige Beobachter bemerkten, dass bestimmte Aktienpakete ihren Weg in ein Portfolio fanden.
Zunächst geschah nichts.
Dann geschah etwas.
Und plötzlich geschah etwas sehr Großes.
So groß, dass mehrere Buchhalter beim Lesen der Zahlen kurz überprüfen mussten, ob sie versehentlich in den Staatshaushalt eines mittelgroßen Landes geraten waren.
Es handelte sich um eine Summe, die ausreichend wäre, um eine Kleinstadt komplett mit Goldtapeten auszustatten.
Oder jedem Einwohner von Wyoming drei Laptops und einen privaten IT-Berater zu spendieren.
Oder zehn Jahre lang sämtliche Kaffeemaschinen im Regierungsviertel unter Vollast zu betreiben.
Die Finanzwelt reagierte wie erwartet.
Mit völliger Selbstbeherrschung.
Also gar nicht.
Fernsehsender unterbrachen ihre Programme.
Experten zeichneten Pfeile.
Dann zeichneten sie weitere Pfeile.
Anschließend zeichneten sie Diagramme, die aussahen, als hätte eine Spinne einen Nervenzusammenbruch auf Millimeterpapier erlitten.
Die Kernfrage lautete:
Wie schafft man es immer wieder, in der Nähe von Geldbergen aufzutauchen, kurz bevor diese wachsen?
Einige vermuteten Intuition.
Andere vermuteten Erfahrung.
Wieder andere vermuteten dunkle Magie.
Ein besonders ambitionierter Verschwörungstheoretiker behauptete sogar, irgendwo unter einem Golfplatz befinde sich ein geheimer Tunnel in die Zukunft.
Dort würden Wirtschaftszeitungen von nächster Woche gelagert.
Diese Theorie wurde später verworfen.
Nicht weil sie unrealistisch klang.
Sondern weil sie für amerikanische Verhältnisse überraschend bescheiden wirkte.
Mit jeder neuen Enthüllung entstand ein größerer Mythos.
Börsenhändler begannen, jede Bewegung zu analysieren.
Finanzberater studierten Dokumente mit der Hingabe mittelalterlicher Mönche.
Investmentbanken gründeten vermutlich eigene Arbeitsgruppen.
Eine davon trug angeblich den Namen:
„Projekt Goldnase“.
Ihre Aufgabe bestand darin herauszufinden, ob man finanziellen Instinkt künstlich nachbilden könne.
Die Ergebnisse waren ernüchternd.
Nach monatelanger Forschung lautete das Fazit:
„Nein.“
Ein Professor erklärte:
„Normale Anleger investieren aufgrund von Marktanalysen. Manche aufgrund von Bauchgefühl. Einige aufgrund von Empfehlungen. Dieses Niveau hier gehört in eine eigene wissenschaftliche Kategorie.“
Mittlerweile gibt es erste Forderungen, die Fähigkeiten offiziell anzuerkennen.
So schlagen mehrere Wirtschaftslobbyisten vor, einen neuen Nobelpreis einzuführen.
Den Nobelpreis für strategisches Herumstehen in der Nähe zukünftiger Geldströme.
Die Konkurrenz wäre allerdings hart.
In Washington beherrschen viele Politiker diese Disziplin bereits seit Jahrzehnten.
Besonders beeindruckend ist die schiere Menge der Finanzbewegungen.
Normale Menschen besitzen ein Sparkonto.
Manche besitzen zwei.
Ambitionierte Anleger besitzen vielleicht ein Depot.
Hier dagegen wirkt die Aktivität ungefähr so, als hätte jemand Wall Street auf Autopilot gestellt und den Turbo-Knopf mit Sekundenkleber fixiert.
Kaufen.
Verkaufen.
Umschichten.
Neu bewerten.
Optimieren.
Neu strukturieren.
Noch einmal optimieren.
Und anschließend die Optimierung der Optimierung optimieren.
Ein Rentner aus Kansas kommentierte:
„Ich habe mein Depot zuletzt 2017 geöffnet. Seitdem beobachte ich es wie einen Zimmerfarn. Offenbar gibt es noch andere Methoden.“
Währenddessen beobachten Ethikexperten die Entwicklung mit leicht erhöhtem Blutdruck.
Sie beschäftigen sich mit Fragen, die normalerweise niemand stellen muss.
Zum Beispiel:
Wie viele Aktiengeschäfte darf ein Staatsoberhaupt besitzen, bevor die Finanzabteilung des Weißen Hauses einen eigenen Börsenticker benötigt?
Ab wann wird ein Wertpapierdepot groß genug, um einen Sitz im Kabinett zu beantragen?
Und wann beginnt ein Anlageportfolio offiziell als Nebenerwerbsregierung zu gelten?
Bislang gibt es darauf keine Antworten.
Dafür gibt es jede Menge Diskussionen.
Und Diskussionen sind bekanntlich der nachwachsende Rohstoff Washingtons.
Während die Debatten weitergehen, bleibt die Legende bestehen.
Die Legende vom Mann, der scheinbar immer dort auftaucht, wo später Geld verdient wird.
Vielleicht handelt es sich um außergewöhnliches Talent.
Vielleicht um jahrzehntelange Erfahrung.
Vielleicht um eine Mischung aus beidem.
Oder vielleicht hat das Universum beschlossen, einem einzigen Menschen dauerhaft den Glücksmodus freizuschalten.
Fest steht nur:
Sollte jemals eine Aktie entwickelt werden, die auf Zufällen basiert, dürfte ihr Kurs explosionsartig steigen.
Zumindest solange König Midas von Wall Street in ihrer Nähe gesehen wird.
Und irgendwo sitzen Millionen Kleinanleger vor ihren Depots und fragen sich:
„Könnte jemand bitte wenigstens einen kleinen Teil dieses Glücks per E-Mail verschicken?“
