Nachrichten, die zum Nachdenken anregen*
*Oder zum Lachen. Oder beides.
Satiressum Harlekin
POLITIK

Berlin hat gewählt – jetzt erklären die Ehemaligen das Ergebnis

admin · 07.10.2026 · 3 Min. Lesezeit
Grafik: Berlin hat gewählt – der Brief weiß es besser
dixxu - Banner 003Partnerlink

Berlin hat gewählt.

Und wie immer beginnt danach sofort die schwierigste Phase der Demokratie:

herauszufinden, ob das Wahlergebnis politisch zulässig war.

Die Linke ist stärkste Kraft geworden. Rechnerisch wäre ein Bündnis mit Grünen und SPD möglich. Praktisch aber hat sich nun eine beeindruckende Auswahl ehemaliger Spitzenpolitiker gemeldet.

Wolfgang Thierse.

Joschka Fischer.

Peter Altmaier.

Mit anderen Worten:

Die politische Vergangenheit hat einen offenen Brief gefunden.

Das ist in Deutschland die höchste Alarmstufe unterhalb einer Talkshow-Sondersendung.

Ein offener Brief ist nämlich kein normaler Brief.

Ein normaler Brief wird verschickt.

Ein offener Brief wird veröffentlicht, damit auch Menschen, die ihn gar nicht bekommen sollten, wissen, dass sie gemeint sind.

Er ist das politische Äquivalent dazu, im Treppenhaus einen Zettel aufzuhängen:

„An die betreffende Person: So geht das hier nicht weiter.“

Nur dass statt „Bitte Biomüll trennen“ diesmal sinngemäß drinsteht:

„Bitte Koalition trennen.“

Der „Berliner Appell für Verantwortung“ warnt vor Rot-Rot-Grün.

Damit hat die Hauptstadt jetzt nicht nur ein Wahlergebnis, sondern auch eine schriftliche Bedienungsanleitung dazu.

Demokratie funktioniert künftig vielleicht so:

Erstens wählen.

Zweitens auszählen.

Drittens Ergebnis veröffentlichen.

Viertens warten, bis ehemalige Amtsträger schriftlich mitteilen, welche Kombination davon ernst gemeint war.

Besonders schön ist die Form des offenen Briefes.

Denn er ist maximal öffentlich und gleichzeitig maximal indirekt.

Niemand muss irgendwo klingeln.

Niemand muss anrufen.

Man veröffentlicht einfach einen Text und hofft, dass sich die Richtigen ertappt fühlen.

Das ist politische Kommunikation im Stil einer passiv-aggressiven Familiengruppe:

„Ich nenne keine Namen, aber manche sollten mal über Verantwortung nachdenken.“

Dass ausgerechnet frühere Politiker verschiedener Parteien gemeinsam warnen, macht die Sache noch eindrucksvoller.

SPD, Grüne und CDU entdecken in solchen Momenten plötzlich eine Nähe, die sie im Wahlkampf offenbar aus organisatorischen Gründen vergessen hatten.

Vielleicht braucht es künftig nur noch ausreichend bedrohlich wirkende Koalitionsoptionen, damit sämtliche Altpolitiker Deutschlands spontan zu einer Werte-WG zusammenziehen.

Dann säßen sie jeden Morgen am Frühstückstisch.

Thierse liest Zeitung.

Fischer schimpft.

Altmaier nickt bedächtig.

Und irgendwann sagt jemand:

„Wir sollten dazu einen offenen Brief schreiben.“

Worauf alle erleichtert aufatmen.

Endlich wieder Regierungserfahrung.

Der offene Brief selbst könnte künftig auch parlamentarisch aufgewertet werden.

Vielleicht als zusätzliches Verfassungsorgan.

Bundestag.

Bundesrat.

Bundespräsident.

Bundesbrief.

Mit eigener Pressestelle, Mahnstufe und PDF-Download.

Wenn ein Wahlergebnis zu kompliziert wird, tritt der Bundesbrief zusammen und formuliert:

„Wir respektieren den Wählerwillen ausdrücklich, halten aber andere Schlussfolgerungen für verantwortungsvoller.“

Das ist sprachlich sehr praktisch.

Man respektiert das Ergebnis so intensiv, dass man anschließend etwas anderes empfiehlt.

Wie im Restaurant:

„Ihre Bestellung wird selbstverständlich respektiert. Deshalb haben wir Ihnen etwas anderes gebracht.“

Berlin wiederum könnte diesen Vorgang institutionalisieren.

Nach jeder Wahl hängt vor dem Roten Rathaus ein riesiger Briefkasten.

Darüber kein Schild.

Nur ein erwartungsvoller Schlitz.

Und sobald die Wahllokale schließen, stehen schon ehemalige Minister davor und werfen Umschläge hinein.

Der erste enthält:

„So war das nicht gemeint.“

Der zweite:

„Bitte Verantwortung übernehmen.“

Der dritte:

„Nicht diese Verantwortung.“

Und der vierte ist vorsorglich leer.

Für die nächste Koalition.

Ronald Tramp - Banner 002Partnerlink
Open-How2 - Sidebar 003Partnerlink
Meinung des Tages
"
Wenn Satire die Realität überholt hat, sollte man wenigstens Maut verlangen.
– Unbekannt (aber weise)
Ronald Tramp - Sidebar 002Partnerlink
Newsletter
Satire ohne Spam. Versprochen.*
*Ok, vielleicht ein bisschen.
Open-How2 - Sidebar 002Partnerlink
Enter drücken zum Suchen