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POLITIK

Berliner Linke: Gemeinsam regieren, getrennt empört sein

admin · 10.10.2026 · 2 Min. Lesezeit
Grafik: Rot-Rot-Grün - Die Koalition sondiert den Selbststreit
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Berlin kann aufatmen: Linke, Grüne und SPD wollen miteinander reden. Die Linke hat vorsichtshalber bereits angefangen, sich dafür untereinander anzuschreien. Damit ist die wichtigste Voraussetzung für eine progressive Regierung erfüllt: Es gibt noch kein gemeinsames Vorhaben, aber schon verschiedene Auffassungen darüber, wer es verraten hat.

Auslöser ist eine Vereinbarung gegen Antisemitismus. Jüdisches Leben soll geschützt werden, bestimmte Grundsätze sollen verbindlich gelten. Ein Teil der Linken kritisiert die Formulierungen als zu dehnbar und fürchtet eine Einteilung in „gute“ und „böse“ Linke. Im satirischen Parteibüro werden deshalb sämtliche Namensschilder durch „Es ist kompliziert“ ersetzt.

SPD und Grüne stehen derweil vor der Tür und fragen, ob die Gespräche beginnen können. Von drinnen kommt die Antwort: „Grundsätzlich ja, aber zunächst muss geklärt werden, ob eure Anwesenheit bereits eine Einmischung in unsere innerparteiliche Willensbildung darstellt.“

Anschließend wird die Türklingel als Disziplinierungsinstrument untersucht.

Die Parteispitze nennt den Konflikt eine lebhafte Diskussion. Das ist die politische Bezeichnung für einen Zustand, bei dem die Kaffeemaschine einen Schlichtungsantrag stellt. Im Sitzungsraum steht inzwischen ein Feuerlöscher, dessen Einsatz allerdings erst nach einer Debatte über autoritäre Löschpraktiken beschlossen werden darf.

Besonders problematisch erscheint die Aussicht auf Konsequenzen bei Verstößen. In der erfundenen Geschäftsordnung wird daher vorgeschlagen, vor jedem Ausschluss zunächst einen Arbeitskreis einzusetzen, der prüft, ob das Wort „Konsequenz“ überhaupt mit einer offenen Diskussionskultur vereinbar ist. Bis dahin gilt als härteste Sanktion ein missbilligender Blick mit anschließender Möglichkeit zur Gegendarstellung.

Der offene Brief entwickelt sich unterdessen zum wichtigsten Verkehrsmittel der Hauptstadt. Er fährt zwar nirgendwohin, erreicht aber zuverlässig jede Redaktion. Weitere Schreiben folgen: ein offener Brief gegen die Vereinbarung, ein offener Brief gegen den offenen Brief und eine solidarische Erklärung mit allen, die wegen der offenen Briefe ihre eigentliche Arbeit nicht schaffen.

Beim Thema Polizei wird es erneut unruhig. Jüdisches Leben schützen: selbstverständlich. Dafür zuständige Behörden ausstatten: bitte erst einmal die gesellschaftliche Funktion des Ausstattens problematisieren. Ein Drucker wird bestellt, um das ausführlich festzuhalten. Seine Lieferung scheitert am Verdacht, er könne staatliche Strukturen reproduzieren.

Dabei wären präzise Begriffe und klare Grenzen durchaus diskutierbar. Doch im satirischen Berlin wird selbst die Suche nach einer gemeinsamen Formulierung zum Verdachtsfall: Wer einen Satz abschließen möchte, hat sich offenbar bereits dem Punkt gebeugt.

Am Ende gelingt immerhin eine Einigung: Die Sondierungen sollen stattfinden, sobald die Linke ihre internen Sondierungen über die Sondierungsfähigkeit der Sondierungsvereinbarung abgeschlossen hat.

Für die Berliner Bevölkerung bedeutet das eine beruhigende Perspektive: Die nächste Regierung könnte an Wohnungsnot, Verkehr und Verwaltung scheitern.

Die Linke arbeitet daran, ihr diese Mühe zu ersparen.

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