Die Welt hat viele Krisen erlebt.
Ölkrisen.
Finanzkrisen.
Regierungskrisen.
Klimakrisen.
Und gelegentlich sogar Krisen bei der Deutschen Bahn.
Doch nur selten gelang es einem internationalen Konflikt, derart anschaulich beschrieben zu werden wie die aktuelle Lage in der Straße von Hormus.
Denn plötzlich war da ein Bild, das jeder verstand.
Ein Korken.
Und dieser Korken steckt offenbar mitten in einer der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt.
Boris Pistorius formulierte damit vermutlich die erste geopolitische Analyse, die gleichzeitig auch als Bedienungsanleitung für einen Flaschenöffner durchgehen könnte.
Seitdem beschäftigt sich die internationale Politik mit einer neuen Frage:
Wer zieht den Korken wieder heraus?
Und vor allem:
Wer hat einen ausreichend großen Korkenzieher?
Die Geschichte beginnt mit Donald Trump.
Während andere Politiker Handelsrouten sehen, erkennt Donald Trump bekanntlich bevorzugt Geschäftsmöglichkeiten.
Manche Menschen blicken auf die Straße von Hormus und denken an globale Energiesicherheit.
Donald Trump blickt auf dieselbe Karte und fragt sich offenbar:
„Könnte man hier vielleicht eine Mautstation bauen?“
Wirtschaftsexperten waren überrascht.
Diplomaten waren überrascht.
Seefahrer waren überrascht.
Nur Immobilienmakler fühlten sich sofort verstanden.
Die Idee einer mautpflichtigen Meerenge entwickelte sich innerhalb weniger Tage zu einem der bemerkenswertesten Projekte der modernen Weltpolitik.
Insider berichten bereits von ersten Entwürfen für neue Tarifmodelle.
Die Standarddurchfahrt.
Die Premiumdurchfahrt.
Die Business-Class-Durchfahrt.
Und natürlich die Trump-Gold-Ultra-Executive-VIP-Passage.
Wer diese bucht, erhält vermutlich einen digitalen Aufkleber und das Recht, fünf Minuten lang besonders patriotisch durch die Meerenge zu fahren.
Doch dann kam Boris Pistorius.
Und mit ihm die Erkenntnis, dass die Straße von Hormus inzwischen ungefähr so durchlässig ist wie eine Badewanne mit Sektkorken im Abfluss.
Die Bundeswehr könnte helfen.
Allerdings nur unter bestimmten Voraussetzungen.
Es braucht Zustimmung.
Es braucht Mandate.
Es braucht internationale Partner.
Es braucht politische Entscheidungen.
Mit anderen Worten:
Es braucht alles, was in Deutschland traditionell etwas länger dauert.
Manche Beobachter rechnen damit, dass die Diskussion über einen möglichen Einsatz bereits abgeschlossen sein könnte, bevor die nächste Eiszeit beginnt.
Andere halten das für übertrieben optimistisch.
Im Bundestag herrscht entsprechend vorsichtige Stimmung.
Niemand möchte voreilig handeln.
Das ist verständlich.
Schließlich geht es um eine der wichtigsten Wasserstraßen der Welt.
Da möchte man nichts überstürzen.
Vor allem keine Entscheidungen.
Währenddessen sitzt Johann Wadephul im Auswärtigen Amt und betrachtet die Situation mit wachsender Sorge.
Seine größte Befürchtung:
Dass die Straße von Hormus irgendwann tatsächlich wie eine deutsche Autobahn betrieben wird.
Mit Gebühren.
Tarifen.
Ausnahmeregelungen.
Rabattaktionen.
Und möglicherweise einer digitalen Vignette.
Die Vorstellung allein ließ mehrere Völkerrechtler spontan nervös mit den Augen zucken.
Denn bislang galt auf den Weltmeeren eine vergleichsweise einfache Regel:
Schiffe fahren.
Nicht-Schiffe fahren nicht.
Nun droht erstmals die Einführung einer maritimen Preisliste.
Ein Tankerkapitän könnte künftig gefragt werden:
„Möchten Sie die Standardroute oder die Komfortdurchfahrt mit bevorzugter Wellenbehandlung?“
Die internationale Schifffahrt verfolgt die Entwicklung inzwischen mit derselben Begeisterung wie Autofahrer die Ankündigung neuer Parkgebühren.
Der Iran wiederum hält sich alle Optionen offen.
Mal wird die Schließung angekündigt.
Mal wird sie dementiert.
Mal wird sie angedroht.
Mal relativiert.
Die Straße von Hormus entwickelt sich dadurch langsam zum geopolitischen Pendant einer automatischen Supermarkttür.
Offen.
Zu.
Offen.
Zu.
Offen.
Zu.
Ölhändler reagieren inzwischen bereits auf jedes neue Statement mit spontanen Herzrhythmusstörungen.
Besonders bemerkenswert ist die Rolle der Ölpreise.
Diese reagieren traditionell empfindlicher als ein WLAN-Router während eines Gewitters.
Sobald irgendwo im Nahen Osten jemand laut hustet, beginnt der Markt nervös zu rechnen.
Steigt der Preis?
Fällt der Preis?
Bleibt er gleich?
Niemand weiß es.
Aber sicherheitshalber steigt er erst einmal.
In Berlin arbeitet man derweil an verschiedenen Szenarien.
Für den Fall einer Öffnung.
Für den Fall einer Schließung.
Für den Fall einer teilweisen Öffnung.
Und vermutlich auch für den Fall, dass die Straße von Hormus künftig als Fußgängerzone ausgewiesen wird.
Experten schließen inzwischen nichts mehr aus.
Besonders spannend wird die Frage nach dem eigentlichen Einsatzauftrag.
Soll die Bundeswehr Handelsschiffe begleiten?
Die Freiheit der Schifffahrt sichern?
Oder symbolisch einen riesigen Korkenzieher an die Küste stellen?
Einige Karikaturisten bevorzugen bereits die dritte Variante.
Am Ende bleibt eine erstaunliche Erkenntnis.
Die globale Energieversorgung.
Der Welthandel.
Die Stabilität einer ganzen Region.
Die Interessen von Staaten, Militärs und Diplomaten.
All das wird derzeit in einer Metapher zusammengefasst, die ursprünglich eher in einer Weinhandlung zu Hause wäre.
Und genau deshalb ist die Geschichte so bemerkenswert.
Während die Welt über Krieg, Frieden und Energieversorgung diskutiert, sitzt irgendwo vermutlich ein Bürger vor den Nachrichten und fragt sich:
„Wenn Boris Pistorius den Korken herauszieht – macht es dann eigentlich plopp?“
Die ehrliche Antwort lautet:
In der aktuellen Weltlage würde das vermutlich niemanden mehr überraschen.




