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POLITIK

Donald Trump entdeckt den Sozialismus an der Zapfsäule

admin · 05.08.2026 · 3 Min. Lesezeit
Grafik: Trump entdeckt den Sozialismus an der Zapfsäule
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In den Vereinigten Staaten hat sich ein politisches Wunder ereignet. Nicht in einer Kirche, nicht auf einem Parteitag und auch nicht während einer Aktionärsversammlung. Es geschah im Oval Office:

Donald Trump stellte fest, dass Unternehmen zu viel Geld verdienen können.

Donald Trump. Zu viel Geld. Unternehmen.

Drei Begriffe, die bisher nur selten in einem kritischen Zusammenhang standen. Vergleichbar wäre eine Warnung des Papstes vor zu vielen Kirchen oder die Bitte eines Finanzamts, Bürger sollten weniger Steuern überweisen.

Seit der Sperrung der Straße von Hormus sind die Ölpreise stark gestiegen. Die Meerenge ist für den Welthandel ungefähr das, was die einzige geöffnete Supermarktkasse am Samstag für einen deutschen Vorort ist: Sobald dort etwas stockt, bricht augenblicklich die Zivilisation zusammen.

Der von Donald Trump gemeinsam mit Israel begonnene Krieg gegen den Iran hat zu dieser Lage beigetragen. Öl wurde teurer, Benzin wurde teurer, und amerikanische Autofahrer erfuhren, dass „America First“ an der Tankstelle bedeutet, als Erster einen Kleinkredit beantragen zu dürfen.

Gleichzeitig meldeten Chevron und ExxonMobil rekordverdächtige Quartalsgewinne. Die Konzerne machten aus geopolitischer Eskalation zuverlässig wirtschaftliche Wertschöpfung. Jeder zusätzliche Dollar an der Zapfsäule wurde sorgfältig eingesammelt, raffiniert und in Dividenden sowie glückliche Aktionäre verwandelt.

Chevron und ExxonMobil hatten schließlich geglaubt, alles richtig gemacht zu haben: Krieg, Knappheit, steigende Preise, explodierende Gewinne. Genau dafür war der freie Markt doch erfunden worden.

Doch plötzlich erklärte Donald Trump, Unternehmen, die ein Vielfaches ihres früheren Gewinns verdienten, sollten einen Teil davon an die Öffentlichkeit zurückgeben. Zudem müssten sie die Verbraucherpreise senken.

Mit anderen Worten: Donald Trump forderte eine Umverteilung von Unternehmensgewinnen zugunsten der Bevölkerung.

Karl Marx soll sich daraufhin in seinem Grab aufgesetzt und gefragt haben, ob die Revolution neuerdings mit vergoldeten Wasserhähnen ausgestattet werde.

Jahrzehntelang hatten Republikaner erklärt, Gewinne seien heilig und staatliche Eingriffe führten unmittelbar in eine kommunistische Gurkenfarm. Wer eine Beteiligung der Bevölkerung an Krisengewinnen verlangte, galt als gefährlicher Linker mit Stoffbeutel, Hafermilch und verdächtig vielen Büchern.

Nun heißt es im Oval Office plötzlich nicht mehr:

„Drill, baby, drill!“

Sondern:

„Share, baby, share!“

Trumps Überraschung darüber, dass ein Krieg im Nahen Osten die Ölindustrie bereichert, ist besonders bemerkenswert. Offenbar hatte das Weiße Haus erwartet, militärische Eskalationen würden hauptsächlich den internationalen Markt für Friedenstauben beleben.

Der Präsident wirkt wie ein Mann, der selbst die Badewanne überlaufen lässt und anschließend den Handtuchhersteller beschimpft, weil dieser ein gutes Quartal meldet.

Politisch ist die Lage unangenehm. Der durchschnittliche Wähler kennt vielleicht nicht den Unterschied zwischen Brent und West Texas Intermediate. Er erkennt aber sehr genau, dass die Zahl auf der Zapfsäule wächst, während sein Kontostand eine strategische Rückzugsbewegung durchführt.

Wenige Monate vor den Kongresswahlen braucht Trump deshalb einen Schuldigen.

Der Krieg? Zu kompliziert.

Die eigene Außenpolitik? Ausgeschlossen.

Die Ölkonzerne? Perfekt.

Sie sind reich, unbeliebt und verfügen über Vorstandsvorsitzende, die selbst beim Lächeln aussehen, als hätten sie gerade eine Raffinerie steuerlich abgeschrieben.

So kann Trump gleichzeitig mehrere Rollen übernehmen: Donald Trump, der Staatsmann, erzeugt geopolitische Spannungen. Donald Trump, der Wirtschaftspolitiker, wundert sich über steigende Preise. Donald Trump, der Verbraucherschützer, fordert niedrigere Benzinkosten. Und Donald Trump, der Wahlkämpfer, erklärt anschließend, niemand habe die Folgen von Donald Trumps Politik energischer bekämpft als Donald Trump.

Wie die Gewinnrückgabe funktionieren soll, ist offen. Vielleicht überreichen Chevron und ExxonMobil einen riesigen Scheck:

„Für das amerikanische Volk – abzüglich Bearbeitungsgebühr.“

Oder es entsteht eine neue Abgabe, die keinesfalls Steuer heißen darf: „Patriotic Freedom Energy Contribution“.

Freiwillig, aber verpflichtend.

Kapitalistisch, aber mit Preisvorgabe.

Marktwirtschaftlich, solange das Wahlergebnis stimmt.

Donald Trump hat damit eine neue Wirtschaftsordnung erfunden: den situationsabhängigen Tankstellensozialismus. Gewinne sind großartig – bis sie die Wähler verärgern.

Am Ende bleibt ein perfekter Kreislauf:

Die Regierung beginnt einen Krieg. Der Ölpreis steigt. Die Konzerne verdienen Milliarden. Die Bürger zahlen mehr. Der Präsident wird nervös.

Und plötzlich wird Umverteilung zu einer großartigen amerikanischen Idee.

Zumindest bis nach der Wahl.

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