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KOLUMNE

Bundeshaushalt auf Kickstarter: Für 50 Euro gibt’s ein Schlagloch mit Namensschild

admin · 17.08.2026 · 5 Min. Lesezeit
Grafik: Bundeshaushalt: Deutschland startet Crowdfunding
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Deutschland hat eine neue Antwort auf die Haushaltskrise gefunden. Sie lautet nicht Steuererhöhung, Ausgabenkürzung oder Wirtschaftswachstum. Sie lautet:

„Dieses Projekt unterstützen – 25 €“

Nach Jahrzehnten komplizierter Haushaltsverhandlungen, Nachtragshaushalte, Schuldenbremsendebatten und Sitzungen, bei denen selbst der Kaffee irgendwann einen Antrag auf Vertagung stellt, wagt die Bundesregierung angeblich den großen finanzpolitischen Neustart: Der Bundeshaushalt wird per Crowdfunding finanziert.

Das Bundesfinanzministerium hat dafür die Kampagne „Deutschland – jetzt auch mitmachen!“ gestartet. Finanzminister Lars Klingbeil soll dabei auf eine Methode setzen, die bereits Tausende Brettspiele, Dokumentarfilme und elektrische Korkenzieher ermöglicht hat.

Warum also nicht auch die Bundesrepublik?

Das Finanzierungsziel fällt allerdings etwas ambitionierter aus.

Während ein durchschnittliches Crowdfunding-Projekt vielleicht 80.000 Euro für eine intelligente Brotdose benötigt, braucht Deutschland mehrere hundert Milliarden Euro.

Experten sehen darin jedoch keinen grundsätzlichen Unterschied.

„Man muss die Menschen emotional abholen“, heißt es aus Regierungskreisen. „Und eventuell 4,7 Millionen Prozent überfinanzieren.“

Schon ab fünf Euro ist man Staatsfinanzier

Die Kampagne folgt dem bekannten Belohnungsprinzip.

Wer fünf Euro spendet, erhält eine automatisch generierte Dankesmail des Finanzministeriums sowie das beruhigende Gefühl, ungefähr 0,000000001 Prozent des Bundeshaushalts persönlich gerettet zu haben.

Ab 25 Euro gibt es einen digitalen Unterstützer-Aufkleber:

„Ich habe Deutschland mitfinanziert.“

Dieser darf allerdings ausschließlich auf Gegenstände geklebt werden, deren Anschaffung zuvor europaweit ausgeschrieben wurde.

Bei 50 Euro wird es interessanter. Spender können sich an einer Schlaglochsanierung beteiligen. Auf Wunsch erhält das Schlagloch einen Namen.

So könnte es künftig auf deutschen Straßen heißen:

„Bitte langsam fahren. Hinter der Kreuzung kommt Günther.“

Für 250 Euro bekommt man die Premiumvariante: Das Schlagloch wird geschlossen und drei Meter weiter neu eröffnet.

Damit soll verhindert werden, dass traditionsreiche deutsche Infrastruktur vollständig verschwindet.

Der eigene Kreisverkehr für Großspender

Besonders attraktiv ist die Unterstützerstufe ab 10.000 Euro.

Dafür erhält der Spender einen eigenen Kreisverkehr.

Nicht unbedingt vor dem eigenen Haus. Das wäre verwaltungstechnisch zu einfach.

Der Kreisverkehr wird dort gebaut, wo gerade zufällig eine Planung vorliegt, die seit 2008 zwischen Straßenverkehrsamt, Umweltbehörde und einem Mann namens Uwe zirkuliert, der eigentlich seit 2021 im Ruhestand ist.

Der Sponsor darf ihm allerdings einen Namen geben.

Denkbar wären „Kreisverkehr der finanziellen Verantwortung“, „Roundabout McRoundface“ oder schlicht „Lars“.

Für zusätzliche 2.500 Euro installiert der Bund sogar eine Skulptur in der Mitte.

Die Skulptur selbst kostet 380.000 Euro.

Die Differenz übernimmt selbstverständlich der Steuerzahler.

So bleibt der klassische Charakter öffentlicher Finanzierung trotz Crowdfunding erhalten.

Premium-Paket: Ein persönliches Gesetz

Auch politisch interessierte Unterstützer sollen auf ihre Kosten kommen.

Für 100.000 Euro gibt es eine Führung durch den Bundestag.

Für 500.000 Euro darf man bei einer Haushaltsdebatte auf der Besuchertribüne sitzen und einmal sehr laut seufzen.

Ab einer Million Euro erhält man eine exklusive Urkunde mit der Aufschrift:

„Systemrelevant bis Zahlungseingang.“

Das absolute Spitzenpaket soll fünf Millionen Euro kosten. Dafür darf der Unterstützer einen Vorschlag für ein neues Gesetz einreichen.

Die Bundesregierung garantiert allerdings ausdrücklich nicht, dass der Vorschlag umgesetzt wird.

Damit unterscheidet sich dieses Paket kaum von einem normalen Wahlprogramm.

Friedrich Merz bestellt gleich das Kanzleramt-Paket

Auch Bundeskanzler Friedrich Merz soll von der Idee begeistert sein. Crowdfunding verbinde Eigenverantwortung, Unternehmergeist und die traditionsreiche deutsche Fähigkeit, für etwas zu bezahlen, das man bereits über Steuern finanziert habe.

Merz soll deshalb vorgeschlagen haben, besonders wichtige Infrastrukturprojekte mit sogenannten „Stretch Goals“ auszustatten.

Erreicht Deutschland beispielsweise 450 Milliarden Euro, funktionieren alle Bürgerämter mittwochs zusätzlich bis 14 Uhr.

Bei 500 Milliarden wird die Faxpflicht in zwei Bundesbehörden aufgehoben.

Bei 550 Milliarden erhält die Deutsche Bahn eine zweite funktionierende Klimaanlage.

Und falls 600 Milliarden zusammenkommen, verspricht die Bundesregierung etwas geradezu Revolutionäres:

Eine Baustelle wird tatsächlich fertig.

Wann und wo, soll allerdings erst nach erfolgreicher Finanzierung bekannt gegeben werden.

Stretch Goal: Deutschland ohne Haushaltssperre

Das Finanzministerium versucht unterdessen, mit regelmäßigen Updates Begeisterung zu erzeugen.

„Großartig! Bereits 0,00004 Prozent finanziert!“, heißt es wenige Stunden nach Kampagnenstart.

Dazu erscheint ein Foto von Lars Klingbeil vor einem Fortschrittsbalken, der optisch weiterhin verdächtig nach null aussieht.

Die ersten Unterstützer zeigen sich trotzdem begeistert.

Ein Mann aus Niedersachsen spendete 75 Euro und erwartet nun sein persönliches Schlagloch.

Eine Familie aus Bayern investierte 500 Euro in die Sanierung einer Bundesstraße und erhielt dafür einen exklusiven digitalen Bauzeitenplan mit dem Lieferdatum:

„Voraussichtlich.“

Besonders erfolgreich läuft das Paket „Verwaltung Gold“.

Für 999 Euro garantiert eine Bundesbehörde, einen Antrag innerhalb von sechs Monaten zumindest einmal anzusehen.

Wer weitere 299 Euro zahlt, bekommt sogar eine Eingangsbestätigung.

Opposition startet Konkurrenzkampagnen

Natürlich bleibt das Crowdfunding nicht ohne politische Folgen.

Die Parteien sollen bereits eigene Finanzierungsideen entwickeln.

Die einen möchten ausschließlich soziale Projekte crowdfunden, andere Infrastruktur, wieder andere am liebsten den gesamten Staat zurückgeben und nur die Parkplätze behalten.

Im Bundestag wird deshalb diskutiert, ob Bürger künftig beim Steuerbescheid auswählen dürfen, welches Ressort ihr Geld erhält.

Zur Auswahl stehen Verteidigung, Bildung, Verkehr, Digitalisierung oder „Überraschung“.

Bei „Überraschung“ landet das Geld automatisch in einem Flughafenprojekt.

Deutschland erreicht vielleicht sein Finanzierungsziel

Das größte Problem bleibt allerdings die typische Crowdfunding-Regel:

Wird das Finanzierungsziel nicht erreicht, könnte das Projekt scheitern.

Das Finanzministerium beruhigt.

Deutschland sei bereits seit 1949 erfolgreich am Markt und verfüge über eine engagierte Community von mehr als 80 Millionen potenziellen Unterstützern.

Außerdem plane man eine zweite Kampagne.

Arbeitstitel:

„Deutschland 2 – jetzt wirklich digital.“

Das Finanzierungsziel liegt bei 900 Milliarden Euro.

Als Liefertermin ist 2035 vorgesehen.

Erste Verzögerungen werden für 2032 erwartet.

Und wer mindestens 50.000 Euro spendet, erhält als Dankeschön etwas, das bislang selbst Großspendern kaum versprochen werden konnte:

einen Termin beim Bürgeramt.

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