Deutschland könnte erstmals eine Bundespräsidentin bekommen. Friedrich Merz findet die Idee jedenfalls sympathisch. Sehr sympathisch sogar. Allerdings nicht so sympathisch, dass man deshalb am Ende womöglich einfach eine Frau nimmt.
Denn, so Merz sinngemäß: Geschlecht schön und gut, aber Deutschland braucht schließlich jemanden mit „hoher Integrationskraft“.
Damit ist das Anforderungsprofil klar: Gesucht wird eine Frau, die 84 Millionen Menschen zusammenhält, Ost und West versöhnt, Rentner mit Klimaklebern an einen Tisch bringt, CSU und CDU auseinanderhalten kann und im Idealfall zusätzlich noch dafür sorgt, dass in deutschen Familien endlich Frieden über die richtige Höhe der Raumtemperatur herrscht.
Kurz gesagt: Schloss Bellevue sucht keine Bundespräsidentin.
Schloss Bellevue sucht Pattex mit Lebenslauf.
Dass Merz ausdrücklich darauf hinweist, eine Frau dürfe nicht allein ihres Geschlechts wegen gewählt werden, ist beruhigend. Offenbar bestand bislang die konkrete Gefahr, dass die Bundesversammlung irgendwann versehentlich eine Passantin vom Berliner Hauptbahnhof einsammelt und ruft: „Sie sind eine Frau? Herzlichen Glückwunsch, hier ist der Amtsschlüssel!“
Ganz so einfach will es der Kanzler dann doch nicht machen.
Immerhin verfüge die Union über mehrere Frauen, denen er das Amt zutraue. Genannt werden Julia Klöckner, Karin Prien, Ilse Aigner und Annegret Kramp-Karrenbauer.
Damit startet offiziell die neue politische Castingshow:
„Deutschland sucht die Superpräsidentin.“
In Runde eins müssen die Kandidatinnen eine Rede zum Tag der Deutschen Einheit halten, ohne dass währenddessen ein Landesverband beleidigt den Saal verlässt.
Runde zwei: ein gemeinsames Frühstück mit Markus Söder.
Wer danach noch kandidieren möchte, kommt automatisch ins Finale.
Besonders Ilse Aigner bezeichnete Merz bereits als „respektable, denkbare Bundespräsidentin“. Das ist ungefähr die politische Version von: „Kann man machen. Sieht ordentlich aus. Läuft ruhig. Scheckheft gepflegt.“
Markus Söder wiederum brachte Aigner ins Gespräch. Das ist bemerkenswert, denn wenn Söder jemanden für ein hohes Amt empfiehlt, stellt sich in Bayern reflexartig zunächst die Frage, warum er selbst dieses Amt eigentlich noch nicht übernommen hat.
Aigner reagierte souverän und sagte: „Diese Frage stellt sich jetzt nicht.“
In der Politik bedeutet dieser Satz ungefähr dasselbe wie „Ich bin gleich da“ bei der Deutschen Bahn.
Die Frage stellt sich sehr wohl.
Nur bitte später.
Mit Fotografen.
Und möglichst vor einer Deutschlandflagge.
Am Ende entscheidet ohnehin die Bundesversammlung. Deren Zusammensetzung steht erst nach mehreren Landtagswahlen fest. Deutschland weiß also noch nicht, wer Bundespräsidentin werden soll, weil noch nicht einmal feststeht, wer darüber entscheidet, wer darüber entscheiden darf.
Ein wunderbar deutsches Verfahren.
Andere Länder veranstalten Präsidentschaftswahlen.
Deutschland baut zunächst einen Ausschuss.
Dann einen Zeitplan.
Dann einen Abstimmungsschlüssel.
Und irgendwann sitzt plötzlich jemand im Schloss Bellevue und hält eine Weihnachtsansprache.
Vielleicht diesmal tatsächlich eine Frau.
Aber selbstverständlich nur, wenn sie vorher nachweist, dass sie persönlich in der Lage ist, Deutschland zusammenzuhalten.
Also ungefähr dieselbe Qualifikation wie ein Spanngurt im Möbeltransporter.




