Nachrichten, die zum Nachdenken anregen*
*Oder zum Lachen. Oder beides.
Satiressum Harlekin
POLITIK

Bundestag eröffnet Bundesreisebüro – Demokratie künftig nur noch mit Frühbucherrabatt

admin · 22.07.2026 · 4 Min. Lesezeit
Grafik: Wenn der Bundestag zum Reisebüro wird
EoT - Banner 003Partnerlink

Der Deutsche Bundestag gilt seit Jahrzehnten als Herz der parlamentarischen Demokratie.

Ein Ort großer Reden.

Historischer Entscheidungen.

Ernsthafter Debatten.

Und offenbar inzwischen auch Deutschlands größte Reisegruppe.

Denn kaum verschwinden die ersten Abgeordneten in den Sommerurlaub, entwickelt sich im politischen Berlin regelmäßig ein Phänomen, das selbst Meteorologen nicht erklären können.

Die Temperaturen steigen.

Die politische Aktivität sinkt.

Und plötzlich wird jede Sitzung danach bewertet, wie viele Liegestühle sie gefährdet.

Diesmal steht angeblich eine besonders komplizierte Herausforderung bevor.

Nicht wegen außenpolitischer Krisen.

Nicht wegen wirtschaftlicher Turbulenzen.

Sondern wegen der wohl wichtigsten Frage der parlamentarischen Sommerpause:

„Wer bezahlt eigentlich den Rückflug?“

Innerhalb weniger Minuten verwandelt sich der Reichstag in eine Mischung aus Finanzamt, Flughafen und Reisebüro.

Am Eingang steht keine Sicherheitskontrolle mehr.

Dort sitzt jetzt ein Reiseberater.

„Mallorca?“

„Gate B.“

„Griechenland?“

„Bitte noch kurz warten.“

„Sylt?“

„Sie sind ohnehin schon fast da.“

Im Keller des Bundestages eröffnet gleichzeitig das neue Bundesamt für spontane Heimreisen.

Seine Aufgabe besteht ausschließlich darin, herauszufinden, wie man 630 Volksvertreter gleichzeitig möglichst kostengünstig von Buffets, Strandpromenaden und Hotelterrassen zurück nach Berlin transportiert.

Die erste Lagebesprechung dauert sechs Stunden.

Nicht, weil das Problem so kompliziert wäre.

Sondern weil zunächst geklärt werden muss, ob Sonnenbrand bereits als außergewöhnliche dienstliche Belastung gilt.

Julia Klöckner betrachtet währenddessen einen wachsenden Stapel Anträge.

Ein Formular lautet:

„Antrag auf parlamentarisch bedingte Unterbrechung eines All-inclusive-Aufenthalts.“

Darunter:

„Begründung:

Die politische Lage zeigte unerwartete Aktivität.“

Ein anderer Antrag enthält lediglich ein Foto.

Darauf ein Cocktail.

Eine Palme.

Und ein Daumen nach oben.

Darunter steht:

„Beweisfoto.“

Julia Klöckner schaut kurz auf.

Dann wieder auf den Antrag.

Dann wieder auf das Foto.

Sie legt ihn kommentarlos auf den Stapel mit der Aufschrift:

„Künstlerische Beiträge.“

Steffen Bilger kämpft derweil mit einer Excel-Tabelle.

Sie besitzt mittlerweile mehr Spalten als der Reichstag Sitze.

„Abflugort.“

„Zwischenlandung.“

„Bonusmeilen.“

„Emotionale Belastung durch vorzeitige Heimreise.“

„Verlust des Hotelbuffets.“

Ein Mitarbeiter fragt vorsichtig:

„Brauchen wir wirklich die letzte Spalte?“

Bilger nickt ernst.

„Das könnte entscheidend werden.“

Währenddessen arbeitet Friedrich Merz an einer ganz anderen Herausforderung.

Er versucht herauszufinden, wann eigentlich alle Mitglieder der Fraktion gleichzeitig erreichbar sind.

Das Ergebnis fällt ernüchternd aus.

Einige befinden sich auf Segelbooten.

Andere wandern irgendwo ohne Mobilfunkempfang.

Zwei Abgeordnete schicken versehentlich ihre automatische Urlaubsantwort an den Fraktionsvorsitz.

Ein besonders ehrgeiziger Parlamentarier meldet sich aus einem Infinity-Pool.

„Ich könnte in 48 Stunden da sein.“

„Wenn der Wind günstig steht.“

Im Kanzleramt entsteht daraufhin eine digitale Weltkarte.

Jeder Abgeordnete erscheint als blinkender Punkt.

Blau bedeutet:

„Im Meer.“

Grün:

„Am Buffet.“

Gelb:

„Diskutiert gerade mit dem Hotelmanager über WLAN.“

Rot:

„Hat das Diensthandy bewusst ausgeschaltet.“

Diese Punkte gelten als besonders schwer vermittelbar.

Natürlich bleibt die deutsche Bürokratie nicht untätig.

Innerhalb weniger Stunden erscheint das neue Formular RK-2026-S.

„Antrag auf demokratiebedingte Urlaubsunterbrechung.“

Beizufügen sind:

  • sämtliche Bordkarten,
  • Hotelrechnung,
  • Nachweis über tatsächlich verpasste Sonnenuntergänge,
  • Bescheinigung des Reiseveranstalters, dass das Dessertbuffet ohne den Antragsteller eröffnet wurde.

Außerdem wird ein aktuelles Foto verlangt.

Nicht aus Identitätsgründen.

Sondern zur Dokumentation des Bräunungsgrades.

Das Finanzministerium arbeitet parallel bereits an einer neuen Förderrichtlinie.

Sie trägt den sperrigen Titel:

„Verordnung zur wirtschaftlichen Optimierung parlamentarischer Rückreisebewegungen.“

Der Name allein umfasst 42 Seiten.

Der eigentliche Inhalt besteht aus einem Satz:

„Bitte möglichst günstig.“

Die Fluggesellschaften reagieren blitzschnell.

Sie entwickeln den ersten Tarif speziell für Berufspolitiker.

„Government Last Minute Deluxe.“

Umbuchbar bis fünf Minuten vor Abflug.

Kostenlose Sitzplatzreservierung.

Unbegrenztes Handgepäck.

Ein zusätzliches Aktenköfferchen.

Und bevorzugter Einstieg für Personen mit besonders dringendem Redebedarf.

Auch Reiseveranstalter erkennen das Potenzial.

Sie bieten neue Pauschalreisen an.

„Koalition & Karibik.“

„Regieren auf Rhodos.“

„Plenarsaal trifft Playa.“

Inklusive Videokonferenz am Hotelpool.

Der Animateur übernimmt auf Wunsch sogar die Sitzungsleitung.

Zwischen Wassergymnastik und Bingo folgt dann Tagesordnungspunkt drei.

Die Opposition beobachtet das Schauspiel mit wachsender Faszination.

Ein Sprecher erklärt:

„Wir beantragen einen Untersuchungsausschuss.“

„Weshalb?“

„Uns interessiert, wer das Frühstücksbuffet genehmigt hat.“

Währenddessen tüfteln Berater an einer langfristigen Lösung.

Warum überhaupt noch Rückflüge?

Der Bundestag könnte doch einfach dorthin reisen, wo sich die meisten Abgeordneten gerade befinden.

Mallorca?

Plenarsitzung am Strand.

Kreta?

Fragestunde unter Palmen.

Gardasee?

Haushaltsberatung auf dem Tretboot.

Die Reichstagskuppel wird kurzerhand durch einen Sonnenschirm ersetzt.

Die Sitzreihen durch Liegen.

Statt Wasserkaraffen gibt es Kokosnüsse mit Strohhalm.

Der Bundestagspräsident eröffnet die Sitzung mit den Worten:

„Ich bitte darum, die Badehandtücher von den Abstimmungsknöpfen zu entfernen.“

Friedrich Merz sieht darin überraschend Chancen.

Die Stimmung sei deutlich entspannter.

Zwischen zwei Sonnenliegen würden Koalitionsgespräche wesentlich harmonischer verlaufen.

Niemand erhebt laut die Stimme.

Schon allein deshalb nicht, weil der Nachbar gerade Mittagsschlaf hält.

Julia Klöckner hingegen bleibt konsequent.

Sie betrachtet weiterhin jede Erstattungsforderung mit der Entschlossenheit einer Buchhalterin, die bereits beim Wort „Pauschale“ leichtes Augenzucken bekommt.

Steffen Bilger entwickelt schließlich die ultimative Sparidee.

Ab sofort reisen sämtliche Abgeordneten gemeinsam.

Mit einem einzigen gigantischen Charterflug.

Die Maschine erhält den Namen:

„Air Demokratie One.“

An Bord befinden sich:

ein Plenarsaal,

ein Ausschusszimmer,

eine Presselounge,

zwei Kaffeeautomaten,

vier Drucker,

acht Reisekostenprüfer

und vorsorglich ein Mediator für Sitzplatzdiskussionen.

Der Pilot meldet sich über Lautsprecher.

„Wir erreichen Berlin in zwanzig Minuten.“

„Bis dahin stimmen wir noch schnell über drei Gesetze, zwei Personalentscheidungen und die Frage ab, ob Erdnüsse künftig als parlamentarische Arbeitsmittel gelten.“

Am Ende landet das Flugzeug.

Alle steigen aus.

Die Republik funktioniert weiter.

Und irgendwo in einer Behörde sitzt bereits der erste Sachbearbeiter vor einem Antrag mit der Überschrift:

„Nachträgliche Erstattung einer wegen Staatsräson verpassten Happy Hour.“

Er nimmt seinen Stempel.

Holt tief Luft.

Und flüstert den wohl deutschesten Satz des gesamten politischen Sommers:

„Da fehlt leider noch der Originalbeleg.“

dixxu - Banner 002Partnerlink
Ronald Tramp - Sidebar 003Partnerlink
Meinung des Tages
"
Wenn Satire die Realität überholt hat, sollte man wenigstens Maut verlangen.
– Unbekannt (aber weise)
dixxu - Sidebar 002Partnerlink
Newsletter
Satire ohne Spam. Versprochen.*
*Ok, vielleicht ein bisschen.
Ronald Tramp - Sidevar 001Partnerlink
Enter drücken zum Suchen