Deutschland darf aufatmen: Nach den jüngsten Wahlniederlagen hat Friedrich Merz angekündigt, weiterzumachen. Und zwar mit Reformen.
Welche genau?
Das ist offenbar Teil des Spiels.
Im politischen Berlin wurde deshalb vorsorglich die Regierungsklausur in einen Escape Room verlegt. Arbeitstitel: „Deutschland – Ausgang ungewiss“.
Die Regeln sind einfach. Die Bundesregierung wird in einen Raum eingeschlossen. Auf einem Tisch liegen Wirtschaft, Sozialstaat, Migration, Bürokratie und Koalitionsfrieden. Daneben befindet sich ein Umschlag.
Merz öffnet ihn.
Darin steht:
„Bitte lösen.“
Schwierigkeitsgrad: Bundesrepublik.
Sofort beginnt die Union mit der bewährten Methode zur Bewältigung komplizierter Probleme: Man fordert entschlossene Reformen und versucht anschließend herauszufinden, welche.
Merz übernimmt die Führung. Schließlich braucht jeder Escape Room jemanden, der mit großer Entschlossenheit an einer verschlossenen Tür zieht, auf der deutlich „DRÜCKEN“ steht.
„Wir müssen jetzt handeln“, lautet die Devise.
„Was machen wir?“, fragt jemand.
„Das Richtige.“
„Was ist das Richtige?“
Kurze Pause.
„Genau das müssen wir jetzt entschlossen klären.“
Damit wäre die Strategie beschlossen.
Auf dem Tisch blinkt unterdessen die Wirtschaft. Der Sozialstaat piept. Die Migration liegt als Puzzle mit fehlenden Randteilen daneben. Und aus einer verschlossenen Truhe mit der Aufschrift „Koalitionsfrieden“ dringen Geräusche, die darauf hindeuten, dass dort bereits jemand gegen die Innenwand tritt.
Die SPD sucht währenddessen nach Hinweisen unter dem Teppich. Die Union durchsucht lieber die SPD.
Ein CDU-Stratege entdeckt schließlich hinter einem Vorhang einen Zettel:
„Redet miteinander.“
Allgemeine Enttäuschung.
Man hatte auf etwas Realistischeres gehofft.
Vielleicht Steuersenkungen bei gleichzeitig höheren Einnahmen, weniger Ausgaben ohne Kürzungen oder einen Sozialstaat, der billiger wird, indem alle mehr bekommen.
Inzwischen läuft die politische Escape-Room-Uhr weiter. Aus den Lautsprechern ertönt eine Stimme:
„Hinweis verfügbar.“
Merz lehnt ab.
Die Union müsse ihre Probleme aus eigener Kraft lösen.
Daraufhin wird zunächst eine Arbeitsgruppe gegründet, die untersuchen soll, weshalb die vorherige Arbeitsgruppe den Ausgang nicht gefunden hat.
Aus der Parteizentrale kommt der Vorschlag, künftig stärker auf die Sorgen der Bevölkerung zu hören.
Das sorgt für hektische Betriebsamkeit.
Wo findet man diese Bevölkerung?
Unter dem Konferenztisch ist sie jedenfalls nicht.
Schließlich entdeckt jemand eine weitere Tür. Darauf steht:
„Reformen“.
Große Erleichterung.
Merz tritt davor, richtet das Jackett und verkündet, man werde diesen Weg entschlossen gehen.
Leider fehlt der Türgriff.
Die SPD schlägt vor, darüber zu beraten. Die Union fordert Tempo. Beide einigen sich darauf, schnellstmöglich einen Termin für ein Gespräch über die Voraussetzungen eines möglichen Türgriffs anzusetzen.
Damit gilt die Regierungsklausur als Erfolg.
Denn in Berlin bedeutet „Lösung“ nicht zwingend, dass sich eine Tür öffnet.
Es reicht manchmal schon, wenn anschließend alle gemeinsam vor der verschlossenen Tür stehen und erklären:
„Wir wissen jetzt sehr genau, dass wir hier rausmüssen.“
Friedrich Merz blickt entschlossen in die Runde.
Deutschland könne sich darauf verlassen: Man werde jetzt genau das Richtige tun.
Sobald abschließend geklärt ist, was das Richtige eigentlich ist.




