In den Vereinigten Staaten wird wieder gewählt. Zumindest offiziell. Tatsächlich erinnert der amerikanische Wahlkampf inzwischen eher an eine Luxusauktion, bei der die Demokratie unter den Hammer kommt und der Auktionator begeistert ruft: „Zum Ersten, zum Zweiten – verkauft an den Herrn mit der eigenen Raumfahrtfirma!“
Die Wahlkampfausgaben erreichen astronomische Höhen. Besonders beliebt sind sogenannte Super PACs, politische Geldsammelmaschinen, die unbegrenzt Spenden entgegennehmen dürfen. Ein erheblicher Teil der Finanzierung stammt aus schwer nachvollziehbaren Quellen. Amerika hat damit das demokratische Grundprinzip erfolgreich modernisiert: Nicht jede Stimme zählt gleich viel, aber jeder Dollar darf ordentlich Krach machen.
Besonders großzügig zeigt sich Elon Musk. Der Unternehmer investiert gewaltige Summen in republikanische Wahlkampforganisationen. Offenbar reicht es ihm nicht mehr, Raketen ins All zu schießen. Jetzt sollen auch Kandidaten in den Kongress katapultiert werden. Der Unterschied: Raketen benötigen eine aufwendige Sicherheitsprüfung. Bei Politikern genügt offenbar eine ausreichend große Überweisung.
Donald Trump dürfte sich über diese Entwicklung freuen. Schließlich könnte sich damit ein lang gehegter amerikanischer Traum erfüllen: Demokratie als Premium-Abonnement mit automatischer Verlängerung und exklusivem Zugang zur Regierung.
Das System ist faszinierend. Direkt an Kandidaten dürfen Privatpersonen nur begrenzt spenden. Über Super PACs hingegen lassen sich gewaltige Summen für eigenständige Wahlwerbung mobilisieren. Das ist ungefähr so, als würde ein Restaurant Alkohol verbieten, aber direkt nebenan eine hauseigene Schnapsfabrik eröffnen.
Besonders gefragt sind negative Wahlwerbespots. Dabei wird nicht erklärt, warum der eigene Kandidat geeignet ist, sondern warum der politische Gegner vermutlich persönlich für schlechtes Wetter, kaputte Waschmaschinen und die Erfindung von Rosenkohl verantwortlich ist.
Die Demokraten sammeln derweil erfolgreich kleinere Direktspenden. Das wirkt fast nostalgisch: Während normale Bürger mühsam ihr Portemonnaie öffnen, müssen Milliardäre offenbar erst den Tresorraum erweitern lassen.
Die fiktive amerikanische Wahlbehörde könnte deshalb ein neues Wahlverfahren einführen. Anstelle gewöhnlicher Stimmzettel erhalten Bürger künftig einen Kontoauszug. Wer kein ausreichendes Guthaben vorweisen kann, darf zwar weiterhin wählen, muss sich aber mit einem bescheidenen Demokratie-Basistarif zufriedengeben.
Für besonders vermögende Teilnehmer gibt es das exklusive Platinpaket: persönliche Kandidatenbetreuung, bevorzugte Sendezeiten und eine goldene Wahlurne mit integrierter Dividendenanzeige.
Politikwissenschaftler weisen allerdings darauf hin, dass Geld allein keine Wahl gewinnen muss. Das dürfte in den Vorstandsetagen für Entsetzen sorgen. Schließlich ist es ausgesprochen geschäftsschädigend, wenn nach einer gewaltigen Investition plötzlich echte Wähler mitreden möchten.
Die amerikanische Demokratie bleibt damit ein einzigartiges Experiment: Das Volk besitzt das Wahlrecht, die Milliardäre kaufen die Werbezeit und die Super PACs erledigen die politische Schmutzwäsche.
Am Ende entscheidet weiterhin die Wahlurne.
Nur die Frage, wer vorher die öffentliche Meinung mit Werbung bombardieren durfte, wird längst an anderer Stelle geklärt.
Und sollte die Demokratie irgendwann endgültig verkauft werden, steht auf dem Kassenbon vermutlich: „Umtausch ausgeschlossen. Einflussnahme separat erhältlich.“




