Die internationale Friedensdiplomatie hat wieder Hoffnung geschöpft. Wladimir Putin ist grundsätzlich bereit, über Frieden zu sprechen. Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass die Ukraine vorher kapituliert, der Westen applaudiert und die Realität künftig ausschließlich mit Genehmigung des Kremls stattfindet.
In Moskau nennt man das konstruktive Gesprächsbereitschaft. Anderswo würde man damit nicht einmal einen Gebrauchtwagen verkaufen können.
US-Sondergesandter Steve Witkoff reiste mit frischen Friedensideen an. Im Gepäck hatte er diplomatische Vorschläge, internationale Hoffnungen und vermutlich ausreichend Kopfschmerztabletten für die Rückreise. Putin hörte aufmerksam zu, nickte staatsmännisch und erklärte anschließend, die Vorschläge hätten leider keine Substanz.
Das überraschte niemanden. Im Kreml gilt ein Friedensvorschlag grundsätzlich als substanzlos, sobald darin die Wörter „ukrainische Souveränität“ auftauchen.
Russische Kompromissbereitschaft: Wir nehmen alles, ihr bekommt Ruhe
Kreml-Berater Juri Uschakow verkündete, Moskau sei „im Prinzip“ zu neuen Verhandlungen bereit. Das klingt vielversprechend, bedeutet im russischen Diplomatenwörterbuch allerdings ungefähr dasselbe wie „Der Kühlschrank ist im Prinzip ein Atomreaktor, wenn man ihn nur ausreichend lange anschreit“.
Als möglicher Verhandlungsort wird Abu Dhabi gehandelt. Dort könnten Diplomaten bei angenehmen Temperaturen darüber diskutieren, wie man einen Krieg beendet, ohne dass Russland auf irgendetwas verzichten muss.
Der russische Vorschlag dürfte folgendermaßen aussehen: Die Ukraine übergibt ihre Gebiete, Europa bezahlt den Wiederaufbau, Amerika liefert die Anerkennung und Putin erhält den Friedensnobelpreis samt lebenslanger Garantie auf ungestörte Eroberungsfeldzüge.
Putin erklärt die Frontlage – Grimms Märchen bekommen Konkurrenz
Besonders beeindruckend verlief Putins militärische Lagebesprechung. Angeblich rücken russische Truppen überall unaufhaltsam vor.
Dass unabhängige Analysen teilweise ein anderes Bild zeichnen und ukrainische Streitkräfte Gebiete zurückerobern, scheint im Kreml als westliche Verschwörung gegen die russische Geografie zu gelten.
Möglicherweise verwendet Putin inzwischen Landkarten aus Knetmasse. Verlorene Gebiete werden einfach wieder angeklebt, und schon läuft die Offensive hervorragend.
Russische Generäle sollen bei Lagebesprechungen vorsorglich nur noch Erfolgsmeldungen präsentieren. Wer schlechte Nachrichten überbringt, riskiert schließlich, selbst zur schlechten Nachricht zu werden.
Trump, Putin und Xi – der Friedensgipfel der großen Egos
Auch ein Treffen zwischen Donald Trump, Putin und Xi Jinping steht im Raum. Diplomatische Beobachter erwarten ein historisches Ereignis: Trump erklärt sich zum größten Friedensstifter aller Zeiten, Putin behauptet, den Krieg bereits gewonnen zu haben, und Xi lässt vorsorglich prüfen, wem anschließend der Konferenztisch gehört.
Für die Ukraine bleibt die zentrale Frage, ob irgendwann tatsächlich über Frieden verhandelt wird oder lediglich darüber, wie Putin seine Forderungen möglichst feierlich vortragen darf.
Immerhin gibt es Hoffnung: Der Kreml ist bereit, über die Sicherheitsordnung nach Kriegsende zu sprechen.
Man muss Putin nur noch erklären, dass ein Friedensvertrag kein Immobilienkaufvertrag ist, bei dem der Einbrecher nach dem Überfall auch noch das Grundbuch bekommt.




