Elif Eralp – Die Frau, die Berlin erst mal juristisch prüfen möchte
Name: Elif Eralp
Geboren: 1981
Beruf: Volljuristin, Politikerin und parlamentarische Fachkraft für Fälle, bei denen Berlin wieder einmal Berlin passiert ist
Politisches Zuhause: Die Linke
Einsatzgebiet: Friedrichshain-Kreuzberg und überall dort, wo eine Miete gerade beschlossen hat, eine zweite Karriere als Luxusgut zu beginnen
Spezialgebiete: Antidiskriminierung, Migration, bezahlbares Wohnen und Sätze, die mit „Das ist rechtlich durchaus möglich“ beginnen
Frühere Mitgliedschaft: Rote Hilfe – laut Verfassungsschutz linksextremistisch eingestufter Verein
Natürlicher Gegner: Verdrängung
Zweitgrößter Gegner: Berliner Verwaltung
Endgegner: Verdrängung durch Berliner Verwaltung
Frühe Jahre – erst Jura, dann Berlin
Elif Eralp studierte Rechtswissenschaften in Hamburg.
Schwerpunkt:
Kriminologie.
Eine Ausbildung, die für eine spätere Karriere in der Berliner Politik überraschend vielseitig einsetzbar erscheint.
Sie absolvierte beide juristischen Staatsexamina und beschäftigte sich während ihrer Ausbildung unter anderem mit Migrationsrecht.
Damit verfügte sie früh über etwas, das in der Politik gelegentlich gefährlich werden kann:
Sie hatte Gesetze tatsächlich gelesen.
Das sorgt in politischen Debatten regelmäßig für unangenehme Situationen.
Politiker A:
„Das geht rechtlich überhaupt nicht!“
Eralp:
„Doch.“
Politiker A:
„Woher wollen Sie das wissen?“
Eralp legt Gesetzestext auf den Tisch.
Politiker A:
„Ich meinte politisch rechtlich.“
Die Rote Hilfe – ausgerechnet die Juristin
Während ihres Jurastudiums trat Eralp der Roten Hilfe e. V. bei. Ihre Mitgliedschaft wurde später auch im Abgeordnetenhandbuch aufgeführt. Der Verfassungsschutz stuft die Rote Hilfe als linksextremistische Organisation ein. Eralp war nach Angaben ihrer Partei passives Mitglied und trat 2025 aus; als Grund wurden teilweise unterschiedliche politische Auffassungen genannt. Ihren ursprünglichen Beitritt erklärte sie mit der Unterstützung juristischer Hilfe für politisch engagierte Menschen. (tagesschau.de)
Wichtig dabei:
Aus der Mitgliedschaft folgt nicht automatisch eine persönliche Einstufung Eralps als Extremistin. Der Berliner Verfassungsschutz weist selbst darauf hin, dass nicht jedes Mitglied der Roten Hilfe verfassungsfeindliche Ziele verfolgen muss.
Satirisch bleibt die Kombination allerdings bemerkenswert.
Denn Eralp studierte:
Jura.
Schwerpunkt:
Kriminologie.
Und trat dann ausgerechnet einem Verein bei, dessen Name irgendwann zuverlässig in Verfassungsschutzberichten auftaucht.
Das ist ungefähr so, als würde ein Brandschutzexperte jahrelang passives Mitglied bei
„Freunde des offenen Feuers im Treppenhaus e. V.“
sein und später erklären:
„Mir ging es hauptsächlich um die Wärme.“
Natürlich kann man passives Mitglied sein.
Das bedeutet schließlich:
Man ist Mitglied.
Nur eben…
entspannt.
Eralp zufolge stand für sie die juristische Unterstützung politisch engagierter Menschen im Vordergrund.
Das wiederum passt erstaunlich gut zur späteren Karriere.
Andere Studenten treten einem Hochschulsportverein bei.
Eralp dachte offenbar:
„Volleyball kann ich später noch machen. Erst mal Rechtshilfe.“
2025 war Schluss.
Austritt.
Teilweise unterschiedliche politische Ansichten.
Damit endete eine Mitgliedschaft, die Jahre später noch einmal politisch aus dem Archiv gezogen wurde.
Denn Politik besitzt ein außergewöhnliches Gedächtnis.
Vor allem für Dinge, die der politische Gegner vergessen sollte.
Berlin ruft
2010 zog Eralp nach Berlin.
Genauer gesagt nach Kreuzberg.
Das ist für eine linke Juristin ungefähr das, was der Nürburgring für einen Rennfahrer ist:
Man weiß sofort, warum man da ist.
Sie engagierte sich gegen Rassismus, für gesellschaftliche Teilhabe und gegen Verdrängung.
Und Verdrängung ist in Berlin ein dankbares politisches Thema.
Denn die klassische Berliner Wohnung durchläuft inzwischen ungefähr folgende Evolution:
Altbauwohnung → Kapitalanlage → Luxusobjekt → möbliertes Mikroapartment → Inserat mit „authentischem Kiezgefühl“ → unbezahlbar.
Das Kiezgefühl kostet extra.
Von der Bewegung ins Parlament
Eralp trat 2017 der Linkspartei bei.
Seit 2021 gehört sie dem Berliner Abgeordnetenhaus an.
Damit wechselte sie vom politischen Engagement in ein Gebäude, in dem Probleme nicht mehr nur diskutiert werden.
Sie werden zusätzlich:
überwiesen.
An Ausschüsse.
Unter Ausschluss der Öffentlichkeit.
Mit Drucksachennummer.
Berlin besitzt schließlich für jedes Problem einen Verwaltungsprozess.
Und wenn nicht:
wird einer eingerichtet.
Die Juristin
Vor ihrem Einzug ins Abgeordnetenhaus arbeitete Eralp viele Jahre als rechtspolitische Referentin der Bundestagsfraktion der Linken.
Das bedeutet:
Während andere Menschen Netflix schauten, las Elif Eralp vermutlich Gesetzesbegründungen.
Freiwillig.
Komplett.
Mit Fußnoten.
Menschen, die so etwas tun, sollte man niemals in einer Diskussion mit dem Satz herausfordern:
„Das steht nirgendwo.“
Denn drei Sekunden später kommt:
„§ 17 Absatz 3 Satz 2.“
Und plötzlich möchte man nur noch nach Hause.
Wohnen in Berlin
Ein Schwerpunkt ihrer politischen Arbeit ist bezahlbares Wohnen. Sie wirbt unter anderem für stärkere Transparenz über Eigentumsverhältnisse und Mieten und unterstützte entsprechende Initiativen ihrer Fraktion. (linksfraktion.berlin)
Das Berliner Wohnungsproblem lässt sich derweil einfach erklären:
Wohnung vorhanden?
Ja.
Bezahlbar?
Nein.
Dafür Altbaucharme?
Die Heizung stammt jedenfalls aus einer historischen Epoche.
Balkon?
Französisch.
Das bedeutet:
Fenster.
Warmmiete?
Bitte setzen Sie sich.
Eralp fordert mehr Regulierung.
Immobilieninvestoren hören das Wort „Regulierung“ ungefähr so gern wie Vampire:
„Tageslicht.“
Kreuzberg
Politisches Zuhause ist Friedrichshain-Kreuzberg.
Ein Bezirk, in dem ein einziges Haus gleichzeitig enthalten kann:
eine alte Eckkneipe,
einen veganen Concept Store,
eine politische Initiative,
eine Eigentumswohnung zum Preis eines kleineren Flughafens
und jemanden, der seit 1993 erklärt:
„Früher war Kreuzberg noch Kreuzberg.“
Eralps Aufgabe besteht politisch darin, dafür zu sorgen, dass Menschen dort weiterhin wohnen können.
Ein ambitioniertes Projekt.
Denn gegen sie arbeitet der natürliche Feind des Berliner Mieters:
die Neuvermietung.
Migration und Antidiskriminierung
Eralp beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit Migrations- und Antidiskriminierungspolitik und engagiert sich gegen Rassismus.
Das führt im politischen Alltag regelmäßig zu Debatten, die ungefähr so funktionieren:
Eralp:
„Wir müssen differenzieren.“
Social Media:
„NEIN!“
Eralp:
„Der Sachverhalt ist komplex.“
Kommentarspalte:
„AUCH NEIN!“
Eralp:
„Vielleicht betrachten wir zunächst die Fakten.“
Internet:
„JETZT WIRD'S ABER UNVERSCHÄMT!“
Willkommen in der modernen politischen Kommunikation.
Elif Eralp gegen Berliner Behörden
Als Juristin besitzt Eralp außerdem die ideale Ausbildung für Berlin.
Denn Berlin ist die einzige Stadt, in der ein Verwaltungsproblem gelegentlich dadurch gelöst wird, dass man einen neuen Verwaltungsvorgang zur Untersuchung des bisherigen Verwaltungsvorgangs eröffnet.
Antrag gestellt.
Behörde:
„Unterlagen fehlen.“
Unterlagen eingereicht.
Behörde:
„Diese Unterlagen hätten Sie nicht einreichen müssen.“
Unterlagen zurückgezogen.
Behörde:
„Warum fehlen die Unterlagen?“
Eralp:
öffnet Juraordner
Behörde:
„Wir melden uns.“
Bearbeitungszeit:
Berlin.
Olympia? Berlin hat Erfahrungen mit Großprojekten
Auch die Berliner Olympia-Pläne kritisierte Eralp und stellte kostspielige Großprojekte sozialen Investitionen gegenüber. (linksfraktion.berlin)
Das ist politisch natürlich gefährlich.
Denn Berlin besitzt bei Großprojekten eine beeindruckende Tradition.
Andere Städte bauen Großprojekte.
Berlin produziert darüber:
Machbarkeitsstudien,
Kostensteigerungen,
Untersuchungsausschüsse
und irgendwann eine Netflix-Dokumentation.
Die entscheidende Frage bei einem Berliner Großprojekt lautet daher niemals:
„Wann wird es fertig?“
Sondern:
„Welche Generation eröffnet es?“
Typischer Arbeitstag
06:30 Uhr: Aufstehen.
07:00 Uhr: Nachrichten lesen.
Berlin hat Problem.
Keine Überraschung.
08:00 Uhr: Fahrt ins Abgeordnetenhaus.
ÖPNV hat Problem.
Jetzt zwei Probleme.
09:00 Uhr: Ausschussunterlagen.
Dreihundert Seiten.
Juristin lächelt.
Andere Abgeordnete werden nervös.
10:00 Uhr: Senat erklärt:
„Rechtlich schwierig.“
10:01 Uhr: Eralp öffnet Gesetz.
Unruhe im Raum.
11:00 Uhr: Mietpolitik.
Wohnung gefunden.
Preis gesehen.
Wohnung wieder verloren.
12:00 Uhr: Pressegespräch.
Frage zur aktuellen Politik.
Zweite Frage:
„Und was war eigentlich mit der Roten Hilfe?“
Eralp:
„Das hatten wir doch gerade …“
Journalist:
„Nur noch einmal fürs Protokoll.“
13:00 Uhr: Antidiskriminierungspolitik.
14:00 Uhr: Anfrage an den Senat.
14:05 Uhr: Senat beginnt Antwort mit:
„Dem Senat liegen hierzu keine Erkenntnisse vor.“
14:06 Uhr: Berlin funktioniert wieder normal.
15:00 Uhr: Kreuzberg-Termin.
16:00 Uhr: Gespräch über Verdrängung.
Während des Gesprächs eröffnet nebenan ein Laden mit handfermentiertem Leitungswasser.
17:00 Uhr: Parlament.
18:00 Uhr: Politischer Streit.
18:30 Uhr: Jemand sagt:
„Das ist rechtlich unmöglich.“
Eralp:
„Moment.“
Sitzung verlängert sich automatisch.
Besondere Fähigkeiten
Gesetzestext-Sofortzugriff
Normale Menschen googeln.
Juristen erinnern sich.
Eralp dürfte bei politischen Diskussionen vermutlich innerlich ein Suchfenster besitzen:
Argument wird geladen …
Rechtsgrundlage gefunden.
Gegner bedauert Wortmeldung.
Berliner Problemerkennung
Wo andere eine Wohnung sehen, erkennt sie:
Mietrecht.
Verdrängung.
Stadtentwicklung.
Sozialstruktur.
Diskriminierung.
Und wahrscheinlich mindestens eine Schriftliche Anfrage.
Politische Archivfestigkeit
Politische Biografien besitzen eine unangenehme Eigenschaft:
Nichts verschwindet wirklich.
Alte Interviews.
Alte Tweets.
Alte Mitgliedschaften.
Irgendwo existiert immer ein PDF.
Und PDFs vergessen nichts.
PDFs sind die Elefanten des Internets.
Das Eralp-Prinzip™
Ein Problem taucht auf.
Eralp fragt:
„Ist das gerecht?“
Senat:
„Nun …“
Eralp:
„Ist es rechtmäßig?“
Senat:
„Also …“
Eralp:
„Ist es sozial?“
Senat:
„Können wir vielleicht über etwas anderes reden?“
Journalist von hinten:
„Rote Hilfe?“
Alle:
„NICHT SCHON WIEDER!“
Lebensmotto
„Wenn Berlin sagt, etwas gehe nicht, sollte man vorsichtshalber erst einmal ins Gesetz schauen.“
Kurzprofil
Elif Eralp ist Volljuristin, Berliner Linken-Politikerin und eine jener Personen, bei denen die Kombination aus Jura und politischer Überzeugung für Sitzungsleitungen ungefähr so entspannend wirkt wie die Ankündigung einer unangekündigten Betriebsprüfung.
Sie kämpft gegen Diskriminierung.
Gegen Verdrängung.
Für bezahlbares Wohnen.
Sie war jahrelang passives Mitglied der Roten Hilfe, die vom Verfassungsschutz als linksextremistisch eingestuft wird, trat später aus – und besitzt damit außerdem jene unverzichtbare Qualifikation für eine längere politische Karriere:
eine biografische Fußnote, nach der Journalisten zuverlässig fragen können.
Andere Politiker bringen zu einer Debatte einen Slogan mit.
Eralp bringt einen Slogan,
einen Gesetzentwurf,
eine Rechtsgrundlage,
drei Änderungsanträge
und vermutlich bereits die Antwort auf den Einwand, den die Gegenseite erst in zwanzig Minuten vortragen wollte.
Vielleicht ist das ihre eigentliche Superkraft.
Denn irgendwo in Berlin sagt gerade wieder jemand:
„Das geht rechtlich leider nicht.“
In Kreuzberg klappt ein Aktenordner auf.
Ein Gesetzbuch wird aufgeschlagen.
Der Senat beginnt nervös in seinen Unterlagen zu blättern.
Und aus der Ferne hört man:
„Das werden wir ja sehen.“




