Name: Javier Gerardo Milei
Geboren: 22. Oktober 1970 in Buenos Aires
Beruf: Präsident Argentiniens, Ökonom, Staatsverkleinerer und vermutlich einziger Regierungschef, dessen politisches Organigramm auch im Baumarkt erhältlich ist
Spezialgebiet: Dinge abschaffen
Politisches Werkzeug: Kettensäge
Frisur: Vom Markt vollständig unreguliert
Frühe Jahre – der Markt regelt das
Javier Milei wurde 1970 in Buenos Aires geboren. Schon früh soll sich gezeigt haben, dass dieser Mann eine besondere Beziehung zur Wirtschaft besitzt.
Während andere Kinder ihr Taschengeld sparten, fragte Milei vermutlich seine Eltern, warum überhaupt eine zentralistische Institution über die Geldmenge im Kinderzimmer entscheide.
Andere Jugendliche rebellierten gegen ihre Eltern.
Milei rebellierte gegen Keynes.
Später studierte er Wirtschaftswissenschaften und entwickelte eine besondere Begeisterung für freie Märkte. Sehr freie Märkte. Märkte, die so frei sind, dass sie vermutlich morgens ohne Hose das Haus verlassen und rufen:
„DER PREIS REGELT DAS!“
Damit war seine berufliche Richtung klar.
Vom Ökonomen zum politischen Rockkonzert
Bevor Milei Präsident wurde, machte er sich als Ökonom und Fernsehkommentator einen Namen.
Wobei „Kommentator“ möglicherweise etwas untertrieben ist.
Normale Ökonomen sagen:
„Hier besteht möglicherweise fiskalpolitischer Anpassungsbedarf.“
Milei sagt sinngemäß:
„DAS SYSTEM MUSS WEG!“
Normale Talkshowgäste diskutieren.
Milei betritt eine Diskussion ungefähr so, wie eine Kettensäge einen Bonsai-Garten betritt.
Seine Auftritte machten ihn bekannt. Wo andere Politiker ihre Botschaften mit Diagrammen, Broschüren und Arbeitskreisen erklären, benötigt Milei im Wesentlichen drei Dinge:
eine Kamera,
ausreichend Dezibel
und etwas, das abgeschafft werden kann.
Die Frisur – Argentiniens letzte unregulierte Institution
Kein Porträt Javier Mileis wäre vollständig ohne seine Haare.
Diese Frisur sieht aus, als hätten Margaret Thatcher, ein Gewitter und ein schlecht gelaunter Löwe gemeinsam ein Start-up gegründet.
Vermutlich besitzt sie keine feste Form.
Form wäre Regulierung.
Mileis Haare folgen deshalb konsequent den Prinzipien des freien Marktes: Jeder einzelne Strang entscheidet selbst, wohin er wachsen möchte.
Ökonomen sprechen vom Follicular Libertarianism.
Friseure sprechen gar nicht darüber.
Sie haben Angst.
Die Kettensäge
Während Politiker traditionell mit Kugelschreibern, Aktenordnern oder PowerPoint-Präsentationen auftreten, machte Milei im Wahlkampf die Kettensäge zu seinem Symbol für radikale Einschnitte beim Staat.
Das war kommunikativ ausgesprochen effizient.
Ein deutscher Finanzminister benötigt für die Ankündigung von Haushaltskürzungen normalerweise ein 186-seitiges Eckpunktepapier.
Milei braucht:
WRRROOOAAAAAMMM!
Fertig.
Das Publikum weiß Bescheid.
Die Kettensäge wurde damit praktisch zum PowerPoint Argentiniens.
Folie 1: Staat.
Folie 2: Kettensäge.
Folie 3 existiert nicht mehr.
Präsident Milei
2023 wurde Javier Milei zum Präsidenten Argentiniens gewählt.
Damit geschah etwas Bemerkenswertes: Ein Mann, der jahrelang erklärte, wie problematisch der Staat sei, wurde plötzlich Chef des Staates.
Das ist ungefähr so, als würde ein überzeugter Vegetarier Geschäftsführer einer Metzgerei werden – allerdings mit dem Wahlversprechen, zunächst die Wursttheke abzuschaffen.
Mileis wirtschaftspolitisches Programm setzte auf drastische Sparmaßnahmen, Deregulierung und eine grundlegende Veränderung staatlicher Strukturen.
Sein Regierungsprinzip lässt sich vereinfacht ungefähr so darstellen:
Ministerium vorhanden?
Warum?
Behörde vorhanden?
Warum?
Subvention vorhanden?
WER HAT DAS GENEHMIGT?!
Kettensäge vorhanden?
Ausgezeichnet.
Milei und der Staat
Das Verhältnis zwischen Javier Milei und dem Staat ist kompliziert.
Er ist Präsident des Staates.
Er möchte weniger Staat.
Der Staat bezahlt seine Regierung.
Seine Regierung baut den Staat zurück.
Damit ist Milei gewissermaßen der Hausmeister eines Gebäudes, dessen Grundriss er für sozialistische Propaganda hält.
Sein politisches Ideal scheint ein Staat zu sein, der morgens ins Büro kommt, seinen Schreibtisch selbst abbaut und anschließend seine eigene Stelle streicht.
Effizienzsteigerung abgeschlossen.
Diplomatie auf Milei-Art
Auch international gehört Milei nicht unbedingt zur diplomatischen Schule „Wir äußern uns mit großer Sorge“.
Seine rhetorische Grundausstattung ähnelt eher:
„Was?! Nein! Absolut nicht! Nächste Frage!“
Diplomatische Formulierungen besitzen schließlich ein grundsätzliches Problem:
Sie enthalten häufig Wörter, die man auch weglassen könnte.
Und unnötige Wörter sind sprachliche Bürokratie.
Milei dereguliert deshalb gelegentlich gleich den ganzen Satz.
Typischer Arbeitstag
07:00 Uhr: Aufstehen. Frisur entscheidet sich gegen staatliche Kontrolle.
08:00 Uhr: Wirtschaftsindikatoren prüfen.
08:30 Uhr: Ein Ministerium entdeckt.
08:31 Uhr: Misstrauischer Blick.
09:00 Uhr: Sitzung des Kabinetts.
09:15 Uhr: Kabinett vorsichtshalber kleiner.
10:00 Uhr: Jemand schlägt eine Subvention vor.
10:01 Uhr: Sicherheitsdienst kontrolliert, ob die Kettensäge betankt ist.
12:00 Uhr: Mittagessen. Beilagen werden dereguliert.
14:00 Uhr: Pressekonferenz.
14:03 Uhr: Erste gemäßigte Antwort.
14:04 Uhr: Irrtum bemerkt.
14:05 Uhr: Lautstärke normalisiert sich wieder auf Milei-Niveau.
16:00 Uhr: Bürokratieabbau.
17:00 Uhr: Abbau des Bürokratieabbau-Ausschusses, weil dieser selbst Bürokratie erzeugt.
18:00 Uhr: Feierabend.
18:01 Uhr: Feststellung, dass geregelte Arbeitszeiten möglicherweise staatlicher Interventionismus sind.
Weiterarbeiten.
Besondere Fähigkeiten
Javier Milei kann einen wirtschaftswissenschaftlichen Vortrag so halten, dass man jederzeit damit rechnet, dass gleich entweder Friedrich Hayek zitiert oder ein Möbelstück zerlegt wird.
Er besitzt außerdem die seltene Fähigkeit, das Wort „Staat“ so auszusprechen, als habe dieser ihm persönlich den Parkplatz weggenommen.
Hinzu kommt eine bemerkenswerte politische Energie.
Andere Regierungschefs präsentieren einen Zehnjahresplan.
Milei vermittelt gelegentlich den Eindruck, er wolle bis Donnerstag fertig sein.
Lebensmotto
„Der Markt regelt das.“
Und falls der Markt es nicht regelt?
Dann war vermutlich noch irgendwo eine Behörde im Weg.
Kurzprofil
Javier Milei ist Ökonom, Präsident, libertärer Staatskritiker und wandelnder Beweis dafür, dass ein Regierungsprogramm gleichzeitig Wirtschaftstheorie und Baumarktwerbung sein kann.
Wo andere Politiker Reformen ankündigen, gründet Milei gedanklich bereits den Ausschuss zur Abschaffung des Ausschusses – und schafft anschließend sicherheitshalber auch den Ausschuss ab.
Sein größtes politisches Paradox bleibt dabei wunderschön:
Er wurde zum mächtigsten Mann des argentinischen Staates gewählt, um dafür zu sorgen, dass der argentinische Staat möglichst wenig zu sagen hat.
Oder kürzer:
Javier Milei wollte den Staat auf Diät setzen.
Der Staat fragte nach dem Ernährungsplan.
Milei hob die Kettensäge.
Seitdem fragt niemand mehr.




