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POLITIK

Deutschland verwirrt: Politischer Kompass verlangt Neustart

admin · 29.08.2026 · 2 Min. Lesezeit
Grafik: Wagenknecht und der kaputte politische Kompass
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Deutschland hat ein neues politisches Problem. Nicht Inflation, Migration, Rente oder Bürokratie.

Links und rechts funktionieren nicht mehr.

BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht hat Teile der Bundesregierung als rechtsextrem bezeichnet. Ihre Begründung: Wer auf Autoritarismus, Einschränkungen der Meinungsfreiheit und Demokratieabbau setze, sei für sie rechtsextrem. Außerdem wolle die Bundesregierung Deutschland militärisch massiv stärken – und so etwas habe früher als rechts gegolten.

Damit befindet sich die politische Orientierung der Bundesrepublik endgültig dort, wo sonst Autofahrer nach dreimaligem falschen Abbiegen landen:

„Route wird neu berechnet.“

Die Bundesregierung reagierte angemessen souverän. Ihr stellvertretender Sprecher Steffen Meyer erklärte den Vorwurf für derart absurd, dass sich eine Antwort erübrige.

Eine hervorragende Antwort auf eine Frage, auf die sich eine Antwort erübrigt.

Damit erreicht deutsche Regierungskommunikation beinahe Zen-Niveau.

Interessanter wurde es bei der AfD. Auf die Frage, ob sie diese als rechtsextrem einstufe, wollte Wagenknecht lieber über deren Positionen sprechen. Es gebe dort Menschen, die sehr weit rechts stünden.

Deutschland benötigt deshalb dringend einen neuen politischen Kompass.

Das alte Modell mit „links“ und „rechts“ ist offensichtlich überfordert.

Früher war links irgendwo bei Sozialismus, rechts irgendwo bei Konservatismus und dazwischen stand die FDP und suchte nach fünf Prozent.

Heute kann offenbar Aufrüstung rechts sein, Friedenspolitik links, Russlandnähe irgendwo quer durch den Kreisverkehr und Meinungsfreiheit sowieso jeder für sich beanspruchen.

Politikwissenschaftler sollten deshalb die klassische Links-rechts-Achse abschaffen und durch Google Maps ersetzen.

„In 300 Metern bitte gemäßigt rechts abbiegen.“

„Dann scharf links Richtung Sozialstaat.“

„Achtung! Sie nähern sich einer populistischen Baustelle.“

„Bitte wenden.“

Besonders kompliziert wird es, wenn politische Begriffe individuell definiert werden.

Dann könnte Friedrich Merz erklären: „Für mich bedeutet links, dass jemand Hafermilch besitzt.“

Die Grünen könnten antworten: „Für uns beginnt rechts bei 130 km/h.“

Und Markus Söder könnte festlegen: „Extremismus ist alles ohne Weißwurst.“

Am Ende wäre Deutschland politisch hervorragend sortiert.

Jeder hätte eine Definition.

Niemand dieselbe.

Vielleicht sollte der Bundestag künftig überhaupt keine Sitzordnung mehr nach politischen Lagern verwenden.

Stattdessen bekommt jeder Abgeordnete einen Drehstuhl.

Dann kann sich jeder morgens selbst entscheiden, wo heute links und rechts ist.

Und wenn die Orientierung endgültig verloren geht, meldet sich eine freundliche Stimme aus dem Navigationsgerät:

„Sie haben das politische Spektrum verlassen.“

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