Wenn der Lehrermangel so groß wird, dass selbst die Kreide aus den 80ern wieder eingestellt wird.
Nordrhein-Westfalen hat eine revolutionäre Lösung für den akuten Lehrermangel gefunden. Während andere Länder über bessere Arbeitsbedingungen, kleinere Klassen oder mehr Studienplätze diskutieren, setzt man in Düsseldorf auf eine deutlich einfachere Idee: Die Lehrer sollen einfach nicht mehr aufhören.
Wer bislang glaubte, die Pension sei eine Phase des Lebens, in der man sich entspannt zurücklehnt, den Garten pflegt und seinen Enkeln erklärt, warum man früher mit Overheadprojektoren kämpfen musste, der hat die Rechnung ohne die moderne Bildungspolitik gemacht.
Die Landesregierung möchte pensionierungswillige Lehrkräfte künftig mit einem Gehaltszuschlag von 15 Prozent zum Weiterarbeiten motivieren. Frei nach dem Motto:
„Ruhestand ist etwas für Länder mit genügend Personal.“
Ein Sprecher des Ministeriums für Schule und Bildung erklärte gegenüber der Rheinischen Post, dass Lehrkräfte über der Regelaltersgrenze eine wichtige Unterstützung seien.
Eine Formulierung, die ungefähr so klingt wie:
„Wir haben zwar keine Lösung, aber wir haben noch Herrn Meier aus dem Jahrgang 1958.“
Der Traum jeder Schule: Lehrer mit Erfahrung aus sechs Bildungssystemen
Die Vorteile liegen auf der Hand.
Wer mit 68 Jahren noch unterrichtet, verfügt über pädagogische Erfahrungen aus mehreren Epochen.
Diese Lehrer haben bereits unterrichtet, als Schüler noch heimlich Zettel statt WhatsApp-Nachrichten verschickten.
Sie kennen die Einführung des Taschenrechners.
Sie haben die Rechtschreibreform erlebt.
Sie haben die zweite Rechtschreibreform erlebt.
Und vermutlich haben sie auch schon die dritte und vierte überlebt, ohne es zu bemerken.
Einige Lehrkräfte können inzwischen aus eigener Erfahrung erklären, wie sich das Bildungssystem unter verschiedenen Bundeskanzlern entwickelt hat.
Die Antwort lautet meist:
„Gar nicht.“
Neue Karrierewege bis zum 97. Lebensjahr
Experten rechnen bereits mit einer Anpassung der Berufsplanung.
Das klassische Modell:
- Ausbildung
- Studium
- Beruf
- Ruhestand
könnte bald ersetzt werden durch:
- Studium
- Unterricht
- Unterricht
- Unterricht
- Unterricht
- Unterricht
- Unterricht
- Friedliche Verwandlung in einen historischen Zeitzeugen
Erste Schulen sollen bereits an neuen Raumkonzepten arbeiten.
Neben Lehrerzimmern entstehen künftig:
- Ruhebereiche mit orthopädischen Sesseln
- Kreidehalter mit Arthritis-Unterstützung
- Defibrillatoren neben dem Kopierer
- Parkplätze für Rollatoren mit Elektroantrieb
Bildungsforscher sprechen von einer notwendigen Modernisierung.
Der Unterricht der Zukunft
Besonders spannend wird die Entwicklung des Unterrichts.
Lehrkräfte mit über 70 Jahren können Schülerinnen und Schülern künftig direkt aus erster Hand berichten, wie das Internet erfunden wurde.
„Herr Schneider, stimmt es, dass es früher kein WLAN gab?“
„Natürlich nicht. Damals musste man noch aufstehen, wenn man den Fernseher umschalten wollte.“
„Und wie habt ihr überlebt?“
„Mit sehr viel Geduld, Kinder.“
Historiker erwarten dadurch einen deutlichen Anstieg des Allgemeinwissens.
Und einen noch stärkeren Anstieg ungläubiger Schülerblicke.
Nordrhein-Westfalen denkt größer
Die angekündigte Erhöhung des Zuschlags von zehn auf 15 Prozent gilt als Signal.
Insider berichten, dass bereits weitere Maßnahmen geprüft werden.
Darunter:
- Goldene Kreide für jedes zusätzliche Dienstjahr
- Ehrenabzeichen für Lehrkräfte ab dem 75. Geburtstag
- Lebenslange Gratis-Kaffeeversorgung
- Ein persönlicher Parkplatz direkt neben dem Schulleiter
- Priorisierte Behandlung bei der jährlichen Kopierer-Reparatur
Ein besonders ehrgeiziger Entwurf sieht sogar eine neue Besoldungsgruppe vor:
A99 – Pädagogische Legende.
Konkurrenzdruck auf andere Berufsgruppen
Der Erfolg könnte Schule machen.
Schon jetzt beobachten andere Branchen die Entwicklung aufmerksam.
Krankenhäuser prüfen angeblich, ob pensionierte Chefärzte bis 92 weiteroperieren könnten.
Kommunen denken darüber nach, ehemalige Bürgermeister zurückzuholen.
Und erste Behörden sollen erwägen, Sachbearbeiter erst dann in Pension zu schicken, wenn sie den Standort ihrer eigenen Akte gefunden haben.
Die Zahlen sprechen für sich
Tatsächlich zeigt die Statistik, dass immer mehr Lehrkräfte über die Regelaltersgrenze hinaus arbeiten.
Während 2016 noch 473 Lehrkräfte jenseits der damaligen Altersgrenze aktiv waren, sind es heute mehr als 1340.
Die Zahl hat sich also nahezu verdreifacht.
Optimisten sprechen von einer Erfolgsgeschichte.
Pessimisten sprechen von einem Warnsignal.
Satiriker sprechen von einer Personalstrategie, die ungefähr dem Vorgehen entspricht, mit dem man einen alternden Fuhrpark am Leben hält:
Man klebt noch ein paar Ersatzteile dran und hofft auf das Beste.
Der große Traum vom ewigen Lehrer
Am Ende bleibt Nordrhein-Westfalen seiner Tradition treu: pragmatische Lösungen für komplizierte Probleme.
Wenn nicht genügend neue Lehrkräfte kommen, dann bleiben die alten eben länger.
Vielleicht entsteht daraus sogar ein völlig neues Bildungskonzept.
Die Schule der Zukunft könnte aus Lehrkräften bestehen, die bereits Generationen derselben Familie unterrichtet haben.
„Herr Weber hatte schon meinen Vater.“
„Meinen Opa auch.“
„Und meine Urgroßmutter.“
„Dann ist Herr Weber vermutlich älter als das Schulgebäude.“
„Nein“, antwortet Herr Weber. „Das Schulgebäude wurde erst 1978 gebaut.“
Die Klasse applaudiert.
Nicht aus Höflichkeit.
Sondern weil Herr Weber gerade wieder einmal erfolgreich bewiesen hat, dass Erfahrung durch nichts zu ersetzen ist – außer vielleicht durch genügend Nachwuchs.
Und genau daran wird weiterhin gearbeitet.
Vermutlich.
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