Bundesregierung senkt Spritkosten – Mineralölkonzerne entdecken die wundersame Preisverdunstung!
Deutschland kann aufatmen! Die Bundesregierung hat den Tankrabatt erfunden. Endlich sollen Autofahrer weniger bezahlen. Das Geld wurde ordnungsgemäß aus der Staatskasse verabschiedet, liebevoll mit guten Wünschen versehen und auf die Reise zur Zapfsäule geschickt.
Doch dann geschah etwas Mysteriöses.
Die Ersparnis verschwand unterwegs.
Nicht vollständig, versteht sich. Bei Benzin erreichten laut einigen Berechnungen sogar fast sämtliche Rabattteilchen ihr Ziel. Besonders beim Diesel allerdings schien ein Teil der Entlastung unterwegs eine spontane berufliche Neuorientierung zu erfahren.
Die Wissenschaft steht vor einem Rätsel. Mineralölkonzerne sprechen in dieser frei erfundenen Geschichte von einem völlig natürlichen Phänomen: der preiswirtschaftlichen Rabattverdunstung.
„Sobald staatliche Entlastungen mit freiem Markt in Berührung kommen, können einzelne Ersparnismoleküle verdampfen“, erklärt ein fiktiver Konzernsprecher. „Das ist reine Physik. Vorzugsweise unsere Bilanzphysik.“
Die Bundesregierung reagierte entschlossen und gründete das Institut für angewandte Rabattverflüchtigung, kurz IARV.
Dessen Aufgabe: Herausfinden, warum staatliches Geld auf dem Weg zum Bürger gelegentlich schrumpft, während Unternehmensgewinne von solchen Verdunstungsproblemen auffallend selten betroffen sind.
Die Ermittler untersuchten zunächst die Zapfsäulen.
Ergebnis: Die Geräte funktionieren einwandfrei. Sie zeigen Preise an, kassieren Geld und verursachen bei Autofahrern zuverlässig spontane Blutdrucksteigerungen.
Anschließend wurde der Rabatt befragt.
Dieser erklärte, er habe die Staatskasse vollständig verlassen, sei dann aber an einer Raffinerie vorbeigekommen und könne sich an nichts mehr erinnern.
Die Bundesregierung zeigte sich trotzdem zufrieden.
„Wir haben die Bürger entlastet!“, verkündete ein frei erfundener Regierungssprecher stolz.
Auf die Frage, ob die Entlastung tatsächlich vollständig angekommen sei, verwies er auf den entscheidenden Unterschied zwischen politischem Erfolg und wirtschaftlicher Wirklichkeit.
„Entscheidend ist nicht, was beim Bürger ankommt, sondern was wir vorher angekündigt haben!“
Auch die Mineralölwirtschaft wies sämtliche Vorwürfe zurück. Die hohen Preise seien ausschließlich auf internationale Krisen, schwankende Märkte und möglicherweise ungünstige Sternenkonstellationen zurückzuführen.
Dass Kraftstoffpreise manchmal schneller steigen als eine Silvesterrakete, aber langsamer fallen als ein schlecht gelaunter Fahrstuhl, sei selbstverständlich Zufall.
Verbraucherschützer fordern inzwischen eine Kennzeichnungspflicht für Tankrabatte.
Auf jeder Zapfsäule soll künftig stehen: „Diese Ersparnis kann Spuren von Unternehmensgewinnen enthalten.“
Besonders praktisch wäre außerdem ein neues Tankstellenangebot: Beim Bezahlen erhalten Autofahrer einen Gutschein über die staatlich versprochene Entlastung. Einlösbar ausschließlich bei der nächsten Pressekonferenz der Bundesregierung.
Dort gibt es immerhin warme Worte. Kostenlos.
Die Bundesregierung erwägt unterdessen, das erfolgreiche Modell auf andere Lebensbereiche auszuweiten.
Mietrabatte könnten künftig direkt an Immobilienkonzerne überwiesen werden. Lebensmittelentlastungen würden vorsorglich bei Supermarktketten verbleiben. Und Lohnerhöhungen könnten zur Vermeidung unnötiger Verwaltungswege gleich beim Arbeitgeber geparkt werden.
Denn beim Tankrabatt hat die Politik etwas Entscheidendes bewiesen: Der Staat kann Geld ausgeben, die Konzerne können profitieren und der Bürger darf sich freuen. Zumindest theoretisch.
Die endgültige Untersuchung zur verschwundenen Ersparnis ist übrigens abgeschlossen.
Sie wurde gefunden. Nicht im Tank der Autofahrer, sondern dort, wo staatliche Entlastungen offenbar besonders gerne parken: in der Nähe fremder Bilanzen.




