Im Weißen Haus wurde ein neues Sicherheitssystem erprobt. Es erkennt Reporter, sobald sie eine Frage stellen, deren Antwort nicht bereits auf einem vorbereiteten Zettel steht. Besonders empfindlich reagierte es auf CNN, MS NOW und Politico. Ihre Akkreditierungen wurden gesperrt. Das Justizministerium sprach von nationaler Sicherheit. Offenbar bestand die Gefahr, dass eine Nachfrage unkontrolliert bis zum Präsidenten vordringen könnte.
Dann meldete sich ein Bundesrichter. Tim Kelly ordnete an, den betroffenen Medien den Zugang vorläufig wieder zu ermöglichen. Ihr Ausschluss sei wahrscheinlich verfassungswidrig; die Sicherheitsbegründung der Regierung überzeugte ihn nicht. Das Verbot hatte damit ungefähr die Haltbarkeit einer Sahnetorte auf Trumps Schreibtisch.
Im Westflügel wurde umgehend nach der undichten Stelle gesucht. Hatte jemand die Pressefreiheit durch eine Seitentür hereingelassen? Warum hatte der Personenschutz die Verfassung nicht aufgehalten? Und wer hatte diesem Richter überhaupt gestattet, eine Entscheidung zu treffen, bevor Trump sie als unfair bezeichnen konnte?
Der Präsident hatte den ausgeschlossenen Medien vorgeworfen, „Fiktion und Lügen“ zu verbreiten. Nun musste sein Team erklären, weshalb ausgerechnet diese Berichterstattung die nationale Sicherheit gefährden sollte. In der satirischen Lagebesprechung lag die Antwort griffbereit: Ein kritischer Artikel könnte einen ganzen Vormittag ruinieren. Schlimmer noch, ein Reporter könnte nach Belegen fragen. Für diesen Ernstfall war im Regierungsgebäude offenbar kein Fluchtweg ausgeschildert.
Auch andere Fernsehsender fanden die Idee befremdlich, dass ein Präsident den Pressezugang nach Gefallen sortiert. Sie setzten ihre gemeinsame Berichterstattung über seine Auftritte aus. Ausgerechnet Trumps Lieblingsbühne stand plötzlich ohne das gewohnte Kameragedränge da.
Trump hatte schon vor der Entscheidung angekündigt, einem Richterspruch „wahrscheinlich“ zu folgen. Dieses „wahrscheinlich“ sollte man pfleglich behandeln. Es ist ein seltenes Wort in seiner politischen Sammlung und könnte jederzeit gegen ein lauteres ausgetauscht werden.
Vorerst dürfen die Reporter also wieder hinein. Sie werden fragen, mitschreiben und womöglich veröffentlichen, was sie erfahren. Für die Regierung beginnt damit eine anspruchsvolle Phase der Krisenbewältigung: Sie könnte versuchen, die Fragen zu beantworten.




