Der amerikanische Wahlkampf hat in Alaska einen Punkt erreicht, an dem selbst ein Telefonbuch als hochpolitisches Dokument gelten könnte.
Im Rennen um den US-Senat tauchen nämlich nicht nur Dan S. Sullivan, der republikanische Amtsinhaber, und Dan J. Sullivan, ein wenig bekannter Herausforderer mit praktisch demselben Namen, auf. Nun meldete sich auch noch der frühere Anchorage-Bürgermeister Dan A. Sullivan zu Wort – und empfahl ausdrücklich Dan S. Sullivan.
Damit gibt es inzwischen so viele Sullivans, dass die Republikanische Partei ernsthaft darüber nachdenken könnte, künftig nicht mehr nach Kandidaten, sondern nach Mittelnamen abzustimmen.
Trump findet den „echten“ Dan
Donald Trump hatte das Problem bereits auf seine gewohnt feinsinnige Weise gelöst.
Er rief die Wähler dazu auf, „DEN ECHTEN DAN SULLIVAN“ zu wählen und stellte den anderen Sullivan als verdächtigen Störkandidaten dar. Tatsächlich beschuldigen Republikaner Dan J. Sullivan schon länger, seine Kandidatur solle Wähler verwirren und der Demokratin Mary Peltola helfen. Dan J. Sullivan bestreitet das.
Amerika besitzt damit erstmals ein Wahlkampfproblem, das sich hervorragend mit der Frage lösen ließe:
„Wie lautet der zweite Buchstabe?“
Das ist für Trump allerdings riskant.
Denn sobald Politik von Buchstaben abhängt, befindet man sich gefährlich nahe an einem Wissenstest.
Sullivan unterstützt Sullivan gegen Sullivan
Dann erschien Dan A. Sullivan.
Der ehemalige Bürgermeister erklärte sinngemäß, er sei der ursprüngliche Dan Sullivan und unterstütze Senator Daniel S. Sullivan.
Damit lautet die republikanische Wahlempfehlung ungefähr:
Sullivan sagt: Wählt Sullivan, aber nicht Sullivan.
CNN könnte dafür demnächst eine eigene Bildschirmgrafik brauchen.
Oben links: Dan.
Oben rechts: Dan.
Unten links: anderer Dan.
Darunter blinkt:
BREAKING NEWS: SULLIVAN BACKS SULLIVAN
Der durchschnittliche Zuschauer schaltet nach zwölf Minuten erschöpft zu einem Kreuzworträtsel um, weil es leichter ist.
Natürlich steckt dahinter eine Verschwörung
Für Teile der Republikaner liegt natürlich der Verdacht nahe, dass eine demokratische Verschwörung hinter der Namensvielfalt steckt. Die Kandidatur von Dan J. Sullivan war bereits Gegenstand juristischer Auseinandersetzungen; der Alaska Supreme Court ließ ihn schließlich auf dem Stimmzettel.
Das eröffnet völlig neue Perspektiven.
Vielleicht rekrutieren Demokraten künftig gezielt weitere Kandidaten:
Ronald D. Trump.
Donald F. Trump.
Donald J. Tramp.
Und besonders gefährlich:
Donald Trump Jr., aber ein anderer.
Die Republikanische Partei müsste daraufhin jeden Wahlzettel mit einem Echtheitszertifikat versehen.
„Achten Sie auf Wasserzeichen, Hologramm und Originalfrisur.“
Die Wahlmaschine Alaska
Das Ganze wird zusätzlich dadurch unterhaltsam, dass Alaska ein parteiübergreifendes Vorwahlsystem hat, bei dem die vier Stimmenstärksten in die Hauptwahl einziehen. Nach der Vorwahl vom 18. August lagen Mary Peltola und der amtierende Dan S. Sullivan vorne; auch der zweite Dan Sullivan hatte gute Chancen auf den November-Stimmzettel.
Damit könnte der amerikanische Wähler im November vor einer politischen Multiple-Choice-Frage stehen:
Dan Sullivan
Dan Sullivan
Mary Peltola
Noch jemand
Bitte kreuzen Sie sorgfältig an.
Trump dürfte vorsichtshalber erneut erklären, welcher Dan der echte Dan ist.
Vielleicht persönlich.
Vielleicht mehrfach.
Vielleicht in Großbuchstaben.
Und sollte trotzdem der falsche Sullivan Stimmen bekommen, steht die Erklärung schon fest:
Wahlbetrug?
Nein.
Noch schlimmer.
Namensgleichheit.
Die größte Bedrohung für die amerikanische Demokratie seit der Erfindung des Mittelnamens.




